„Ein großes Stück Glaubensverkündigung“ – Bischof Voderholzer besuchte Premiere der Neumarkter Passionsspiele

11.03.2019
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, die Schirmherren: Prof. Dr. Ludwig Mödl und Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm, sodann: MdEP Albert Dess und Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB (von links).

Bayern hat zweifelsohne eine reiche und lebendige Tradition an Passionsspielen, und jedes hat seinen eigenen Charakter. Auf Europaebene zählt der Verband „Europassion“ sogar über 90 Passionsspielorte in 15 Ländern. Eine Stadt davon ist Neumarkt in der Oberpfalz, wo seit 1989 im Turnus von zehn Jahren das Passionsspiel gezeigt wird. Damit wird klar: 2019 ist wieder Passionsspieljahr mit insgesamt 18 Aufführungen. Bei der Premiere in der Kleinen Jurahalle am Vorabend des ersten Fastensonntags war auch der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer dabei, der den Darstellern eine großartige schauspielerische Leistung bescheinigte.

Szene im Passionsspiel: Empfang Jesu und seiner Jünger in Jerusalem durch das Volk.

Die historischen Wurzeln reichen jedoch, wie Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann in seiner Begrüßung erläuterte, bis ins 17. Jahrhundert, in die Zeit der Gegenreformation und katholischen Erneuerung, zurück. Ende des 19. Jahrhunderts bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es von der örtlichen Kolpingsfamilie wiederbelebt, woraus sich dann kontinuierlich die heutige Form des Passionsspiels entwickelte. „Gut 500 Leute sind beim Passionsspiel ehrenamtlich tätig und investieren viele tausend Stunden“, sagte der Oberbürgermeister.

Der Neumarkter Heimatmaler Alfons Dürr kümmert sich um die Einträge der Prominenten ins Gästebuch des Passionsspiels. Hier trägt sich im Hintergrund Bischof Dr. Rudolf Voderholzer ins Gästebuch ein, vorne ist sein Eichstätter Amtsbruder Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB zu sehen.

„Es ist geschafft!“ Mit diesen drei Worten drückte Stadtpfarrer Norbert Winner, zugleich geistlicher Leiter des Passionsspiels, seine Erleichterung aus. Der Seelsorger der Pfarrei St. Johannes freute sich über die Präsenz der beiden Schirmherren: Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm und Prof. Dr. Ludwig Mödl, der von 1967 bis 1969 als Kaplan in St. Johannes wirkte.

Szene im Passionsspiel: Jesus bei König Herodes Antipas, im Hintergrund zeigen sich die Bauchtänzerinnen.

Ein besonderer Gruß des Stadtpfarrers galt den Bischöfen Gregor Maria Hanke OSB und Dr. Rudolf Voderholzer sowie dem Bayerischen Finanz- und Heimatminister Albert Füracker, dem Europaabgeordneten Albert Dess und Landrat Willibald Gailler. Aus dem kirchlichen Bereich hieß Stadtpfarrer Winner besonders die Kolping-Repräsentanten aus der Bundes- und Landesebene willkommen, da dieser Verband ja sehr wesentlich in die Passionsspiele involviert ist.

Szene im Passionsspiel: Jesus nach der Geißelung und Dornenkrönung.

Vor mehr als zwei Jahren begannen die Vorbereitungen für die 2019er-Passionsspiele. In den zurückliegenden fünf Monaten probten die 350 auf der Bühne stehenden Darsteller – darunter auch der Passionschor unter der Leitung von Peter Bruckschlögl – sehr intensiv. Wobei für die Mitwirkenden neben dem Applaus auch „die Verkündigung der Botschaft vom Leiden und Sterben Jesu Christi und von seiner Auferstehung“ wichtig sei. Das sagte Pfarrer Winner. Denn das „ist die zentrale Botschaft unseres Glaubens“, fasste der Geistliche zusammen.

Szene im Passionsspiel: Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld.

Eingerahmt ist das Passionsspiel von Liedern des Passionschores. Zum Einzug Jesu in Jerusalem singt das Ensemble „Jauchzet dem Herrn alle Welt“, zum Schluss „Christ ist erstanden“. Damit wird auch deutlich, dass das Neumarkter Passionsspiel nicht mit dem Tod Jesu am Kreuz endet, sondern mit der Botschaft Maria Magdalenas, der ein Engel die Nachricht von der Auferstehung Christi mitgeteilt hat.

Sehr beeindruckt – und das nicht nur von der schauspielerischen Leistung – zeigte sich Bischof Voderholzer. „Die Breite der biblischen Überlieferung mit einbezogen wird und die auch das Geschehen sehr plausibel erscheinen lässt, beeindruckt mich“, sagte der Oberhirte. Nicht alltäglich für ein Passionsspiel, aber durchaus ein bunter Tupfer ist zum Beispiel ein Bauchtanz mehrerer Damen am Hof des Königs Herodes.

Die Bischöfe Dr. Rudolf Voderholzer und Dr. Gregor Maria Hanke mit den Darstellern der Gottesmutter Maria und Jesus, Sabine Radschinsky und Thomas Fries.

Mehrere Soli einzelner Figuren lassen tiefer in deren Seelen- bzw. Gemütsverfassung blicken. Josef von Arimathäa und Nikodemus werden deutlich in ihrem positiven Bezug zu Jesus und seiner Lehre bzw. seinen Jüngern gezeigt, was sonst oft nicht so eindeutig vermittelt wird. „Das ist ein sehr gelungenes Werk. Und natürlich ein großes Stück Glaubensverkündigung. Es bringt das Heilsgeschehen sehr eindrücklich nahe, und ist eine sehr gute Vorbereitung auf Ostern“, befand Bischof Voderholzer in seinem Statement in Neumarkt.

Aufführungen des Passionsspiels gibt es bis einschließlich Karfreitag. Die genauen Termine sowie weitere Infos inkl. Kartenbestellung gibt es auf der Homepage unter www.passionsspiele-neumarkt.de.

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