„Diözese Regensburg ist ‚Großmutter‘ der Diözese Pilsen“ – über 1000 Gläubige nehmen an Bistumswallfahrt in die Kulturhauptstadt Pilsen teil

27.04.2015

„Mit Vertrauen und Dankbarkeit“

Ein weiterer, gewichtiger Stein beim Brückenbau zwischen Deutschen und Tschechen, zwischen den Bistümern Regensburg und Pilsen, wurde am vergangenen Samstag gelegt. Weit über 1000 Pilger aus dem gesamten Bistum Regensburg – von Weiden bis Schierling, von Pförring bis Oberviechtach – machten sich auf den Weg zur ganztägigen Bistumswallfahrt nach Pilsen, die unter dem Motto „Mit Vertrauen und Dankbarkeit“ stand. Glanzvoller Abschluss und Höhepunkt war am späten Nachmittag dann der von den Diözesanbischöfen Dr. Rudolf Voderholzer und Frantisek Radkovský zelebrierte Pontifikalgottesdienst, der fast durchgehend zweisprachig ablief.

Eingebettet waren die Wallfahrt und das Programm in Pilsen in den „Regensburg-Tag“ im Rahmen der zahlreichen Veranstaltungen anlässlich des Festjahres „Pilsen – Kulturhauptstadt Europa 2015“. Zwei Tage zuvor hatten die Regensburger Domspatzen bereits in der westböhmischen Stadt gastiert und konzertiert, am Tag darauf gab es ein vielfältiges kulturelles Programm.

Im Zeichen der Partnerschaft der Bistümer Regensburg und Pilsen

Der Samstag aber stand zu einem gewichtigen Teil im Zeichen der Kirche, d.h. der Partnerschaft der beiden Bistümer Regensburg und Pilsen. Alleine von Regensburg aus steuerten zehn Busse ab 8 Uhr Pilsen an, weitere neun Busse starteten an anderen Orten quer über das Bistum verteilt. Auf dem Weg (zumindest für die Pilger aus Regensburg) lag auch das Kloster Kladrau, zu dem Bischof Voderholzer einen besonderen Bezug hat, stammt doch seine Mutter von dort. Außerdem zelebriert er hier schon seit vielen Jahren den Festgottesdienst zum Patrozinium (Mariä Himmelfahrt) der Klosterkirche. Heuer kann das Kloster auf 900 Jahre zurückblicken. Hier wird Ende 2015 auch erstmals eine gemeinsame Aussendungsfeier der Sternsinger der Bistümer Regensburg und Pilsen stattfinden, so der Regensburger Oberhirte in seinen Ausführungen während der Anreise. Natürlich gehörten der Reisesegen und eine Rosenkranzandacht bei der Hinfahrt dazu.

‚Großmutter‘ der Diözese Pilsen

In Pilsen gab es unmittelbar nach der Ankunft für alle Gruppen der einzelnen Omnibusse Stadtführungen. Zahlen, Daten und Fakten zur Stadt Pilsen standen dabei natürlich im Vordergrund, aber auch Informationen zur Diözese (gegründet am 31. Mai 1993, zuvor zur Erzdiözese Prag gehörig und ursprünglich zur Diözese Regensburg). „Die Diözese Regensburg ist also die Großmutter der Diözese Pilsen“, kommentierte dies humorvoll Bischof Voderholzer. Wegen des Sabbat konnte die jüdische Synagoge, die Ähnlichkeit zu einer katholischen Kirche hat, leider nicht besichtigt werden. Diese Pilsener Synagoge ist übrigens die drittgrößte erhaltene Synagoge weltweit.

Zentral und mit dem fast 103 Meter hohen Turm nicht übersehbar steht aber die Kathedrale St. Bartholomäus in der Mitte des Marktplatzes. Bis Frühjahr 1993 diente sie als Pfarrkirche, seit der Gründung des Bistums Pilsens ist sie Bischofskirche. Und gleich gegenüber dem Hauptportal befindet sich das Bischöfliche Ordinariat, das an diesem Tag für alle Besucher offenstand – im Erdgeschoss gab es Kaffee und Kuchen sowie – in eben dieser Stadt – gutes Bier.

Religiöse Elemente weist übrigens auch das Stadtwappen von Pilsen auf, und am Marktplatz leuchtet über der Mariensäule eine goldene böhmisch-gotische Madonna. „Die Geschichte der Stadt war immer sehr eng mit den Katholiken verbunden, auch bei den Auseinandersetzungen mit den Hussiten“, stellte die Stadtführerin fest.

