Domorgelkonzerte 2019: „Diese majestätische Pracht der Akkorde!“

14.05.2019

Die Regensburger Domorgelkonzerte starten in ihre zehnte Saison. Die Faszination der Reihe macht zum einen der Klang des imponierenden Instruments im Raum aus, zum anderen ein exquisites Programm aus teils populären, teils hochkomplexen Kompositionen, Arrangements und Improvisationen sowie die Auswahl international renommierter Organistinnen und Organisten. Die Architektur der gotischen Kathedrale lässt die Darbietungen schließlich zum Gesamtkunstwerk werden.

Jeden Mittwoch im Juni und Juli um 20:00 Uhr entstehen im Dom St. Peter Klangwelten, die entrücken und erheben. Die Schönheit der Musik in der Kathedrale – Stein gewordener Geist! – erlaubt eine „Berührung mit dem ‚ganz Anderen‘, dem Geheimnis des Göttlichen“, wie Papst Benedikt XVI. einst formulierte.

Olivier Latry, Titularorganist der Kathedrale Notre Dame in Paris, die diesen 15. April durch ein verheerendes Feuer verwüstet wurde, sagt, er bringe mit seinem Orgelspiel „die Steine zum Singen“. Und weiter: „… weil die Orgel wirklich jedes Stück Holz und jeden Stein zum Räsonieren bringt.“ Latry war 2011 Gastorganist bei den Regensburger Domorgelkonzerten. Gerade nach der Brandkatastrophe von Notre Dame: Jedes der Domorgelkonzerte soll auch Mahnung sein, behutsam und mit mehr Respekt mit dem Gotteshaus umzugehen.

Das Rieger-Instrument, das nunmehr seit zehn Jahren so viele freudige und traurige, festliche und besinnliche Anlässe begleitet hat, das so viele Menschen in ihren Bann geschlagen hat, ist untrennbar Teil der Domarchitektur und Teil des Sinngehalts des Bauwerks.

  

Das sollten Sie wissen:

Konzertbeginn ist jeweils um 20:00 Uhr. Einlass ist ab 19:00 Uhr.

Der Preis pro Eintrittskarte beträgt 5 Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren haben freien Eintritt.

Die Dauerkarte für alle Orgelkonzerte kostet 30 Euro. Im Eintrittspreis ist ein Programmheft mit Beiträgen zu allen Interpreten und zum Programm enthalten.

Karten sind erhältlich im Infozentrum DOMPLATZ 5, Tel. 0941 597-1662, in der Tourist Information im Alten Rathaus und an der Abendkasse. Es gibt keine nummerierten Plätze.

Bitte beachten Sie, dass der Dom für die Dauer des jeweiligen Konzerts geschlossen ist, um den Konzertbesuchern/innen einen möglichst ungestörten Musikgenuss zu ermöglichen. Während des Konzerts kann der Dom durch den rückwärtigen Domeingang verlassen werden.

An den Spieltischen auf etwa halber Höhe der Orgel und im Chorraum nehmen 2019 neben Regensburgs Domorganist Franz Josef Stoiber, Felix Friedrich (Altenburg), Thomas Lennartz (Leipzig), Giulia Biagetti (Lucca), Christoph Schoener (Hamburg), David Cassan (Paris) und Felix Hell (New York) Platz.

Mittwoch, 22. Mai 2019, 20:00 Uhr
Junge Organisten der Hochschule für kath. Kirchenmusik und Musikpädagogik

