Durch das Kirchenjahr: Kommt, lasst uns jubeln

04.10.2019
Tasse Cappucchino

... mit Benedikt:

27. Sonntag im Jahreskreis C - Psalm 95,1-2.6-7c.7d-9d

Viele Menschen haben eine Morgenroutine. Manchen führen die ersten Schritte des Tages zur Kaffeemaschine, andere an den Kühlschrank oder in die Dusche. Feste Gewohnheiten strukturieren den Tagesbeginn und lassen möglichst angenehm in den neuen Tag starten: Erstmal eine Tasse Kaffee, das Müsli oder eine ausgiebige Dusche. Auch die Kirche kennt so ein Morgenritual: Es ist das "Invitatorium" des Stundengebets.

Das Stundengebet der Kirche gliedert den gesamten Tag. Am Anfang stehen die "Laudes", das morgendliche Lobgebet. Am Abend, nach der Vollendung des Tagewerks, betet die Kirche die "Vesper", vor dem Zu-Bett-Gehen die "Komplet". Dazu kommen noch über den Arbeitstag verteilt die "kleinen Horen" - Terz, Sext und Non, benannt nach der lateinischen Bezeichnung der Uhrzeit, zu der sie gebetet werden. Und schließlich gibt es noch die "Lesehore", die neben Psalmen aus zwei längeren Lesungen aus der Heiligen Schrift und der Literatur der Kirchenväter besteht. Diese Gebetszeiten strukturieren den Tag. Bischöfe, Priester und Diakone haben versprochen, die Gebetszeiten jeden Tag zu halten, aber auch für Weltchristen bietet der reiche Gebetsschatz der Kirche eine gute Möglichkeit, den Alltag immer wieder für ein mehr oder weniger kurzes Gebet zu unterbrechen.

Das Stundengebet wird auch als Tagzeitenliturgie bezeichnet. Zu jeder Zeit des Tages kommt die Kirche zusammen und feiert betend Liturgie. Besonders sichtbar wird das in all den klösterlichen Gemeinschaften, in denen tatsächlich die Arbeit niedergelegt wird und sich Mönche oder Nonnen zum gemeinsamen Lobpreis Gottes versammeln. Am Beginn eines jeden Tages steht im Stundengebt das Invitatorium. Regelmäßig dafür vorgesehen ist ein Psalm, den wir an diesem Sonntag als Antwortpslam der Messfeier hören. Er eröffnet das ständige Gebet der Kirche jeden Tag aufs Neue.

Der Psalm hebt mit einer Aufforderung zum Lobpreis Gottes an: "Kommt, lasst uns jubeln vor dem HERRN, jauchzen dem Fels unseres Heiles! Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen, ihm jauchzen mit Liedern." (Psalm 95,1-2). Diese beiden Verse dienen als tägliche Überschrift für christliches Gebet und christliches Leben. Wie oft sind wir gefangen in unserer eigenen Welt, wie oft sehen wir nur das Unrecht, das uns getan wird, die Mühen, die wir ertragen müssen, die Unbill, die irdisches Leben mit sich zu bringen gewohnt ist. Es schadet nicht, die Perspektive nicht nur einmal umzudrehen, sondern täglich. Und es schadet noch viel weniger, diesen Perspektivenwechsel schon am frühen Morgen einzunehmen.

"Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!" (Psalm 95,6) Dieser Psalm ordnet menschliches Leben in einen größeren Plan Gottes ein. Ihm gebührt das Lob, dem Schöpfer, der das Leben - unser Leben - hervorgebracht hat. Wir müssen uns selbst nicht immer zu wichtig nehmen. Nicht wir sind der Mittelpunkt dieser Welt. Unser Planet dreht sich nicht ständig um uns und unsere Probleme. Der Invitatoriumspsalm kann uns Demut lehren.

Gleichzeitig aber kann dieser Psalm aber auch jeden Tag aufs Neue eine tiefe Geborgenheit schenken. Ja, wir dürfen uns auch einmal zurücklehnen. Denn so wenig sich die Welt um uns dreht, so wenig hängt sie von uns alleine ab. Wir haben einen "Fels des Heiles": "Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt." (Psalm 95,7) Wir haben einen Gott, zu dem wir uns retten können, wenn wir versagen, schuldig werden, gedemütigt werden. Einen Gott des Heiles und nicht des Unheils, einen Hirten, keinen Jäger.

Mit Psalm 95 bietet die Tradition der Kirche uns eine Morgenroutine an, die sich über die Jahrhunderte bewährt hat. Und noch dazu eine sehr flexible. Egal, ob Morgenmuffel oder Frühaufsteher, der kurze Psalm am Beginn des Tages lässt sich mit jeder nur denkbaren Morgenroutine vereinbaren. Man kann ja schließlich immer beten - auf dem Weg zur Kaffeemaschine, beim Frühstück oder unter der Dusche.

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