Durch das Kirchenjahr: Jesus war uns gleich

02.04.2020

… mit Benedikt

Palmsonntag A – Philipperbrief 2,6-11

Mit dem Palmsonntag beginnen wir die Feier der heiligen Woche. In dieser Woche ereignet sich der Kern unseres christlichen Glaubens: Wir feiern den Tod und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Dabei mag es seltsam anmuten, den Tod Jesu zu feiern. Man mag ihn bedauern, beweinen und beklagen – aber darf man ihn feiern? Man darf. Denn der Tod Jesu war nicht nur Ergebnis menschlicher Grausamkeit, nicht nur ein Justizirrtum, ein Verbrechen – sondern für Christen der Beweis göttlicher Liebe. Das unterstreicht auch die zweite Lesung am Palmsonntag aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper.

Der Apostel Paulus überliefert in diesem Text einen Hymnus, der mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht von ihm selbst stammt. Wortschatz und lyrischer Aufbau passen nicht zu den anderen Texten des Völkerapostels. Paulus hat diesen Text also bereits von anderen Christen übernommen. Das Besondere: Man kann diesen Text als kleines Glaubensbekenntnis lesen – aber nicht nur.

Jesus Christus wird zunächst als der beschrieben, der wie Gott ist. Jesus – das ist die erste Aussage dieses Gedichtes, dieses Liedes – ist nicht einfach ein Prophet gewesen, ein ausgezeichneter Mann, ein bewundernswerter Vorreiter neuer Ideen. Er war, wie die Einheitsübersetzung formuliert, „wie Gott“. Aber: Er „hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein“. Jesus wird Mensch, er „entäußert“ sich, wird wie ein Sklave, den Menschen gleich. Den Grund für diesen Abstieg Jesu in das menschliche Dasein nennt der Philipperhymnus nicht. Umso deutlicher aber unterstreicht der Text, dass Jesus wirklich das Leben eines Menschen führte. Gerade am Beginn der Karwoche sollte dieser Satz treffen. Wer wie ein Mensch wird, muss sich mehr oder weniger dem Leid aussetzen.

Dieses Menschsein Jesu war nicht bloße Fassade. Der Apostel Paulus unterstreicht das im Philipperhymnus mit aller Deutlichkeit: „Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ Dieser Satz ist eine Provokation, die in unserem Glauben bisweilen zu verhallen droht. Wir haben uns gewohnt an den am Kreuz hängenden Herrn. Es ist aber eine Provokation; Paulus kann gar davon sprechen, das Kreuz sei ein Ärgernis: Am Kreuz starben die schlimmsten Verbrecher. Den schändlichsten aller Tode nimmt der Herr auf sich, gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod an diesem Kreuz. Das war aber nicht das Ende: Auf den Tod Jesu folgt seine Verherrlichung durch den Vater: „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen gegeben, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes des Vaters.“

Diese Worte sind es, die uns in die Feier der Heiligen Woche führen. Sie reflektieren das Leiden und Sterben Jesu. Sie interpretieren sein Sterben als Heilsgeschehen, das Jesus freiwillig auf seine Schultern nahm.

Es gibt viele Antworten auf die Frage, weshalb Jesus sterben musste. Eines haben sie gemeinsam: Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er lebt (vgl. Ez 33,11). Das Leben der Menschen ist ihm so wichtig, dass er dafür den Weg bis in den Tod geht, bis in den Tod am Kreuz. Eine größere, ja eine freudigere Botschaft könnte es nicht geben. Daher dürfen wir die vor uns liegenden Kartage feiern – und freudig sein über die Liebe unseres Gottes.

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