Durch das Kirchenjahr: Hundertfache Ernte

09.07.2020

… mit Benedikt

15. Sonntag im Jahreskreis A – Matthäus 13,1-23

 

Vielleicht haben Sie ja einen „grünen Daumen“. Sie können mit Pflanzen umgehen, wissen wann Wasser gefragt ist und wann Licht, welche Blume welche Erde braucht, was man tun kann, wenn die Pflanze die Blätter hängen lässt. Es gibt aber auch andere Menschen: Leute, die es mit Sicherheit innerhalb nur weniger Tage schaffen, selbst die widerstandsfähigsten Pflanzen in Existenznöte zu bringen. Zu diesen Menschen gehöre ich. Und Menschen wie mir kommt das Wachstum oder eben auch der Niedergang einer netten Zierpflanze wie der reinste Zufall vor. Was man richtig oder falsch gemacht haben mag, erschließt sich nicht so ganz.

So ähnlich mag es dem Sämann aus dem Evangelium dieses Sonntags gegangen sein. Er streut Korn aus, damit es bei der nächsten Ernte Frucht bringe. Er hat nur leider Pech, mag es scheinen. Drei Viertel seiner Ernte gehen den Weg alles Irdischen und verderben. Entweder fällt das Korn direkt auf eine Straße. Oder aber das Korn kann zwar wachsen, hat aber keinen Platz, Wurzelwerk zu entwickeln. Es verendet. Wiederum ein Teil des Korns fällt zwar auf eigentlich guten Boden, landet aber unter Dornen, die das Getreide ersticken. Nur das letzte Viertel fällt auf guten Boden und kann Frucht bringen. Jesus erzählt dieses Gleichnis und schiebt hinterher, dieses Getreide bringe unfassbar gute Frucht – „teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach“ (Matthäus 13,8). Man mag staunen. Während der größte Teil des Getreides überhaupt nichts bringt, verfällt Jesus beim letzten Viertel in scheinbar schiere Übertreibungen und lässt ein Korn hundertfache Frucht bringen.

Nur dass es keine Übertreibung ist. Aus einem Korn wächst eine Ähre und an dieser Ähre können durchaus bis zu dreißig Körner hängen. Allerdings kann es zu einer Verästelung kommen, „Bestockung“ nennt man das wohl in der Fachsprache. Dann können aus einem Getreidekorn zwei Halme wachsen – mit insgesamt sechzig Körnern. Oder gar drei Halme – mit dann neunzig, aufgerundet hundert Körnern. Das Gleichnis, das Jesus hier erzählt, spricht von der Botschaft des Reiches Gottes. Ein Teil dieser Botschaft wird gar nicht gehört, fällt sozusagen auf den Weg. Oder aber es wird gehört, kommt aber eigentlich gar nicht so recht an. Dort aber wo das Wort Gottes gehört wird, da bringt es reiche Frucht, es verhundertfacht sich bisweilen gar.

Mir scheint, als sei das Wort einer Kirche zugesagt, die sich um die Verkündigung des Evangeliums müht und manchmal den Eindruck bekommen könnte, all ihr Mühen sei doch eigentlich umsonst. Es scheint, als käme die Botschaft gar nicht. Oder die Botschaft kommt zwar an, wird aber eigentlich schon wieder im Keim erstickt. Dabei mag man manchmal übersehen, was passiert, wenn das Wort Gottes auf fruchtbaren Boden fällt: Es wächst rasant, bringt hundertfache Frucht. Ja, nicht jedes Korn wächst. Aber wenn es wächst, ist die reiche Frucht kaum mehr zu ermessen.

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