Sonderkonzert

Das Anfangskonzert der Orgelkonzerte im Regensburger Dom 2019 wird von jungen Organisten der Generation U-20 bestritten. Ludwig Orel (* 2001) aus Herzogenaurach hat sich für seinen Auftritt für ein reines Bach-Programm entschieden: den 3. Satz der Triosonate C-Dur, BWV 528, den Choral „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ aus dem Orgelbüchlein sowie Fantasie und Fuge g-Moll, BWV 542, die in ihrer freien Anlage und großen Bewegtheit schon fast an eine ekstatische Improvisation erinnert. Simon Rager (* 2000) aus Alteglofsheim spielt den Choral a-Moll von César Franck (1822–1890) und die Toccata h-Moll von Eugène Gigout (1844–1925), ein äußerst beliebtes Konzertstück der Spätromantik, das seine Wirkmacht im Regensburger Dom voll entfalten kann, wo Raum und Instrument eine optimale Interpretation erlauben. Christoph Preiß beginnt mit Johann Sebastian Bachs (1685–1750) völlig unkonventionell angelegtem Choralvorspiel. „Ein feste Burg ist unser Gott“, BWV 720. Dem gegenüber stellt er Max Regers (1873–1916) Choralfantasie „Ein’ feste Burg ist unser Gott“ op. 27, ein opulentes Werk der Spätromantik.

 

Mittwoch, 5. Juni 2019, 20:00 Uhr
Franz Josef Stoiber (Regensburg)

Das Spektrum der Kathedralorgel

Der Regensburger Domorganist Franz Josef Stoiber dokumentiert in diesem Konzert exemplarisch die Kunst des Komponierens für Kirchenorgel durch die Epochen hinweg. Schwebende, sphärische Klänge und rauschende Toccaten, die Verwendung alter Kirchentonarten, Werke im französischen Stil und Choralartiges: Stoiber demonstriert, was das Rieger-Instrument im Dom zu leisten vermag. Namentlich mit Josef Rheinbergers (1839–1901) dreisätziger Orgelsonate N. 11 in d-Moll op. 148, die bayerische Volksmusik und Bachs berühmtes Air rezipiert, mit Johann Sebastian Bachs (1685–1750) – Stoibers Interpretation des so oft gehörten Werks lässt wahrlich aufhorchen! –Toccata und Fuge d-Moll, BWV 565, mit drei spätromantisch-impressionistischen Choral-Improvisationen aus op. 65 des Leipziger Komponisten Sigfrid Karg-Elert (1877–1933) und der charmanten Suite Modale des Belgiers Flor Peeters (1903–1986).

 

Mittwoch, 12. Juni 2019, 20:00 Uhr
Felix Friedrich (Altenburg)

Raritäten

Felix Friedrich aus Altenburg ist Intendant der Thüringischen Orgelakademie, gefragter Konzertorganist und Organist der Schlosskirche zu Altenburg. Sein Programm sieht fast ausnahmslos Werke vor, die selten auf dem Repertoire stehen. So Franz Liszts (1811–1886) schwelgerisch-expressives Preludio, die Sechs Präludien von Bedrich Smetanas, Loure für große Kirchenorgel nach einem Thema von Georg Philipp Telemann Wv. 87 von Maximilian Kreuz (* 1953), „Jupiter“ op. 53 für Orgel von Paul Hertel (* 1953), Bedrich Antonín Wiedermanns (1883–1951) Hochzeitsmarsch alla Georg Friedrich Händel, drei Präludien von Stanislav Moniuszkos (1883–1951), Ludvig Nielsen (1906–2002) Orgelfantasie op. 37B „Die Glocken der Nidaroskathedrale”, Andante und Fugato über B-A-C-H von Friedrich Wilhelm Stade (1817–1902) sowie die Toccata über das mallorquinische Kirchenlied Sor Tomasseta von Antoni Martorell i Miralles (1913–2009).

