„Das Herz des Volkes schlägt der Weihnacht entgegen“ - Eröffnung der Krippenausstellung in Neukirchen b. Hl. Blut

10.12.2019
Die Leihgeberin Gabriele Neumaier freute sich mit Bischof und Bürgermeister über die geglückte Ausstellung mit Krippen ihres Vaters Ludolf Stegherr.

"Weihnachtskrippen und weitere biblische Darstellungen haben eine ganz besondere Anziehungskraft auf Groß und Klein" - damit sprach erster Bürgermeister Markus Müller allen Anwesenden aus dem Herzen bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Passion ohne Grenzen - Krippen aus Böhmen", die am Nikolaustag in dem Wallfahrtsort am Hohen Bogen nahe der tschechischen Grenze im Landkreis Cham eröffnet wurde und bis 2. Februar 2020 der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Vielzahl von anwesenden Ehrengästen waren alle dieser Passion verfallen, allen voran Diözesanbischof und begeisterter Krippensammler Dr. Rudolf Voderholzer, der zuvor mit einem Pontifikalgottesdienst die Wiedereröffnung der renovierten Marktkirche "St. Nikolaus" feierte und anschließend die Ausstellungseröffnung mit einem Festvortrag bereicherte.

 

Krippen aus Böhmen und Mähren

Er war es auch, der die Verbindung knüpfte zur Familie seines fast genau vor fünf Jahren verstorbenen Sammlerfreundes Ludolf Stegherr. So konnte Bürgermeister Müller im übervoll besetzten Pflegersaal des Wallfahrtsmuseums Stegherrs Tochter Gabriele Neumaier mit Gatten Dr. Ulrich Neumaier begrüßen, die mit Familie und Freunden (darunter auch der ehemalige Domkapellmeister Roland Büchner) mit einem Kleinbus aus Regensburg gekommen waren. Die private Sammlung ihres Vaters mit Krippen vorwiegend aus Böhmen und Mähren gilt als Geheimtipp unter Kennern und wird nun erstmalig als Leihgabe der Öffentlichkeit im Neukirchner Wallfahrtsmuseum präsentiert. Für die Zusammenstellung und Organisation bedankte sich der Bürgermeister maßgeblich bei der aus der Marktgemeinde stammenden Leiterin des Fachbereichs Kunst- und Denkmalpflege des Bistums, Dr. Maria Baumann, dem Kurator Dr. Thomas Huber und dem örtlichen Museumsleiter Günther Bauernfeind.

Ein große Krippenlandschaft aus der Region Grulich/heute Králiky um 1900 zeigt das typische rege Treiben mit vielen Figuren und Details.


Sonderausstellungen behandeln Themen aus Bayern und Böhmen

Den Saal füllten die geladenen Gäste wie die Ehrenbürger und Träger der Bürgermedaille des Ortes, Bürgermeisterstellvertreter, Markt- und Kreisräte, Heimatforscher und Denkmalpfleger, Pfarrer Monsignore Georg Englmeier und Pater Benjamin und auch Bürgermeisterin Jana Dirriglova aus der böhmischen Partnergemeinde Loucim, aus dessen Ort vor 600 Jahren die Heilige Madonna der Wallfahrtskirche kam. Seit der Eröffnung des Wallfahrtsmuseums 1992 ist es nun die 79. Sonderausstellung, die je zur Hälfte bayerische und böhmische Themen behandelten, und zum fünften Mal ziehen Krippen die Besucher an. Erst letztes Jahr gab Bischof Voderholzer seine persönlichen "Krippen aus aller Welt" als Leihgabe zur Ausstellung nach Neukirchen und hatte sie mit einem Exponat des hiesigen Krippenbauers Anton Fischer erweitert. Markus Müller bezeichnete die Sammlung von Ludolf Stegherr als "legendär" und freute sich sehr, dass der Diözesanbischof diese Ausstellung vermittelt hat.

Ein Meisterwerk ist diese aus Tierknochen geschnitzte Passionskrippe.

