Durch das Kirchenjahr: Auf unserer Seite

19.02.2021

… mit Benedikt

Zweiter Fastensonntag B – Römerbrief 8,31b-34

„Schwestern und Brüder! 31bIst Gott für uns, wer ist dann gegen uns? 32Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 33Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. 34Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.“Römerbrief 8,31b-34

 

Die Fastenzeit ruft uns Christen zu einem radikalen Blick auf unser Leben auf. Wo sind Sünde und Schuld in unserem Leben, wo Dunkel und Verderben? Der am Aschermittwoch an uns gerichtete Ruf nach Umkehr kann schmerzhaft werden. Wird nicht unsere Sünde übermächtig? Fühlen wir uns vielleicht erinnert an die Worte des Psalmisten: „Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde! Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen.“ (Psalm 51,4-5)

Die Sünde steht uns immer vor Augen. Können wir da überhaupt noch bestehen vor Gott, dem strengen Richter? Kann uns die Umkehr überhaupt noch gelingen?

Der Apostel Paulus ruft der Gemeinde in Rom entscheidende Sätze zu, die in der Leseordnung für den Zweiten Fastensonntag vorgesehen sind. „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?“ Ist denn Gott wirklich für uns, könnte man sich fragen? Die Frage aber ist rhetorisch; der Apostel gibt ja die Antwort direkt selbst: „Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ Gott hat seinen eigenen Sohn für eine Menschheit hingegeben, um deren Sünde Gott ja sehr wohl wusste.

Diese Lesung steht im Dialog mit der ersten Lesung dieses Sonntags (Genesis 22,1-2.9a.10-13.15-18), die von Abraham berichtet, der seinen Sohn Isaak beinahe opfert. Schon früh hat die Kirche diese Stelle in Verbindung gebracht mit dem Tod Jesu am Kreuz: Auch da gibt in gewisser Weise ein Vater seinen Sohn hin.

Wenn also Gott das für seine Menschheit macht – was könnte uns noch als Zeichen für seine Liebe und Barmherzigkeit fehlen? Wenn Jesus für seine grenzenlose Liebe bis ans Kreuz geht, dann kann größeres über die Liebe Gottes nicht mehr gesagt werden. Dieser Gott steht auf Seiten der Menschheit. Er ist „für uns, wer ist dann gegen uns?“ Der Apostel Paulus spricht diesen Satz im Blick auf Ankläger. Aber wir dürfen diesen Satz auch auf Gott selbst hin lesen. Nach allem, wie Gott sich uns mitgeteilt hat, können wir wissen: Er steht auf unserer Seite. Und er weiß wohl, dass dies die Seite sündiger Menschen ist, die immerfort Fehler machen, die immerfort scheitern.

Diese Lesung kann eine Anleitung für die Fastenzeit sein. Es bedarf der Buße, es bedarf der Umkehr. Dabei müssen wir uns aber immer bewusst sein, dass es sich um die Umkehr zu einem Gott handelt, der immer wieder schon auf uns zugegangen ist. Es ist die Umkehr hin zu einem Gott, der seinen Sohn nicht schonte für das Heil der Welt. Gott ist wirklich für uns – wer könnte denn da noch gegen uns sein?

Online Welt wieder einblenden

Onlinewelt öffnen
Onlinewelt schließen