Durch das Kirchenjahr: Der Weinstock und die Reben

28.04.2021

… mit Benedikt

Fünfter Sonntag der Osterzeit B – Johannes 15,1-8

„In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 1Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. 2Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. 3Ihr seid schon rein kraft des Wortes, das ich zu euch gesagt habe. 4Bleibt in mir, und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. 6Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. 7Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. 8Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.“

Johannes 15,1-8

 

Rosen oder andere Blumen pflanzen wir, weil sie besonders schön aussehen oder gut duften – anders ist das aber bei Nutzpflanzen. Die sind dazu da, Frucht zu bringen. Hopfen oder Getreide, Obstbäume oder auch Weinstöcke sollen nicht in erster Linie schön aussehen, sondern eine reiche Ernte ermöglichen. Das hat auch Jesus vor Augen, wenn er im Evangelium dieses Sonntags sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Der Satz ist nicht nur ein schöner Ausdruck dafür, wie die Gemeinde mit ihrem Herrn verbunden sein soll; vielmehr macht sich Jesus auch die Komponente des fruchtbringenden Nutzens zu eigen.

Jesus stellt zwei Arten von Reben einander gegenüber: Auf der einen Seite stehen die Reben, die Frucht bringen. Sie werden vom Winzer – Gott selbst – „gereinigt“, man darf da vielleicht an das Zurechtschneiden der Reben denken, das nicht den Tod einer Weinrebe meint, sondern vielmehr zu noch größerem Wachstum verhelfen soll. Auf der anderen Seite stehen die Reben, die keine Frucht mehr bringen; bei ihnen lohnt auch ein Stutzen nicht mehr. Sie werden ganz abgeschnitten und anschließend verbrannt. Das Wort vom Weinstock und den Reben kann so durchaus etwas Beängstigendes haben: Zu welcher Sorte von Reben gehören wir?

Gleichzeitig stellt Jesus das aber in einen weiteren Kontext: Die Adressaten seiner Rede seien schon rein, sagt er, rein geworden durch sein Wort. Damit verweist das Bild von Weinstock und Rebe auf einen Zusammenhang: Ohne den Weinstock kann eine Rebe nicht gedeihen, wie auch ein Apfel ohne seinen Baum nicht reif werden wird. Die Kraft der Jünger kommt aus Jesus. Aber auch der Weinstock ist ohne Reben sinnlos – was nutzt schon der Weinstock, wenn er doch keine Frucht bringt? Jesus fordert also seine Jünger auf, in ihm zu bleiben, weiter mit ihm verbunden zu sein. Dann und nur dann können die Jünger „reiche Frucht“ bringen und Jesus selbst zur Geltung bringen: Ohne die Reben wird auch der Weinstock nicht sichtbar. Jesus braucht das Zeugnis seiner Reben in dieser Welt; er braucht die Jünger, die seiner Botschaft vom Reich Gottes eine Stimme verleihen und sie in dieser Welt verkünden. Das meint „Frucht bringen“ – und geht nur, wenn wir als Jünger in Verbindung mit Jesus bleiben.

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