Durch das Kirchenjahr: Der geliebte Sohn

09.01.2020

… mit Benedikt:

Taufe des Herrn A – Matthäus 3,13-17

An die eigene Taufe werden sich wohl die wenigsten von uns noch erinnern; die meisten wurden schließlich als kleine Kinder getauft, nur wenige Wochen oder Monate alt. Aus Erzählungen oder Bildern aber können wir doch schließen, dass es ein großes Fest gewesen sein muss. Wir wurden in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen – ein Grund, zu feiern; ein Grund, ein Familienfest zu veranstalten. Unterstrichen wurde dieser große Tag durch ein feierliches, weißes Gewand und eine schöne Kerze.

Bei Jesus war das ganz anders. Seine Taufe war keine exklusive Feier, nur für ihn ausgerichtet. Er kam mit vielen anderen zu Johannes an den Jordan, um sich taufen zu lassen. Das allerdings ändert sich schnell. Der Täufer erkennt in ihm sofort das Größere, den Größeren: „Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?“ (Matthäus 3,14)

Nach der Taufe öffnete sich der Himmel und Jesus hört eine Stimme: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Unklar an dieser Stelle: Hört nur Jesus diese Stimme oder auch die Umstehenden? Wieso aber spricht dann die Stimme Jesus nicht in der „Du“-Form an?

Unklar ist der Text auch in anderer Hinsicht, denn die Erzählung hört sich ja eigentlich nach einem Berufungsereignis an. Der Mensch Jesus kommt zum Jordan, um sich taufen zu lassen – und wird bei dieser Gelegenheit auserwählt, Messias zu sein. Das etwa vertrat in der alten Kirche die Gruppe der Adoptianisten: Jesus sei nicht von Anfang an Sohn Gottes gewesen, sondern erst später berufen – „adoptiert“ – worden. Also nicht ewiges Wort Gottes, sondern normaler Mensch?

Der Evangelist Matthäus aber zeichnet in der Taufe des Herrn vielmehr die Bestätigung Jesu als Sohn Gottes durch die Stimme aus dem Himmel. Denn: Nicht durch die Stimme wird Jesus Sohn Gottes; die Stimme bestätigt, was Jesus bereits ist und vom Beginn der Welt an schon war.

„Dieser ist mein geliebter Sohn.“ – Auch für unsere eigene Taufe dürfen wir diesen Satz mitdenken. Für uns gilt das zwar ganz anders, in einem anderen Sinne, als es über Jesus gesagt ist. Und doch darf diese Liebe Gottes über unserem Leben stehen. Diese Liebe Gottes darf unser Leben prägen und verwandeln. Es lohnt sich, hin und wieder an die Taufe zu denken. An die des Herrn, aber auch an unsere eigene.

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