Durch das Kirchenjahr: Begrenzte Mittel

29.07.2020

... mit Benedikt

18. Sonntag im Jahreskreis A – Matthäus 14,13-21

 

13In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. 14Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken.

15Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen! 16Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! 17Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. 18Er antwortete: Bringt sie mir her! 19Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten 20und alle aßen und wurden satt.

Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. 21Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.“

Matthäus 14,13-21

 

Manchmal will man einfach alleine sein. Alleine mit seinen Gedanken, alleine mit sich selbst. Man erträgt keine Gesellschaft. Vielleicht mag es Jesus auch so gegangen sein, als er vom Tod des Johannes gehört hatte; jenes Johannes, der das Wirken Jesu vorbereitet und angekündigt hatte, der gar sein Verwandter war. Der Täufer war für seine Geradlinigkeit gestorben; seine kritische Stimme hatte dem Herrscher Herodes und seiner Frau nicht gepasst. Er bezahlte mit dem Leben. Jesus erfährt davon und will alleine sein, in einer einsamen Gegend. Die Menschenmenge aber gestattet es nicht; sie wollen bei Jesus sein und bringen ihre Kranken zu ihm, damit er sie heile.

Jesus hat Mitleid. Jesus heilt die Menschen. Dann aber geschieht noch mehr: Es wird Abend. Die Jünger weisen darauf hin, dass die Menschen zu essen brauchen. Sie könnten aber noch nach Hause gehen, um zu essen. Es wäre wohl möglich. Doch die Menschen werden nicht wie von den Jünger vorgeschlagen, nach Hause geschickt, damit sie dort essen und trinken könnten. Jesus fordert vielmehr von seinen Jüngern das Unmögliche: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Er weiß natürlich, dass das nicht geht. Woher sollten die Jünger Nahrung nehmen, um die Menschen zu speisen? Es sind ja immerhin mehr als fünftausend Menschen.

Es geschieht das Wunder. Aus fünf Broten und zwei Fischen wird soviel Nahrung, dass Unmengen übrig bleiben. Die „Speisung der Fünftausend“ scheint eine Begebenheit aus dem Alten Testament als Vorbild zu haben. Der Prophet Elischa nährt mit zwanzig Broten 100 Männer. Auch hier bleibt noch Essen übrig (2 Könige 4,42-44). Im Evangelium wird das noch gesteigert, die Differenz ist deutlich größer: Jesus hat noch weniger zur Verfügung und speist sogar noch mehr Menschen. Sein Wunder ist Zeichen seiner Sendung: In Jesus Christus ist das Reich des Vaters bereits angebrochen. Es ist gekennzeichnet von einer grenzenlosen Freigiebigkeit, von Überfluss.

Dieser Überfluss kommt vom Herrn her. Eigentlich – das war ja die Aufforderung Jesu – sollten die Jünger der Menge zu essen geben. Ihre Mittel aber sind mehr als begrenzt. Was sind denn schon die fünf Brote, was machen die beiden Fische schon aus? Die Mittel reichen nicht. Bei weitem nicht. Geht es uns Menschen nicht immer wieder so? Müssen wir nicht immer wieder unsere Armeseligkeit erkennen angesichts der Not dieser Welt, angesichts dessen, was wir gerne leisten, was wir gerne schaffen würden? Die Speisung der riesigen Menschenmenge greift auch dies auf.

Wie die Jünger dürfen auch wir zum Herrn kommen und sagen: Was wir haben, wird nicht reichen. All das Unvermögen dürfen die Menschen in die Hände ihres Herrn legen.

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