Durch das Kirchenjahr: Menschen fangen?

07.02.2019

... mit Benedikt: 

 

5. Sonntag im Jahreskreis – Lukas 5,1-11

Eine der großen kirchlichen Fragen unserer Zeit ist, wie wir den Glauben künftig zeitgemäß verkünden können – so, dass unsere Botschaft die Menschen wirklich erreicht. Die Welt hat sich verändert: Soziale Medien lösen immer mehr die gewohnten Kommunikationsmittel ab. Das Internet verändert vieles. Und gleichzeitig haben heute viele Menschen keinen so engen Bezug mehr zum kirchlichen Leben wie das noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war. Das ist eine große Veränderung, die alle Stände der Kirche vor gewaltige Aufgaben stellt: Bischöfe wie Priester, Ordensgemeinschaften wie Religionslehrer, aber auch alle anderen Christinnen und Christen.

Im Evangelium dieses Sonntags zeigt Jesus zwei wichtige Aspekte, die wir bei der Verkündigung des Evangeliums dringend beherzigen sollten. Viele Menschen kommen, um den Herrn sprechen zu hören – sie „bedrängen“ ihn sogar, wie Lukas es formuliert. Da greift Jesus zu einem ganz einfachen Mittel: Er lässt sich mit einem Boot ein paar Meter vom Ufer und der Menschenmenge wegfahren. Wasser trägt Schall. Er muss nicht schreien, um gehört zu werden. Diese Idee ist so beeindruckend wie einfach. Sie ist ganz natürlich, fast ist man geneigt, Jesus als „lässig“ zu bezeichnen. Er macht kein großes Aufheben, sondern bleibt natürlich.

Am Ende seiner Predigt – was genau er gesagt hat, teilt der Evangelist Lukas nicht mit – scheint die Menge zu gehen. Jedenfalls spielt sie keine Rolle mehr. Und da beauftragt Jesus den Petrus, das Fischnetz auszuwerfen und auf Fang zu gehen. Sinnlos, sagt Petrus: Schon die ganze Nacht über haben sie es versucht, aber nichts gefangen. Und trotzdem befolgt er den Auftrag des Herrn. Und siehe da: Das Netz ist so voll, dass Petrus den Fang gar nicht mehr allein einholen kann. Jesus sagt: „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“

Diesen Satz finde ich immer etwas verstörend. Wer auf Fischfang geht, hat in der Regel zwei Optionen: Entweder ködert er auf perfide Weise den Fisch. Im Ergebnis hat der Fisch einen Haken im Mund. Oder er zwingt den Fisch mit Druck in ein Netz. So und so steht am Ende der Tod des Fisches. Ist es das, was Jesus sich unter Evangelisierung vorstellt? Die Menschen mit Zwang in das Netz zu treiben, und wenn es ihren Tod bedeutet?

Mitnichten. Es ist ein Bild. Was wird sich Petrus wohl gedacht haben, als Jesus ihn bittet, nochmal die Netze auszuwerfen? Petrus hat die ganze Nacht geschuftet. Er ist der Fischer, er verfügt über langjährige Erfahrung und weiß, ob Fische ins Netz gehen werden oder nicht. Und trotzdem macht er, was Jesus sagt. Mir sagt das zwei Dinge: Wer das Evangelium verkündet, darf nie aufgeben. Ich verstehe gut, dass manchmal die Gefahr der Resignation droht, wenn die Verkünder des Evangeliums in unseren Gemeinden schuften und kein direktes Ergebnis sehen können. Und doch: Der wunderbare Fischfang zeigt, wie unerwartet sich eine Situation drehen kann.

Und zweitens: Ein gewisses Grundvertrauen auf Jesus darf durchaus sein. Wir müssen nicht alles allein schaffen. Wir können uns auch auf Jesus verlassen. Manchmal klappt es dann eben nicht. Nur: Der Mut muss da sein. Das ist der erste wichtige Schritt zu einer neuen Verkündigung des Evangeliums.

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