„Der Himmel ist nicht räumlich oben, sondern oberstes Ziel des Menschen – Leben in Gott“ – Bischof Rudolf feiert Pontifikalamt zu Christi Himmelfahrt und Jahrgedächtnis für Bischof Manfred Müller (1926-2015)

22.05.2020

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hat am Christi Himmelfahrtstag im Dom St. Peter in Regensburg mit zahlreichen Gläubigen ein Pontifikalamt anlässlich des Hochfestes gefeiert. Außerdem gedachte er des fünften Todestages von Bischof Manfred Müller, der am 20. Mai 2015 im Alter von 88 Jahren in seinem Altersruhesitz im Kloster Mallersdorf verstorben war. Von 1982 bis 2002 war er der 76. Oberhirte des Bistums Regensburg.

 

„Christus fährt in den Himmel auf und ist damit mitten unter uns“

In seiner Predigt griff Bischof Dr. Rudolf Voderholzer nicht nur das Festgeheimnis von Christi Himmelfahrt auf, sondern schlug von dort auch einen Bogen zur Frage „Schließen Naturwissenschaft und christlicher Glaube einander aus?“ sowie zum fünften Todestag von Regensburgs Bischof Manfred Müller. Die deutsche Sprache unterscheidet beim Wort Himmel nicht, wie im Lateinischen oder Englischen, zwischen „firmamentum“/ „sky“ und „coelum“/ „heaven“. Dadurch, so Bischof Rudolf, könne das Festgeheimnis von Christi Himmelfahrt nicht eindeutig benannt werden, Jesus entschwand nicht nach oben, sondern er ging in den Himmel, in das ewige Leben mit Gott ein. Diese Unterscheidung habe bereits der italienische Gelehrte Galileo Galilei (†1642) gemacht, „der zeitlebens ein gläubiger Mensch war“.

Naturwissenschaft und christlicher Glaube...

... seien keine Gegensätze, die einander ausschließen würden, eher im Gegenteil, sie hätten sich oft noch befruchtet und beflügelt. Zu nennen seien Persönlichkeiten wie Regensburgs Bischof Albertus Magnus (†1280), Autor eines Handbuches der Zoologie und Entdecker des Elements Arsen, der Augustiner-Pater Gregor Mendel (†1884), Entdecker der nach ihm benannten Vererbungsgesetzte, sowie der belgische Priester und Physiker Georges Lemaître (†1966), der Begründer der Urknalltheorie. Nicht Priester, sondern bekennender Weltchrist war der Naturwissenschaftler Louis Pasteur (†1895), der maßgeblich zur Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten durch Impfung beigetragen hat. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sehnte sich die Menschheit nach einer solch segensreichen wissenschaftlichen Leistung. Pasteur genieße in Frankreich den Ruf wie ihn Robert Koch in Deutschland genießt. Sie alle und manche andere mehr seinen lebhafte Bespiele für „hervorragende Naturwissenschaftler, denen bahnbrechende Entdeckungen zu verdanken sind und die zugleich überzeugte und bekennende Christen waren und sind“.

 

„Bischof Manfred, ein Mann der Schule ...“

Ob als langjähriger Religionslehrer in seiner Heimatdiözese Augsburg oder als Vorsitzender der Schulkommission der Bischofskonferenz deutschlandweit: Bischof Manfred Müller war ein beeindruckender Lehrer des Glaubens. So verwundert es nicht, das die Schule, die in Regensburg seinen Namen trägt, nach dem sogenannten Marchtaler Plan unterrichtet. In ihm wird das Thema Religion nicht isoliert neben anderen Fächern unterrichtet, sondern ganzheitlich in den anderen Fächern verarbeitet. Damit wird auch der vermeintliche Wiederspruch zwischen Wissenschaft und Glaube aufgelöst.

Gebetsgedenken für Bischof Manfred in der Krypta

In die Bischofsgruft, in der Bischof Manfred Müller am 28. Mai 2015 neben seinem direkten Amtsvorgänger, Bischof Dr. Rudolf Graber (†1992), seine letzte irdische Ruhestätte gefunden hatte, begab sich der Bischof nach dem Schlusssegen zu einem Gebetsgedenken. Während Bischof Rudolf das Grab mit Weihwasser besprengte und mit Weihrauch versah, betete er mit den Gläubigen, die im Dom selbst verblieben waren, das Vaterunser und das Gegrüßet seist du Maria. Mit der marianischen Antiphon „Regina caeli, laetare“ schloss das Jahrgedächtnis für Bischof Manfred Müller, der seinen bischöflichen Dienst unter das Motto „Die Wahrheit in Liebe verkünden“ (Eph 4,15) gestellt hatte.

 

Stationen eines bewegten Priesterlebens

Manfred Müller erblickte 1926 in Augsburg das Licht der Welt. Nach der Priesterweihe in seiner Heimatstadt 1952 und den Kaplansjahren war er fast 20 Jahre als Religionslehrer tätig. Von 1972 bis 1982 wirkte er in Augsburg als Weihbischof und dann von 1982 bis 2002 in Regensburg als 76. Oberhirte des Bistums. Als Altersruhesitz hatte er sich Kloster Mallersdorf ausgesucht, wo er auch, von den Mallersdorfer Schwestern aufopfernd umsorgt, 2015 im Alter von 88 Jahren verstarb. Bereits 2001 erhielt die von ihm in Regensburg gegründete katholische freie Grund- und Mittelschule den Namen „Bischof-Manfred-Müller-Schule“.

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