Mittwoch, 19. Juni 2019, 20:00 Uhr
Thomas Lennartz (Leipzig)

Englische, amerikanische und französische Kathedralmusik

Thomas Lennartz ist Professor für Orgelimprovisation und Liturgisches Orgelspiel an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig. Er interpretiert ein Arrangement für Orgel des Orchesterstücks Crown Imperial von Sir William Waltons (1902–1983), eine Setzung für Orgel von Chanson de nuit (Nachtlied) und Chanson de matin (Morgenlied) von Sir Edward Elgar (1857–1934), John Weavers (* 1935) Toccata und ein Andantino des walisischen Komponisten Robert Jones (* 1945). Alexandre Guilmants (1837–1911) Choral et Fugue aus dessen Sonate Nr. 5 c-Moll, Pierre Cochereaus (1924–1984) Berceuse à la memoire de Louis Vierne und das grandiose und rhythmisch mitreißende Finale aus der Sinfonie Nr. 2 D-Dur von Charles-Marie Widors (1844–1937) schließlich, sind nur auf einer Kathedralorgel darstellbar. Eine Improvisation beschließt das Konzert.

 

Mittwoch, 26. Juni 2019, 20:00 Uhr
Giulia Biagetti (Lucca)

Zeitgenössische Orgelmusik

Giulia Biagetti ist Titular-Organistin an der Kathedrale von Lucca und als Konzertorganistin international unterwegs. Sie hat sich mit einem Programm von Orgelmusik aus der Neuen Welt, einem formal unkonventionellen Repertoire einen Namen gemacht. Ausschließlich Musik des 20. und 21. Jahrhundert stellt sie auch in Regensburg vor. So die Suite Liturgique des Kanadiers Denis Bédards (* 1950), René Louis Becker (1882–1956) monumentale Sonate Nr. 1 op. 40 und die Keltische Suite (Celtic Hymn – Ellyllon – Rondò alla latina – Berceuse –Toccata alla celtica) des Deutschen Hans-André Stamm (*1958). Außerdem auf dem Programm: die virtuose und höchst effektvolle Concert Study No. 1 des New Yorkers Pietro Alessandro Yons (1886–1943) und schließlich Toccata on Amazing Grace von James Christopher Pardini (* 1973), über das populäre Thema des geistlichen Lieds, das zu den beliebtesten Kirchenliedern der Welt zählt.

 

Mittwoch, 3. Juli 2019, 20:00 Uhr
Franz Josef Stoiber (Regensburg)

Klassiker der französischen Orgelschule

Der Regensburger Domorganist Franz Josef Stoiber spielt Glanzlichter des französischen Orgelschaffens, Meisterwerke der Romantik und der spätromantischen Phase der Vollendung, die zum einen den Abschluss markiert, die aber in Teilen bereits den Aufbruch in die Moderne anklingen lassen. So das Moderato aus Charles Marie Widors (1844–1937) Symphonie Gothique op. 70 und das mitreißende Scherzo c-Moll aus Alexandre Guilmants (1837–1911) 5. Orgelsonate. Die Regensburger Kathedrale bietet den Orgelwerken César Francks (1822–1890) genau das, was sie zum Erblühen brauchen: eine klangvolle, farbenreiche Kathedralorgel, eingebettet in eine „französische Kathedralakustik“. Hier kommt Franck Pièce Héroique mit seinen drei Themen in idealer Form zur Geltung. Zu den Orgelklassikern des 20. Jahrhunderts zählt auch die Orgelsuite op. 5 von Maurice Duruflé (1902–1986), die in einem pompösen Finale endet.

 

Mittwoch, 10. Juli 2019, 20:00 Uhr
Christoph Schoener (Hamburg)

Bach und die deutsche Romantik

Organist Christoph Schoener wirkte als Kirchenmusikdirektor an der Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg und ist als Interpret weltweit in Kathedralen und Konzertsälen gefragt. Er interpretiert Johann Sebastian Bachs (1685–1750) Passacaglia et Thema fugatum in c-Moll, BWV 582, die wie ein reifes Spätwerk des Thomaskantors wirkt, aber vor 1713 entstanden ist. Johannes Brahms‘ (1833–1897) Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 24 – geschrieben für Klavier – lassen erahnen, welch überragende Orgelwerke Brahms geschaffen hätte, wäre er intensiver mit dem Orgelschaffen seiner Zeit konfrontiert worden. In der Transkription der Kanadierin Rachel Laurin erleben wir ein grandioses Orgelwerk eines großen Komponisten. Zwei Stücke aus der fast verborgene Werkgruppe Skizzen für den Pedalflügel op. 58 des Romantikers Robert Schumann (1810–1856) erweisen sich auf der großen Orgel interpretiert als romantisches Musikerlebnis.

