Durch das Kirchenjahr: Gesandte an Christi Statt

04.07.2019

...mit Benedikt:

 

14. Sonntag im Jahreskreis – Lukas 10,1-12.17-20

Jesus will seine Botschaft vom Reich Gottes verkünden, aber all die kleinen und großen Ortschaften wären wohl einfach zu viel gewesen. Daher schickt er 72 Jünger vor sich her in diese Städte, wie der Evangelist Lukas berichtet. Immer zu zweit schickt er sie und sie sollen den Menschen die frohe Botschaft vom Reich Gottes verkünden. Die Zahl 72 ist dabei kein Zufall: Im zehnten Kapitel des Buches Genesis werden die verschiedenen Völker der Welt aufgezählt, sie stammen von Noach und seinen Nachkommen ab. Während in der hebräischen Version 70 Völker aufgezählt werden, kennt die griechische Fassung 72 Völker. Die Jünger also werden von Jesus selbst zu allen Völkern geschickt.

Jesus gibt seinen Jüngern verschiedene Anweisungen für das Verhalten auf ihrem Weg. Er sagt: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!“ Wir kennen dieses Zitat, häufig begegnet es uns im Zusammenhang mit der Bitte um Priesterberufungen. Die Ernte ist dann – im Bild bleibend – der große Arbeitsbedarf, der in unserer Gesellschaft auf die Priester wartet: All das Leid, all die Menschen, die Gott suchen, all die Menschen, die die Sakramente feiern möchte. Dieser großen Ernte steht eine nur begrenzte Anzahl an Arbeitern gegenüber. Um sie soll die christliche Gemeinde ihren Herrn bitten.

Ich möchte dieser Auslegung gar nicht ihre Berechtigung absprechen. Dennoch glaube ich, dass die Aufforderung Jesu weitergehen kann. Seine Worte richten sich an jeden Christen. Wir alle sehen uns doch einer Welt gegenübergestellt, die auf Heil und Heilung wartet. So viele Menschen gibt es, die leiden, die selbst der täglichen Lebensgrundlage entbehren müssen. So viele Menschen gibt es, die von den Mächtigen unterdrückt werden, gefangen gehalten werden, unfrei sind. So viele Menschen gibt es – auch und gerade hier bei uns – die auf der Suche nach dem Sinn sind. Menschen, die eine so einfache wie unfassbare Frage stellen: Was ist der Sinn meines Lebens? Wohin zielt das alles?

Das ist die Ernte, von der Jesus spricht. Dabei hört sich das so berechenbar und fast schon grausam an: Wer erntet, der schneidet Getreideähren oder Gras ab, der reißt Früchte von ihrem Stamm oder aus dem Erdboden. Das ist nicht unbedingt das Vokabular, das man im Zusammenhang mit Menschen zu benutzen pflegt. Ich glaube auch nicht, dass es um diese Konnotationen geht: Die Ernte, das sind für Jesus all die Menschen, die Beistand brauchen – seelischer, aber auch ganz materieller Art. Zu ihnen sandte er seine Jünger mit der Botschaft des angebrochenen Reiches Gottes. Zu ihnen sendet er auch heute seine Jünger.

Diese Jünger, die Arbeiter der Ernte, sind nicht nur die Priester. Für den Aufbau des Gottesreiches sind nicht nur wenige zuständig, während die anderen ihre christlichen Grundaufgaben outsourcen dürften. Nein: Das Reich Gottes ist die große Herausforderung aller Christen, nicht nur einiger weniger Menschen. Sicherlich: Die Aufgaben, die Priester und Diakone, Ordensleute oder Weltchristen für den Aufbau des Reiches übernehmen, sind unterschiedlich – und dennoch sind wir alle Mitstreiter dieser einen großen Idee Jesu Christi, die durch unser Zutun Realität werden darf. Wir sind gesandt, an Christi Statt in die Städte und Ortschaften zu gehen.

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