Durch das Kirchenjahr: Jesus muss man suchen

13.01.2021

… mit Benedikt

Zweiter Sonntag im Jahreskreis B – Johannes 1,35-42

„In jener Zeit 35stand Johannes am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. 36Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! 37Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. 38Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wohnst du? 39Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. 40Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. 41Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden – das heißt übersetzt: Christus – der Gesalbte. 42Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen, das bedeutet: Petrus, Fels.“

Johannes 1,35-42

 

Es wirkt gerade so, als würde diese erste Berufung der Jünger Jesu im Vorübergehen geschehen. Der Täufer Johannes steht am Jordan und tauft. Wie schon am Tag zuvor (vgl. Johannes 1,29-34) bezeugt er Jesus als das „Lamm Gottes“. Nichts weiter sagt er, doch seine Jünger hören – sie nehmen nicht nur die Worte des Johannes akustisch wahr, sie „hören“ wirklich, verstehen was er sagt. Unmittelbar gehen sie Jesus nach. „Was sucht ihr?“, fragt er. Ja: Was suchen die beiden denn?

Jeder Mensch ist auf der Suche – nach Sinn, nach Liebe, nach Glaube, nach Glück, nach einem Leben, das es zu leben wert ist. Die beiden ersten Jünger Jesu waren sicherlich auch in einem religiösen Sinne Suchende, sonst hätten sie sich nicht zu Johannes dem Täufer gesellt, der mitten in der Wüste zur Umkehr rief. Diese Suche scheint plötzlich zu einem Ende gekommen sein. Die beiden Jünger folgen Jesus aber nicht nur nach, Andreas legt sofort seinem Bruder Simon gegenüber ein erstes Glaubensbekenntnis ab: „Wir haben den Messias gefunden.“ Tatsächlich aber ist die Suche der Jünger noch lange nicht vorbei: Die Evangelien berichten immer wieder davon, dass die zwölf Apostel nicht ganz verstehen, was Jesus meint, was Jesus will, wer Jesus ist.

Nach der Auferstehung begegnet Jesus Maria Magdalena, die verzweifelt nach dem Leichnam Jesu sucht. Er, den Maria zunächst für den Gärtner hält, fragt: „Wen suchst du?“ (Johannes 20,15). Das Johannesevangelium ist zu fein komponiert, als dass diese wiederholte Frage Zufall sein dürfte. Wieder geht es um das Suchen – doch diesmal ganz anders. Jesus fragt nicht mehr, was seine Jünger suchen, sondern wen sie suchen. Aus dem „was“ wurde ein „wer“: Die Botschaft, das „Was“, hat Gestalt angenommen in Jesus Christus. Sie ist Person geworden. „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt“, schreibt Papst emeritus Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Deus Caritas Est“ (DC 1). Am Anfang steht die Begegnung der Jünger mit ihrem Herrn. Die aber ist nicht einfach abgeschlossen; die Suche nach Jesus geht immer weiter, wird immer tiefer: „Wen sucht ihr?“ ist eine bleibende Frage für jeden Christen. Jesus finden heißt auch: Jesus suchen.

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