Mittwoch, 17. Juli 2019, 20:00 Uhr
David Cassan (Paris)

Orgelmusikaus Deutschland und Frankreich

David Cassan ist einer der führenden Organisten seiner Generation. Er verfügt über ein großes Repertoire mit einer Vorliebe für die Werke Bachs und die französische Orgelliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts. Der brillante und kreative Improvisator begleitet mit Vorliebe Stummfilme auf dem Klavier oder auf der Orgel. Für sein Konzert an der Domorgel hat er ausgewählt: Wolfgang Amadeus Mozarts (1756–1791) Fanatasie in f-Moll, KV 608 (ursprünglich für eine mechanische Spieluhr mit Orgelpfeifen gedacht), Johann Sebastian Bachs (1685–1750) anspruchsvolle Triosona-te Es-Dur BWV 525, Prière (Gebet) op. 29 von César Franck (1822–1890) sowie Variations sur un Noel op. 20 von Marcel Dupré (1886–1971), Variationen über eine weihnachtliche Weise mit einem furiosen Finale, die 1922 auf einer Tournee durch Amerika entstanden. Mit einer Improvisation von David Cassan schließt das Konzert.

 

Mittwoch, 24. Juli 2019, 20:00 Uhr
Felix Hell (New York)

Bach, Barber, Bingham, Liszt

Meilensteine in der noch jungen Karriere des New Yorker Organisten Felix Hell waren Aufführungen des Orgelgesamtwerks von Johann Sebastian Bach in den USA, in Südkorea und in Deutschland. Er beginnt das Konzert mit Bachs Präludium und Fuge in Es-Dur BWV 552, einem Opus, das zu Bachs größten kompositorischen Errungenschaften zählt. Es folgt die reflexiv meditative Orgelparaphrase „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ BWV 622 aus Bachs Orgelbüchlein BWV 599–644, die in überraschend harmonischen Wendungen endet. Roulade von Seth Bingham (1882–1972), der Scherzo-Satz aus seinen Six Pieces for Organ, op. 9, offenbart gleichermaßen französischen Einfluss wie auch die amerikanischen Wurzeln seines Schöpfers. Samuel Barbers (1910–1981) melancholisch sehnsuchtsvolles Adagio for Strings ist in der Transkription für Orgel von William Strickland zu hören. Franz Liszts (1811–1886) Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ schließlich gilt als Initialwerk zu den großen Orgelsinfonien des 19. und 20. Jahrhunderts.

 

Mittwoch, 31. Juli 2019, 20:00 Uhr
Franz Josef Stoiber (Regensburg)

Die Kunst der Orgelimprovisation

Den Abschluss der Domorgelkonzerte 2019 markiert auch diesmal eine reines Improvisationsprogramm von und mit Regensburgs Domorganist Franz Josef Stoiber. Durch die Labyrinthe der Tonarten und Harmonien! Seit jeher gilt für Organisten (und Zuhörer!) die Improvisation als Königsdisziplin. Noch zu Bruckners Zeiten gehörte es für einen Organisten buchstäblich zum guten Ton, seine Hörerschaft mit exquisiten eigenen musikalischen Kreationen zu überraschen. Entsteht doch hier und im Moment – weitestgehend spontan – Musik, die das Publikum mitreißt, die ihren Gestalter als versiert in Stilen, Schulen und Genres und als „eins mit seinem Instrument“ ausweist. Melodie- und Harmoniefindung stellen nur die eine Seite Unterfangens „Improvisation“ dar. Wie und wann welche Phrase neu und passend zu registrieren ist, zeigt auf der anderen Seite die wahre Meisterschaft des Interpreten.

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