„Du musst mir so ein Internet einrichten“ – Freudige Ereignisse trotz Corona-Krise

03.04.2020
Das Bild entstammt einer Videobotschaft, indem Pfarrer Thomas Helm Besucher des neuen YouTube-Kanals begrüßt.

In der Pfarrei St. Martin in Amberg ist trotz der Corona-Krise einiges geboten. Kommuniziert wird über soziale Netzwerke wie YouTube und Facebook. Aber auch die älteren Menschen werden nicht vergessen. Für diese hat sich Pfarrer Helm ebenfalls etwas ausgedacht. Wir haben mit ihm gesprochen:

 

Herr Pfarrer Helm, in einem YouTube Video sagen Sie: „Glaube braucht Gemeinschaft!“ Aber wie geht das in diesen Tagen?

Wir setzen ganz stark auf die digitalen Möglichkeiten, wir streamen unsere Gottesdienste, nutzen YouTube und Facebook und stellen Texte zur Verfügung. Wir wollen die Leute motivieren, dass sie auch zuhause in der kleinen Gemeinschaft das Gebet pflegen und Familien das häusliche Gebet wiederentdecken. Dafür geben wir auch Material an die Hand.

 

Livestream und YouTube – das klingt für ältere Menschen doch so fremd wie für junge Menschen Millennials Kassetten und Dias?

Das ist auch meine große Frage, wie wir die Gemeinschaft mit denen aufrecht halten, die diese technischen Möglichkeiten nicht haben. Da ist mir jetzt die Idee gekommen, es mit dem guten alten Brief zu versuchen. Ich werde an alle Gläubigen über 80 Jahre ein paar tröstende und hoffnungsvolle Worte richten. Sie sollen wissen, dass sie in den Gottesdiensten miteingeschlossen sind. Den Brief schicke ich dann per Post ab. Aber wir dürfen die älteren Leute auch nicht unterschätzen. Eine Frau aus der Pfarrei hat mit 85 Jahren jetzt YouTube für sich entdeckt, damit sie die Gottesdienste verfolgen kann. Oder eine andere alte Frau hat zu ihrem Sohn gesagt: „Du musst mir so ein Internet einrichten.“ Die Leute wachsen über sich hinaus!

 

Das sind ja ganz wunderbare Entwicklungen, können Sie uns von weiteren erfreulichen Ereignissen berichten?

Da gibt es sehr viele. Kinder haben mir zum Beispiel selbstgemalte Bilder der Martinskirche geschickt. Dabei lag ein lieber Gruß, dass sie sich über die Gottesdienste im Internet freuen. Zum Beispiel haben mir auch gleich beim ersten Livestream zwei Familien ein Bild geschickt, wie sie um den Laptop sitzen, mit Kerze und Gotteslob, und die heilige Messe mitfeiern.

Die Pfarreimitglieder sind in allen Gottesdiensten miteingeschlossen.

Haben Sie Tipps, wie eine andächtige Gebetsatmosphäre auch zuhause geschaffen werden kann?

Wichtig ist es, dass alle äußeren Einflüsse ausgeschalten werden. Im Hintergrund darf nicht noch der Radio oder das Fernsehen laufen. Zünden Sie eine Kerze an. Texte für eine Hausandacht gibt es im Internet in großer Fülle. Die Hausandacht kann auch ganz einfach sein: Man singt ein Lied und liest eine Stelle aus der Bibel. Dann tauscht man sich darüber aus, was jeder so denkt, und spricht ein Vater unser. Es kommt nicht auf die Länge an oder darauf, dass irgendwelche geschliffen formulierten Texte vorgelesen werden. Es geht darum, dass man einfach miteinander singt, betet und auf Gottes Wort hört.

 

Haben sie das Videoportal YouTube auch schon vor der Corona-Krise genutzt?

Unser YouTube Kanal entstand tatsächlich erst als Reaktion darauf, dass die Gottesdienste nicht mehr stattfinden können. Ich war am Anfang auch ein bisschen kritisch, warum einzelne Pfarreien selbst einen Livestream organisieren sollen. Da wollte ich lieber auf die Fernsehgottesdienste oder den Livestream aus dem Regensburger Dom verweisen. Dann wurde ich aber von vielen Familien gebeten, selbst was zu machen. Die Gläubigen verbinden ihre Kirche vor Ort mit Heimat. Innerhalb eines Tages haben wir dann einen Livestream über YouTube eingerichtet. Unser Diakon ist technisch sehr fit und hat das zusammen mit dem Kirchenmusiker organisiert.

 

Auf Facebook schreibt ein Nutzer: „Es war ein ganz besonderes Gefühl, dem Gottesdienst beizuwohnen: Von Weitem nahe zu sein.“

Der Livestream erreicht teilweise Leute, die eigentlich eine eher losere Beziehung zur Pfarrei haben. Über die digitalen Möglichkeiten beteiligen sich die Gläubigen auch anders. Die Leute kommentieren beispielsweise die Bilder und Videos, bedanken sich oder greifen einen Predigtgedanken auf. Da antworte ich dann wieder. Das hat man normalerweise nach einem Gottesdienst in der Form nicht. Ich freue mich über so ein offenes Feedback.

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