 

Liebe zu Weihnachtskrippen verbindet  Deutsche und Tschechen

Kurator Dr. Thomas Huber sorgte auch mit zwei Musikkolleginnen als Gruppe "DiAlJuDo" für die musikalische Umrahmung des Abends mit besonders passenden und einfühlsamen Liedern und stimmte die Gäste ein auf den Festvortrag des Bischofs, den dieser mit großem Fachwissen und persönlicher Freude und Engagement vortrug. "Böhmen gilt als die Wiege der Krippen in der ganzen Welt" überraschte Voderholzer und gab einen Umriss aus der geschichtlichen Entwicklung, die etwa zeitgleich um 1562 in Portugal und Böhmen ihren Anfang nahm. Das Aufblühen beginnt mit Ignatius von Loyola, der als Ordensgründer der Jesuiten eine Krippe nach Prag bringt und damit den frühesten Beleg über eine Kirchenkrippe liefert. Eine Hauskrippe wird erstmals 1567 im Besitz der Herzogin Constanze von Amalfi erwähnt und von Böhmen aus strahlt die Begeisterung bald auf Bayern, Italien und Österreich über.

Dr. Voderholzer hatte für die Zuhörer zahlreiche Kopien eines Auszuges aus einem Buch der Krippenforscher Alfred Karasek und Josef Lanz dabei, die auf einer Karte die dichte Verteilung in elf Krippenregionen in Böhmen, Mähren, Sudetenland und Schlesien zeigte. Auch Neukirchen war jenseits der Grenze gekennzeichnet ebenso wie das "Grulicher Ländchen" in Nordböhmen am Fuße des Adlergebirges, dem heutigen tschechischen Králiky, einem Zentrum der böhmischen Krippenbaukunst, dessen Exponate auch vornehmlich Ludolf Stegherr gesammelt hat. Die Voraussetzungen in diesen Regionen waren gut, es gab viel Wald, Holz, Schnitzer und Handwerker und das Krippenwesen hat alle Bevölkerungsschichten ergriffen. "Das Herz des Volkes schlug der Weihnacht entgegen" und wie heute hat auch damals schon die Liebe zu den Weihnachtskrippen Deutsche und Tschechen verbunden. "Deshalb ist der Titel der Ausstellung `Passion ohne Grenzen´ gut gewählt und wir sollten dies in unseren weiteren Beziehungen ausbauen" rief der Bischof auf.

Mit einer eigenen Passion für Krippenbaukunst führte Bischof Rudolf als Festredner in das Thema der Ausstellung ein.


Papst Franziskus ruft zur Pflege der Krippentradition auf

Neben einem Umriss über einige verschiedene böhmische Krippenbauregionen und ihrer Besonderheiten stellte er auch die Trebitscher Papierkrippen vor und stolz präsentierte er ein Buch mit neuen Ausschneidbögen, die der Bischof erst kürzlich erstanden hat und er hofft, dass er bald Zeit findet sich dem hinzugeben. Auch freute er sich über den "lehramtlichen Rückenwind" von Papst Franziskus, der ganz aktuell am ersten Adventssonntag in seinem neuen apostolischen Schreiben "Admirabile Signum" über die Entstehung und Tradition von Weihnachtskrippen schreibt und die Katholiken aufruft, überall Krippen aufzustellen, denn sie ist lebendiges Evangelium und man soll sich von dieser Demut anziehen lassen.


Die Ausstellung

Große Landschaften und kleine Kastenkrippen aus Holz oder Ton, filigrane Papierkrippen oder eine Passionskrippe aus Tierknochen, viele farbige und feine Details erschließen sich den interessierten Besuchern der Ausstellung. Ein Großteil der Exponate stammt aus der böhmischen Region Grulich, wo sie in feiner Handarbeit meist Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind, als Zeitvertreib oder Winterarbeit und aus dem frömmigen Glauben heraus, für die Familie und die Nachwelt ein ständiges Zeichen der Menschwerdung Gottes zu schaffen, mit einer Passion, die auch heute noch die Menschen in einer Welt ohne Grenzzaun fasziniert.

 

Öffnungszeiten

Vom 7. Dezember 2019 bis 2. Februar 2020 von Dienstag bis Freitag 9 bis12 Uhr und 13 bis 17 Uhr; Samstag, Sonntag, Feiertage von 10 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr. An Heiligabend und Silvester nur von 10 bis 12 Uhr.

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