„Eine Auflösung von Pfarreien steht für uns nicht zur Debatte“ – Bischof Rudolf zur aktuellen Instruktion der Kleruskongregation anlässlich der 400. Fatima-Monatswallfahrt in Tirschenreuth

14.08.2020

Am 20. Juli 2020 veröffentlichte die vatikanische Kleruskongregation im Auftrag von Papst Franziskus eine Instruktion mit dem Titel: Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche. Sie wendet sich an eine Kirche, die zumindest in Westeuropa viele Pfarrgemeinden auflöst, die das sakramentale Priestertum an den Rand drängt und Neuevangelisierung vielerorts als Strukturpoblem und Aufweichungsprozess verstehen will.

Verständlich, dass die römische Orientierung heftig kritisiert wurde, votiert sie doch unmissverständlich für eine geistliche Umkehr als Voraussetzung missionarischer Wirkkraft, ein Weg, den die Katholiken mit ihren Pfarreien und den berufenen Priestern gehen sollen.

Bischof Rudolf Voderholzer nahm die 400. Fatima-Wallfahrt im oberpfälzischen Tirschenreuth am 13.8.2020 zum Anlass, diese Instruktion zu begrüßen und sein Votum öffentlich zu begründen. Die Fatima-Wallfahrt sei der rechte Anlass, denn „Maria, die Königin der Apostel, ist uns bei all unserem Bemühen um das rechte Pfarrei- und Kirche-Sein Vorbild und Fürsprecherin.“ (…) „in Maria schauen wir, dass es entscheidend in der Kirche nicht darauf ankommt, ein Amt zu bekleiden, sondern Christus zur Welt zu bringen und heilig zu werden.“

Die gesamte Predigt können Sie hier nachlesen.

Hier sind die Überlegungen, warum Bischof Voderholzer die Instruktion begrüßt:

 

1. Die Instruktion bestärkt die 2000-jährige Erfahrung der Kirche, dass Verkündigung, Seelsorge und Caritas lebendige Gemeinschaft brauchen.

„Wir sind als Kirche eben mehr als eine Whatsapp-Gruppe, mehr als ein Facebook-Freundeskreis: Wir sind eine lebendige Gemeinschaft, und der erste und wichtigste Lebensraum ist die Pfarrei mit der Pfarrkirche. Wie gut, dass es dann doch den Pfarrer gibt, und in Tirschenreuth auch den Herrn Kaplan mit vielen ehrenamtlichen Schwestern und Brüdern, die da sind, ein offenes Ohr haben für die Sorgen und Nöte, die die Katechese schulisch und außerschulisch halten und andere unterstützen und dazu befähigen, und die vor allem die Feier der Eucharistie am Sonntag und an den Feiertagen vor allem, aber auch am Werktag gewährleisten.“

 

2. Die Instruktion ermutigt die Pfarreien, sich missionarisch zu erneuern und nicht in pastoraler Routine zu erstarren oder sich gar nur noch um sich selbst zu drehen.

„Die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Tirschenreuth ist so gesehen eine vorbildliche Pfarrei. Zum mittlerweile 400. Mal laden Sie ein zur Monatswallfahrt. Die Prediger von auswärts bereichern und variieren die Verkündigung. Und die Prozession, von der wir hoffen, dass sie bald wieder wird stattfinden können, trägt den Glauben auch sichtbar hinaus, hinaus auf den Marktplatz, hinein in die Lebens- und Arbeitswelt, zum Zeichen dafür, dass Sie auch an die „Ränder“ gehen wollen, sich nicht damit begnügen – als Heilsversicherungs-Konzern gewissermaßen –, dass die Leute zwar ihre Beiträge zahlen, aber ansonsten möglichst keine Dienste in Anspruch nehmen. Im Gegenteil! Sie laden ein, erinnern daran: Kirche, das sind wir alle, die wir getauft und gefirmt sind, und jeder und jede hat seine Aufgabe.

 

3. Die Instruktion begründet und bestärkt, dass Leitung und Letztverantwortung in einer Pfarrei nur dem priesterlichen Dienst eines Pfarrers zukommen kann.

„Der Pfarrer ist ja nicht einfach nur Vorsitzender eines Gemeindevereins, den man abwählen und nach irgendwelchen bloß weltlichen Gesichtspunkten beurteilen und austauschen könnte. Die Leitung der Kirche durch das geweihte Dienstamt macht deutlich, dass die Kirche als Ganze und auch jede Pfarrei selbst erst einmal Frucht einer Mission ist, nämlich Frucht der Sendung des Gottessohnes in diese Welt. Der Priester, der in der Person Christi, des Hauptes der Kirche, handelt, vergegenwärtigt das bleibende Voraus und das notwendige Gegenüber Christi zu seiner Kirche.“

 

4. Die Instruktion stützt sich auf ein Verständnis der Kirche als Stiftung Jesu, die teilhat an einer göttlichen Sendung, die den Menschen Gnadengeschenke Gottes anbietet, die sie sich niemals selbst besorgen können.

