Doppelte Feier mit Feueralarm – Segnung der Krippe und Kirche in Leonberg mit Weihbischof Dr. Josef Graf

06.02.2019

Nur ein kurzer Weg trennt den Kindergarten und die katholische Kirche in Leonberg, einem Stadtteil von Maxhütte. Kürzlich gingen ihn gut 200 Menschen jeden Alters gemeinsam, um doppelt zu feiern: Die Erweiterung des Kindergartens um eine Krippe und den Abschluss der umfangreichen Renovierung der Kirche St. Leonhard. Mitten im Zug: Weihbischof Dr. Josef Graf und Pfarrer Hans-Peter Greimel.

 

Weihrauch löst Feueralarm aus

Der Festtag begann im fertig gestellten Kindergartenanbau mit einer fröhlichen Panne: „Der Feuermelder wird schon nicht losgehen, oder?“, hatte Weihbischof Dr. Josef Graf mit Blick auf das qualmende Weihrauchfässchen noch seinem Studien- und Jahrgangskollegen, Pfarrer Hans-Peter Greimel, zugeraunt, doch da war es schon zu spät: Der Rauchmelder schrillte laut, zur Erheiterung aller, die sich in der frisch angebauten Kinderkrippe versammelt hatten, um ihre Einweihung zu feiern. „Hochwürden, jetzt wissen wir, dass auch das einwandfrei funktioniert“, sprach Kindergartenleitung Dagmar Strebl einen Gedanken aus, der so in der Luft lag wie der Weihrauch.

 

Segen für Gebäude und Menschen

Weihbischof Dr. Josef Graf und Gemeindepfarrer Hans-Peter Greimel weihten die Krippe, in der ab sofort zwölf Kinder im Alter zwischen ein und drei Jahren betreut werden. „Nimm diesen Kinderhort in Deine Obhut. Strecke Deine Hand aus und segne diese Menschen“, sprach Weihbischof Graf den Segen für den frisch getünchten Raum, für die Menschen, die darin zusammen Zeit verbringen werden, und für die Kerze, die anlässlich des Festtags aufgestellt worden war. „Dass wir gerade heute an Mariä-Lichtmess eine Kerze weihen, passt ganz besonders gut“, freute sich der Weihbischof, dem die Kinder mit einem Tanz und Schokoladenkuchen in Guglhupf-Form für seinen im Gästebuch verewigten Besuch dankten.

Rote Ballons und Blasmusik

Die Kinder führten den anschließenden Festzug an, der durch die Ortsmitte zur Kirche St. Leonhard zog. Nach umfangreichen Erneuerungen an der Fassade war auch deren Inneres bemerkenswert schnell zwischen Ostern und Weihnachten 2018 renoviert worden. „Die Fresken, die das Leben und Wirken unseres Heiligen Leonhard verbildlichen, sind nun wieder gut sichtbar, die Orgel gereinigt, die Altäre und Figuren erneuert, die Totentafel, die Elektrik und mit ihr die Lautsprecher ganz neu – letztere sogar mit Induktionsschleife“, zählte Kirchenpfleger Johann Amann launisch auf und dankte im Namen aller Beteiligten Pfarrer Greimel, „einem Renovierungsprofi, der schon viel erlebt hat und für zwei so große Baustellen genau der Richtige war“, bevor der Festgottesdienst begann.

 

„Erneuere Deine Kirche, und fange bei mir an“

„Sie haben Ihre Kirche als tatsächliche Baustelle erlebt, aber auch übertragen gesehen ist „Kirche“ – damit meine ich die tiefe, innere Wirklichkeit von Kirche – oft eine Baustelle“, wandte sich Weihbischof Dr. Josef Graf an die Gläubigen in den Bänken und auf der Chorempore. „Was ist diese Kirche? Sie ist nicht nur als Träger sozialer Einrichtungen erlebbar, als Heimat für Brauchtum und Tradition, als Dienstleiste für die Wendepunkte im Leben – wie Geburt, Hochzeit und Tod –, oder als ein mögliches Freizeitangebot unter sehr, sehr vielen. Sie hat mehr zu bieten als das. Ihr Sinn ist die Botschaft von Jesus Christus zu verkünden, dem Heiland aller Völker und Zeiten.“ Weihbischof Graf scheute sich nicht eine Studie anzusprechen, der zufolge sich jeder vierte Katholik als „entfremdet“ bezeichnet, auch aufgrund zahlreicher aufgedeckter Missbrauchsfälle durch Geistliche an Schutzbefohlenen. „Unter Ihnen sind sicher auch einige ins Zweifeln geraten“, konstatierte Weihbischof Graf, „es ist wichtig und richtig, diese Fälle aufzuklären“. Sichtlich bewegt bat der Geistliche die Gläubigen: „Halten Sie bitte der Kirche die Treue. Verzeihen Sie uns Kirchenleuten, wenn unser eigener Lebenswandel der Predigt hinterher hinkt.“ Und Graf äußerte die Hoffnung, dass das Gemeindeleben in Leonberg so rege bleiben möge, wie es an diesem Festtag für die Gemeinde erlebbar war.

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