Durch das Kirchenjahr: Von Leben und Tod

26.03.2020

… mit Benedikt

Fünfter Fastensonntag A – Johannes 11,1-45

Für gewöhnlich hat Jesus es im Johannesevangelium mit Menschen zu tun, die nicht auf ihn hören und nicht an ihn glauben. Sie erkennen nicht, dass Jesus mehr ist als ein begabter Prediger; sie sehen nicht, dass er der Sohn des Vaters ist, der gekommen ist, die Werke des Vaters zu tun und den Menschen durch sich selbst hindurch den Vater zu zeigen. Im Evangelium dieses Sonntags ist es ein wenig anders: Die Menschen, die zu Wort kommen, glauben an Jesus und seine Vollmacht. Aber immer noch trauen sie ihm zu wenig zu.

Jesus erfährt von der schweren Krankheit des Lazarus und bricht mit seinen Jüngern nach Bethanien bei Jerusalem auf; bei seiner Ankunft aber ist Lazarus schon seit vier Tagen tot. Die Ereignisse haben Jesus und seine Jünger scheinbar überholt. Sie sind zu spät, um Lazarus zu heilen oder sich wenigstens von diesem guten Freund zu verabschieden.

Jesus begegnet Menschen, die um Lazarus trauern, die aber auch wissen, Jesus hätte die Rettung des Mannes sein können. Seine Schwester sagt: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben“ (Johannes 11,21). Wortgleich wiederholt die andere Schwester, Maria, diese Worte. Und auch die Menge, die im Dorf ist, um zu trauern, ist sich sicher: „Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?“ (11,37)

Ja das hätte er wohl. Ausnahmsweise begegnet hier Jesus keinen ablehnenden Positionen, die in ihm nicht den Gesandten Gottes erkennen wollen. Seine Macht wird hier anerkannt: Er hätte Lazarus vor dem Tod bewahren können. So aber bittet Jesus darum, das Grab zu öffnen und Lazarus sehen zu können. Die Schwester warnt: „Herr, er riecht aber schon“ (11,39). Vier Tage ist Lazarus schon tot. Das könnte noch, rein theoretisch, ein langer Schlaf, eine Ohnmacht, ein Irrtum sein. Beginnt der Mensch aber zu riechen, müssen Verwesungsprozesse eingesetzt haben – Lazarus muss zwangsläufig tot sein. Und doch: er wird zum Leben erweckt. Jesus bittet den Vater um das Leben des Lazarus und wird erhört.

Jesus hat die Erwartungen der anwesenden Menge noch übertroffen. Während sie dachten, er hätte eine Macht über das Leben, die an der Schranke zum Tod endet, zeigt er, dass seine Macht auch in das Reich der Toten hineinragt. Dabei hat Lazarus noch nicht Teil an der endgültigen Auferstehung: Auch Lazarus musste später noch sterben – es liegt hier anders als bei der Auferstehung Jesu von den Toten. Und doch zeigt Jesus schon jetzt, welche Macht er, welche Macht der Vater hat: Eine Macht über das Leben und über den Tod.

Jesus hat an Lazarus gehandelt, um die Menschen zum Glauben zu führen. Zu seinen Jüngern hatte er gesagt: „Lazarus ist gestorben. Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt“ (11,15). Gut, dass Jesus den Tod des Lazarus verpasste – so konnte er sein starkes Zeichen an dem Freund erweisen.

In der Fastenzeit sind wir selbst gefragt: Können wir mit Martha bekennen: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll“ (11,27)?

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