Das Regensburger Domkapitel setzt auf barrierefreie Kommunikation: Vorstellung des Domführers in Leichter Sprache

12.07.2018
Im Hof beim Eingang des Doms am Eselsturm treffen sich zur Vorstellung des Domführers in Leichter Sprache (v.li.:) der Inklusionsbeauftragte der Stadt Regensburg Frank Reinel, Hagen Horoba (Leiter Domplatz 5), M.A. Ines Amann (Museen des Bistums), Büroleiter „sag’s einfach“ Sebastian Müller, Domdekan Prälat Johannes Neumüller, KJF-Direktor Michael Eibl, Abteilungsleiter Bertin Abbenhues und die Prüfgruppe „einfach g’macht“ aus den KJF Werkstätten in Straubing.

Das Regensburger Domkapitel hat das Büro für Leichte Sprache "sag's einfach!" der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) mit der Übersetzung eines Domführers in Leichte Sprache beauftragt. In intensiver Zusammenarbeit mit dem Leiter des Infozentrums DOMPLATZ 5, Hagen Horoba, ist eine reich bebilderte Broschüre entstanden, die verständlich erklärt, welche Kunstschätze sich im Dom befinden und was das Bauwerk ausmacht. Die Autoren des Ursprungstextes sind Hagen Horoba und M.A. Ines Amann, Mitarbeiterin in den Museen des Bistums. Domdekan Prälat Johannes Neumüller hat sich aktuell mit KJF-Direktor Michael Eibl und allen, die an der Entstehung des Domführers in Leichter Sprache mitgewirkt haben, getroffen, um diesen der Öffentlichkeit vorzustellen.

 

Zentrale Begriffe verständlich erklären

Bereits 2016 starteten Hagen Horoba, Ines Amann und Sebastian Müller, der Büroleiter von "sag's einfach" das ambitionierte Vorhaben, einen Domführer in Leichter Sprache zu gestalten. Alle Kunstschätze des Doms sind darin beschrieben, wie dies auch im Domführer in Standardsprache der Fall ist. Wichtig war es den Autoren Hagen Horoba und Ines Amann außerdem, dass zentrale Begriffe der Kirchensprache wie zum Beispiel "Bischof" oder "Bischofsstuhl" verständlich erklärt werden. Sie haben bei ihrer Textvorlage viel Wert darauf gelegt, dass die Komplexität der Kathedrale sowohl baulich als auch inhaltlich durchdrungen und einfach dargestellt werden kann.

 

So folgt das inhaltliche Konzept des neuen Domführers der Idee eines barrierefreien Rundwegs, auf dem Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Dom selbst entdecken und erkunden können. Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Menschen, die die deutsche Sprache erst erlernen, profitieren von den leicht verständlichen und erklärenden Texten. Ihnen allen erschließen sich die Geschichte des Regensburger Doms St. Peter, seine Bauteile und seine Ausstattung.

 

Großes Anliegen des Regensburger Domkapitels

Der Regensburger Dom, eine der bedeutendsten gotischen Kathedralen Deutschlands, ist das Wahrzeichen unserer Stadt und unseres Bistums. Jährlich besuchen unzählige Menschen dieses Kunstdenkmal. Aber verstehen sie auch, was sie sehen? Verstehen sie die Bedeutung des Baus und seiner Ausstattung? Ohne fachkundige Unterweisung und Erklärung wie sie die vielen Publikationen bieten, sicher nicht. Doch auch hier ist der Verständlichkeit eine Grenze gesetzt. Fachbegriffe und Kirchensprache bedürfen einer Erklärung, so dass jeder sie verstehen kann. Darüber hinaus müssen christlich geprägte Motive und Darstellungen Menschen mit einem anderen kulturellen oder religiösen Hintergrund erklärt werden. Nur so können sie alle den Regensburger Dom in seiner Vielfalt erfahren. "Der Domführer in Leichter Sprache beschreibt diesen so, dass jeder alles verstehen kann. Das war dem Regensburger Domkapitel ein großes Anliegen", sagte Domdekan Prälat Johannes Neumüller. So haben die Verantwortlichen des Domkapitels bereits in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass der Dom möglichst barrierefrei zugänglich ist. Eine Tasttafel des Doms im kleinen Hof beim Eselsturm bietet sehbehinderten Menschen die Möglichkeit, die bauliche Dimension des Doms zu erspüren. Domkapitel und staatliches Bauamt Regensburg haben dort auch eine Rampe für Menschen im Rollstuhl errichtet. Mit der Bereitstellung des Domführers in Leichter Sprache ist nun umfänglich dafür gesorgt, dass wirklich jeder den Dom St. Peter verstehen kann.

 

Gruppe aus den Straubinger Werkstätten St. Josef prüfte Verständlichkeit

Der Leiter des Büros für Leichte Sprache "sag's einfach!" der KJF, Sebastian Müller, gibt zu diesem besonderen Auftrag etwas näher Auskunft: "Etwas Besonderes an diesem Auftrag war für uns die Prüfung. Eine Prüfgruppe aus den Straubinger Werkstätten St. Josef hat während einer Führung von Herrn Horoba in Leichter Sprache direkt vor Ort die Verständlichkeit geprüft." Wer erlebt habe, mit welcher Begeisterung, Genauigkeit und Ausdauer die Prüfgruppe am Werk war, konnte sich davon überzeugen, dass jede Prüfung intensive und gewissenhafte Arbeit erfordere. Der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge, Michael Eibl, stellt heraus: "Mit diesem herausfordernden Projekt für die Übersetzung in leichte Sprache hat das Bistum Regensburg eine Vorreiterrolle übernommen. Ich danke unserem Bischof, dem Domkapitel und dem "Domplatz 5-Team" für die intensive Auseinandersetzung mit der Lebenswelt von Menschen mit Behinderungen." Der zuständige Abteilungsleiter in der KJF, Bertin Abbenhues, setzt darauf, dass dieses Pilotprojekt Schule macht:" Wir hoffen, dass wir künftig noch weitere Partner wie Kommunen, Firmen und Verbände für Übersetzungen in Leichter Sprache gewinnen werden."

 

Der Domführer in Leichter Sprache ist im Infozentrum DOMPLATZ 5, in der Dombuchhandlung, im Domschatzmuseum und in der Tourist-Information Regensburg gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro erhältlich.

 

Text und Bild: Christine Allgeyer