Durch das Kirchenjahr: Aus freiem Willen

21.04.2021

… mit Benedikt

Vierter Sonntag der Osterzeit B – Johannes 10,11-18

„In jener Zeit sprach Jesus: 11Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. 12Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Er flieht, 13weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. 14Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. 16Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. 17Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. 18Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.“

Johannes 10,11-18

 

Dieses Evangelium mag auf den ersten Blick nicht in die Reihe der anderen Evangelien passen, die wir an den Sonntagen der Osterzeit hören. Durchweg handelt es sich dabei um Evangelienabschnitte, die von Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen berichten, oder um Texte aus den sogenannten Abschiedsreden Jesu, die er im Johannesevangelium zwischen dem Abendmahl und seiner Gefangennahme hält. Der heutige Text fällt aus der Reihe. Und doch: Es ist ein österliches Evangelium. Jesus stellt sich selbst als den guten Hirten vor. Diese Rede hat für Jesus aber eine Konsequenz und das zeigt ganz deutlich der Vergleich zwischen Hirte und Knecht.

Der Knecht flieht vor der Gefahr; er wird sein eigenes Leben nicht für eine fremde Herde in Gefahr bringen. Anders beim Hirten: Er stellt sich schützend – unter Lebensgefahr – vor die ihm gehörenden Schafe. Und: Er tut es freiwillig. Niemand kann den Hirten dazu zwingen, Verantwortung für die Schafe zu übernehmen. Er kann fliehen, er kann dem Wolf nachgeben, er kann den Tod seiner Schafe dulden. Jesus aber tut das nicht: „ich gebe mein Leben hin für meine Schafe.“

Das Johannesevangelium deutet so Tod und Auferstehung Jesu. In den Evangelien wird deutlich, dass der Tod Jesu einem höheren Plan folgt. Es ist nicht nur eine theologisch-politische Krise, die zu Jesu Verhaftung und Kreuzigung führt; es ist auch nicht einfach nur Folge des Verrats durch Judas. Hinter all dem steht der freie Wille Jesu, sich in die Hände der Menschen zu begeben, den Tod am Kreuz auf sich zu nehmen.

Er hat es aber nicht getan: Freiwillig hat er sein Leben hingegeben: „Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin.“ Weshalb dieser Tod Jesu wirklich nötig war, wurde und wird in der Theologie verschieden gedeutet: Geht es um ein Opfer Jesu? Geht es darum, seine Solidarität mit den Menschen bis ans Äußerte zu zeigen? Geht es um eine Liebe, die größer nicht sein könnte? Für jede dieser Deutungen ist zentral, dass Jesus seinen Tod aus freiem Willen entgegennimmt – und sein Leben aus freiem Willen auch wieder an sich nimmt. Die Motivation dafür ist nach dem Johannesevangelium klar: „ich gebe mein Leben hin für die Schafe.“

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