Weiterer Bau an Brücke einer guten Nachbarschaft

Brechend voll war bereits eine Dreiviertelstunde vor Beginn des Pontifikalgottesdienstes die Kathedrale St. Bartholomäus. Wallfahrer aus der Region Weiden marschierten kurz vor Beginn mit einem Kreuz vorweg in die Kirche nach vorne zum Altar. „Dieser Tag ist für uns eine Folge des Katholikentages. Dieser war ein schöner Tag, wir haben die Erinnerung noch im Herzen“, meinte Bischof Radkovský in seiner Begrüßung und ermunterte die Wallfahrer, diesen Weg weiterzugehen und sich immer wieder zu treffen.

In ihrer gemeinsamen Predigt in deutscher und tschechischer Sprache beglückwünschten die beiden Oberhirten die Stadt Pilsen und auch die Kirche, „ein ganzes Jahr lang die Kulturhauptstadt von Europa sein zu dürfen“. Aber auch an den Katholikentag im letzten Jahr erinnerten sie und sahen diese Wallfahrt als „weiteren Bau an der Brücke einer guten Nachbarschaft im Namen Jesu Christi“.

Detailliert gingen die Bischöfe auf den Kulturbegriff ein, nannten Definitionen, Beschreibungen und Charakteristika hierzu von Theodor Heuß, Papst Benedikt XVI., aus dem Alten Testament oder auch von dem Heiligen und Patron Europas Benedikt. Sie kamen zu dem Schluss, dass „Kultur“ gleichermaßen „pflegen“ wie auch „verehren, Ehrfurcht haben“ bedeutet. „Wohl der Stadt, deren schönste und kostbarste Gebäude nicht die Fabriken, Banken und Kaufhäuser sind, sondern die Kirchen“, zollten sie der Kulturhauptstadt Anerkennung. „Die Kathedrale wird zu Recht in den Stadtplänen zur Kulturhauptstadt als Erstes genannt und zweimal abgebildet – das heißt Kulturhauptstadt. Wir wünschen der Stadt Pilsen und den Bürgern viel Freude im Jahr 2015 und beim Bekanntwerden in ganz Europa. Vor allem aber beten wir für die Kirche, dass der Glaube lebendig bleibt und wird“, fassten die Oberhirten zusammen und verwiesen darauf, dass Religion und Glaube vielfach Quelle und Ursprung von Kultur (Musik, Literatur, Architektur usw.) ist. „Möge von diesem Jahr, in dem Pilsen Kulturhauptstadt Europas ist, viel Glanz, Freude und Segen ausgehen für alle Bewohner in Pilsen“, schlossen die Oberhirten ihre Ansprache.

Aus verschiedenen Richtungen, aber einig in Christus

Zum Schluss des Gottesdienstes sprach Josef Zak, der Generalvikar des Bistums Pilsen, Bischof Voderholzer seinen Dank aus. Er nahm Bezug auf die Brücke im Wappen von Bischof Voderholzer und die letztjährige Wallfahrt nach Neukirchen beim Hl. Blut. „Heute kommen Sie zu uns. Wir sind von verschiedenen Richtungen gekommen, aber wir sind einig in Christus. Ich danke Ihnen für Ihr Zeugnis, für die bischöfliche Zusammenarbeit, dafür, dass Sie Brückenbauer sind. Nehmen Sie diese  Begegnung als eine Äußerung der Dankbarkeit für die Unterstützung, die Sie mehr als 20 Jahre unserer Diözese geben.“

Mit dem Pontifikalsegen der beiden Bischöfe und dem in beiden Sprachen gesungenen „Milde Königin, gedenke“ endete der für viele Wallfahrer sehr eindrucksvolle Gottesdienst.

Weitere Eindrücke erhalten Sie in unserem Bilderalbum Bistumswallfahrt in die Kulturhauptstadt Pilsen.


„Wir nehmen gerne das Motto des 'Brückenbauens' vom Katholikentag auf und wollen mit an der Brücke nach Pilsen bauen.“ Mit diesem Satz begründete das Ehepaar Angelika und Walter Kleinhenz aus Amberg die Teilnahme an der Bistumswallfahrt. Natürlich interessiert das Ehepaar auch die Kultur in Pilsen. Aber die Kontakte nach Tschechien reichen bei ihnen bis ins Jahr 1968 zurück. Und bereits kurz nach der Grenzöffnung 1989 fuhren sie wieder ins Nachbarland. Auch waren sie bei mehreren Fahrradtouren der Ackermann-Gemeinde durch Regionen in Tschechien dabei.

Dass auch Teilnehmer von außerhalb des Bistums Regensburg mit dabei waren, zeigt die Familie Richter aus Kipfenberg. Martha und Rainer Richter sowie Tochter Franziska nahmen frühes Aufstehen in Kauf. „Wir hatten in einem Kloster in unserer Nähe, das aber zum Bistum Regensburg gehört, das Faltblatt entdeckt und sehr schnell beschlossen, dahin zu fahren“, schilderte Martha Richter. „Wir sind offen für alles, denn wir fahren zum ersten Mal in diese Richtung“.

 

 

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