Durch das Kirchenjahr: Der letzte Akt

18.11.2020

… mit Benedikt

Christkönig – Matthäus 25,31-46

„In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jünger: 31Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron der Herrlichkeit setzen. 32Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. 33Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken. 34Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist! 35Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; 36ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. 37Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? 38Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? 39Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. 41Dann wird er zu denen auf der Linken sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! 42Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; 43ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. 44Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder fremd oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? 45Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. 46Und diese werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.“

Matthäus 25,31-46

 

Mit einer unglaublichen Ausführlichkeit bietet der Evangelist Matthäus diese Rede Jesu. Die sogenannten Werke der Barmherzigkeit werden vier Mal wiedergegeben: Zweimal im Gespräch zwischen Jesus und den Gerechten, zweimal im Gespräch mit den Ungerechten. Deutlicher hätte Matthäus seine Botschaft nicht mehr darstellen können. Sie gipfelt in den beiden zentralen Sätzen: Was die Menschen an den Geringsten tun, tun sie am Herrn – im Guten wie im Bösen. Mit dieser Rede endet im Matthäusevangelium der Bericht über das öffentliche Auftreten Jesu vor seiner Passion; die folgenden Verse berichten bereits über den Beschluss des Hohen Rates, Jesus zu töten. Mit diesem Sonntag auch endet das Kirchenjahr.

Und es scheint, als wäre das Evangelium dieses Sonntags so etwas wie die Krönung der vergangenen Wochen und Monate. Immer wieder hatten wir da die Gleichnisse Jesu über das Reich Gottes gehört. Mit diesem Text münden diese Reden in die Ankündigung des letzten Gerichts. Dabei wird der Maßstab verkündet, anhand dessen bei diesem Gericht gemessen wird: Anhand der guten oder bösen Taten an den anderen Menschen. Jesus nennt sechs Werke. Man könnte weitere hinzufügen. Letztlich konkretisieren sie das Gebot, den Nächsten zu lieben. Jedes Handeln am Anderen ist zugleich Handeln an Jesus selbst. Anders formuliert: In unserem Nächsten begegnen wir Gott. Der Hungernde und Dürstende, der Leidende ist ein Ort der Gottesbegegnung. Wie wir mit diesen Menschen – und damit auch mit unserem Gott – umgehen, wird einst der Maßstab im Gericht sein.

Diese Rede zeigt nochmals die Radikalität des Gottesreiches auf, das sich im ständigen Aufbau befindet und dessen Bausteine all die kleinen und großen Gesten der Gottes- und Nächstenliebe sind. Sie alle zielen auf das Reich, in dem Christus König ist. Jesus präsentiert sich selbst als den am Ende der Zeit wiederkommenden König; gleichzeitig zeigt er das paradoxe Moment, das diesem Bekenntnis innewohnt: Jesus ist so ganz anders als wir uns einen König vorstellen möchten. Er leidet nicht nur mit den Armen und Verlassenen mit, er identifiziert sich gar so sehr mit ihnen, dass jede Handlung an den Armen zugleich auch eine am Herrn selbst ist. In aller Dramatik, die der Rede vom Gericht notwendigerweise innewohnt, offenbart dies doch auch den menschenfreundlichen Gott. Am Ende des Kirchenjahres, in seinem letzten Akt sozusagen, wendet Christus den Blick auf sein Königtum. Er stellt damit auch uns die Frage: Wie verhalten wir uns in diesem Gottesreich, in dem er König ist?

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