Die Kirche: Sakrament der Gemeinschaft

06.03.2004

(pdr) Das Wesen und die Bedeutung der Kirche thematisierte Bischof Gerhard Ludwig in seiner ersten Fastenpredigt in der Regensburger Pfarrkirche St. Emmeram. Im Folgenden dokumentieren wir Auszüge aus der Predigt.

„Die Kirche ist kein vom Menschen geschaffener Verein, eingetragen in ein Vereinsregister. Jesus hat die Gründung der Kirche nicht von Herodes oder Pilatus bestätigen lassen. Seine Autorität lässt sich nicht in innerweltliche Koordinatensysteme einordnen. Wir sind eben keine Staatskirche, also eine Organisation, die vom staatlichen Recht her existiert. Daher kann es sein, dass die Kirche in Kollision gerät mit dem totalitären Anspruch von Staaten. So geschah es immer wieder, vom Römerreich bis hin in das 20. Jahrhundert, wo Vorstellungen von der Allmacht des Staates im Kommunismus oder Nationalsozialismus, die Kirche gleichschalten und erdrücken wollten. Seit der Aufklärung wurde versucht, die gesellschaftliche Präsenz der Kirche aufzulösen. Deutschland ist ein demokratischer Staat, der sich selber beschränkt und weiß, was er der christlichen Tradition verdankt. Der Staat kann sich nicht von seiner eigenen Kultur und Geschichte abschneiden. Daher ist die Religionsfreiheit in beiden Richtungen zu einem entscheidenden Fundament unserer Gesellschaft geworden.

Die Kirche ist auch nicht nach psychologischen oder soziologischen Maßstäben erkennbar oder nach den Kriterien der Nützlichkeit geschaffen. Sie ist keine von Menschen gegründete Organisation, die die Religion nach den Kriterien der Dienstleistungsgesellschaft betreut. Als Bischof oder Pfarrer ist man nicht Vorsteher eines Unternehmens. So ist es falsch, den Bischof als weltlichen Arbeitgeber zu deuten.

Kirche ist aber eine Wirklichkeit, die von Gott her kommt. Nicht von unten her, von den Menschen, sondern eine Realität, die von Gott auf uns Menschen zukommt. Schon im Epheserbrief können wir lesen: Gott selber eröffnet sich in seinem Sohn als einer von uns. Jesus sammelt die Menschen um sich und fügt sie zusammen zu einer Jüngergemeinschaft. Kirche ist nichts anderes, als die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern, die Christus um sich versammelt, so dass sie teilhaben an seiner menschlichen Natur. Darum ist die Kirche nicht einfach zu vergleichen mit menschlichen Organisationen, vielmehr ist die Kirche das Geschöpf des dreifaltigen Gottes.

So sagt Cyprian von Karthago in seiner Schrift über die Einheit der Katholischen Kirche: Die Kirche ist nicht ein von Menschen verfasstes Gebilde, sondern die Kirche ist das von der Einheit des dreifaltigen Gottes her gestiftete Sakrament, das wir bereits im Alten Testament erfassen können. Dort gibt es schon die Kirche, von der wir reden und mit der Gott einen Bund geschlossen hat, damit wir zu seinem Volk, zu seiner Kirche, werden.

Vor 2000 Jahren hat Christus seinen Jüngern gesagt: Folgt mir nach! Was er damals gegründet hat, ist mit menschlichen Denken nicht begreifbar. Seit 2000 Jahren verkündet die Kirche den Glauben an Jesus Christus. Ohne sich beirren zu lassen hält sie den Meinungen und Trends den Glauben an Jesus Christus entgegen. Die Kraft dazu erhält sie von Christus selbst. Deshalb können wir Christus und Kirche nicht voneinander trennen.“

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