„Wo wir aber mit dem Glauben der Kirche von Anfang bejahen und bekennen, dass in Jesus Christus der ewige Sohn des Vaters Mensch geworden ist, dass er uns in seinem Tod und in seiner Auferstehung mit Gott versöhnt hat und dass er im Heiligen Geist in der Kirche sakramental gegenwärtig ist bis zum Ende der Zeiten, da kann die sakramentale Struktur der Kirche nicht in eine Quasi-Demokratie, und das Weihepriestertum nicht in ein Delegationsamt der Gemeinde umdefiniert werden. Schon von der Struktur der Offenbarung her, von der Schöpfungs- und Erlösungsordnung her, besteht erst einmal eine „Asymmetrie“ zwischen Schöpfer und Geschöpf, zwischen Gott und Mensch, zwischen Erlöser und Erlösten. Und die sakramentale Struktur der Kirche macht dies sichtbar und bekräftigt das bleibende Voraus Christi als Haupt seiner Kirche.“

 

5. Die Instruktion würdigt den priesterlichen Dienst und anerkennt Bedeutung, Schönheit und die besondere Berufung, die ihm zugrunde liegt.

„Man bilde sich nicht, dass man anstelle der schlechtgeredeten Priester dafür mehr andere kirchliche Berufe bekommt. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir aber vom Himmel wieder mehr Priesterberufe erbitten und empfangen, wird es auch in den vielen anderen pastoralen Berufen, angefangen bei den Religionslehrern und –lehrerinnen, den Pastoral- und Gemeindereferentinnen und –referenten, den Kirchenmusikern, den Diakonen und nicht zuletzt den Ordenschristen auch wieder mehr Berufungen geben. Davon bin ich überzeugt, und in diese Richtung muss doch erst einmal all unser Bemühen und, mehr noch, unser Beten zielen.“

 

Übrigens verweist das Wort „Pfarrei“ selbst auf die himmlische Verwurzelung der Christen. Das deutsche Wort stammt aus dem griechischen „paroikia“. Die Griechen bezeichneten damit eine „Fremdlings-Existenz“. Wer zur paroikia gehört, dessen Bürgerrecht ist im Himmel, dort hat er seine eigentliche Heimat. Bischof Rudolf: „So wird schon sprachlich daran erinnert, dass die Kirche nicht im irdischen Horizont aufgeht und in irdischen Kategorien allein fassbar ist, sondern, wie es jeder Kirchturm in seiner stummen Predigt als Zeigefinger nach oben verkündet, ein steter Verweis ist auf die wahre Heimat und die alles erfüllende Zukunft im Himmel.“

 

 

 

Eine ganz besondere Freude

Eine „ganz besondere Freude“ war es für Regionaldekan Pfarrer Georg Flierl, dass Bischof Dr. Rudolf Voderholzer trotz Corona an der 400. „Wallfahrt für die Kirche“ in Tirschenreuth teilnimmt. Schon seit mehreren Jahrzehnten werde der Termin jeweils am Dreizehnten des Monats wahrgenommen. „Wir haben es auch versucht, während der strengen Coronaauflagen durchzuhalten“, sagte Pfarrer Flierl bei der Begrüßung zu Beginn des Gottesdienstes. Bischof Rudolf lobte dieses Engagement. Er schaue mit großer Dankbarkeit auf das pfarrliche Leben in Tirschenreuth, das sich auch in der Corona-Zeit nicht habe unterkriegen lassen. „Wir lassen nichts ausfallen, wir lassen uns etwas einfallen, das war und bleibt unsere Devise.“

 

Eine neubelebte Wallfahrt im Geiste Fatimas

Seit dem Jahr 1986 gibt es die Monatswallfahrt schon. An jedem Monatsdreizehnten findet sie statt: Unter normalen Umständen beginnt sie mit einem Rosenkranzgebet, es folgen eine heilige Messe und die Aussetzung des Allerheiligsten. Im Anschluss begeben sich die Teilnehmer auf eine Lichterprozession, die momentan leider ausfallen muss. Die Besonderheit: Die traditionsreiche Verehrung eines Gnadenbildes, das auf das Jahr 1692 zurückgeht, wurde seit den 1980ern durch die Wallfahrt im Geiste Fatimas neu belebt. Sie ist mittlerweile zu einem Anziehungspunkt für zahlreiche Pilger aus der gesamten Region geworden.

 

 

Zum Abschluss dieses Berichtes sei der Dank Bischof Voderholzers an die Katholikinnen und Katholiken Tirschenreuths zitiert:

„Wenn dem Pfarrer die Leitung und Letztverantwortung zukommt, dann heißt das noch lange nicht, dass er nicht in vielfältiger Weise auf die Mit-Sorge, auf den Rat, auf die Mitarbeit vieler Schwestern und Brüder angewiesen ist und diesen Dienst auch dankbar annimmt.

Unseren beiden Technikern habe ich schon gedankt. Viele andere wären zu nennen aus Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat, im Pfarrhaus und im Pfarrbüro, in den Vereinen und Verbänden. Lassen Sie mich stellvertretend für viele heute aus gegebenem Anlass Ihre Kirchenmusikerin Frau Cornelia Cichon nennen, die, wie mir Pfarrer Flierl gesagt hat, eine große Stütze war und ist bei der Bewältigung der Corona-Krise und die zeigt, wie das Amt des Kirchenmusikers, der Kirchenmusikerin ein wirklich auch pastoraler Beruf ist, wo über die Musik, über Gesang und Liturgie auch der Glaube in seiner Schönheit verkündet und erschlossen wird. Ihr zur Seite steht heute stellvertretend für alle, die auch gerne im Chor gesungen und musiziert hätten und dies hoffentlich auch bald wieder tun dürfen, Frau Andrea Keller mit der Trompete. Danke für Ihren Dienst, vor allem auch bei den Maiandachten und heute bei der Jubiläumswallfahrt; danke stellvertretend für alle Schwestern und Brüder in der Pfarrei, die die Wallfahrt, die ewige Anbetung und vieles mehr mit großem Einsatz mittragen.“

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