Ermutigung für Priester und Gläubige – Bischof Rudolf unterwegs in Niederbayern

13.02.2020
Auch die ganz Kleinen in Hebertsfelden wissen schon wie das geht: Beim Betreten der Kirche wird erst einmal das Kreuzzeichen mit Weihwasser gezeichnet.

Der Abschluss der großen Visitation führte Bischof Rudolf Voderholzer am Mittwoch in das Dekanat Eggenfelden. Regionaldekan Josef Thalhammer hatte zusammen mit Dekan Egon Dirscherl in den vergangenen Wochen die einzelnen Pfarreien, Exposituren und Einrichtungen besucht und intensive Gespräche mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern zur seelsorglichen Situation im Dekanat geführt. Nun konnte sich Bischof Rudolf selbst einen Eindruck machen und besuchte einen gesamten Tag den Süden der Diözese, um möglichst viele Menschen zu treffen, mit ihnen das Gespräch zu suchen und die Heilige Messe zu feiern.

 

Gutes Miteinander von Kirche und Staat

So feierte der Oberhirte aus Regensburg zusammen mit den Kindern der Kindergärten St. Franziskus und St. Raphael sowie der Grund- und Mittelschule bereits am Morgen eine Andacht im Gotteshaus St. Emmeram in Hebertsfelden und segnete jedes Mädchen und jeden Buben einzeln. Auch ein Treffen mit den politischen Vertretern der Region stand auf dem Tagesprogramm. Bischof Voderholzer lernte die Bürgermeister von Eggenfelden, Hebertsfelden und Falkenberg kennen. Dabei wurde deutlich, dass ein gutes Miteinander der kommunalen und kirchlichen Gemeinden das Leben in der niederbayerischen Region. kennzeichnet. In Eggenfelden stand der Besuchder Werkstätte für Behinderte St. Rupert auf dem Programm. Menschliche Arbeit ist viel mehr als nur ein Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts, weiß der Leiter der Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge, Alfred Miller: Aus Arbeit erwächst Selbstvertrauen. Sie hilft, anerkannter Teil der Gesellschaft zu sein. Bei einem Rundgang konnte sich Bischof Voderholzer davon ein Bild machen.

Die Mädchen und Buben aus den Kindergärten feierten mit Bischof Rudolf eine Andacht.
Bischof Voderholzer rief einzelne Kinder bei ihrem Namen zu sich.
Jedes einzelne Kind segnete der Bischof.

 

 

In Kirchberg gestaltete Joseph Neustifter 2015 das Innere der Kirche St. Michael neu.

Kunst im Kirchenraum - Treffen mit Joseph Neustifter

Auch die Betriebsseelsorge ist ein wichtiger Punkt bei den Visitationen. Dieses Mal besuchte Bischof Rudolf Voderholzer die Firma Haas in Falkenberg, die seit den 70er Jahren in der Holzverarbeitung und im Fertighausbau tätig ist. Rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt das Familienunternehmen. Bei einem Rundgang lernte Bischof Rudolf die Systematik des Fertighausbaus kennen und kam mit der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern ins Gespräch. Im Atelier von Joseph Neustifter lernte die Delegation um Bischof Voderholzer die Arbeit des bekannten Künstlers aus Eggenfelden näher kennen. Zuvor führte Neustifter den Bischof durch die Expositurkirche St. Michael in Kirchberg, die er 2015 unter anderem mit Altar, Ambo und Tabernakel gestaltet hatte.

In seinem Atelier in Eggenfelden zeigte der Künstler Bischof Rudolf verschiedene Projekte. Hier ein Holzkreuz, in das individuelle Flachreliefs eingesetzt werden können.
Gutes Miteinander von Staat und Kirche: Bischof Rudolf traf den Bürgermeister von Eggenfelden, Wolfgang Grubwinkler (hier: Eintrag ins Goldene Buch).

Im Taufkirchener Pfarrhaus, zu Gast bei Pfarrer und Prodekan Thomas Richthammer, tagte am Vorabend die Dekanatskonferenz. Hier erläuterte Regionaldekan Thalhammer dem Bischof und den anwesenden Pfarrern und pastoralen Mitarbeitern die Ergebnisse seiner Visitation. Ein reger Austausch mit dem Bischof über die seelsorgliche Situation, den Erfolgen aber auch Nöten im Dekanat folgte. Den Höhepunkt des Abschlusses der großen Visitation bildete die Feier der Heiligen Messe in der benachbarten Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Danach hatten die Gläubigen aus dem Dekanat Eggenfelden Gelegenheit, ihren Diözesanbischof persönlich bei Bier und Brotzeit im örtlichen Wirtshaus kennen zu lernen.

Zu Besuch in der Werkstätte St. Rupert: Regionaldekan Josef Thalhammer und Bischof Rudolf lassen sich von den Beschäftigten die verschiedenen Tätigkeitsfelder erklären.
Egal, wie hoch der Grad der Behinderung ist: Jeder Mitarbeiter hat seine speziellen Fähigkeiten und Begabungen.
Seit den 70er Jahren ist das Familienunternehmen Haas im Holzbau etabliert und ist ein wichtiger Arbeitgeber für die Region.
Xaver Haas erläutert den Gästen eine Produktionsstraße. Im Hintergrund sieht man die Entstehung einer Hauswand für ein Fertighaus.
In der Dekanatskonferenz tauschen sich die Priester und pastoralen Mitarbeiter mit dem Bischof aus.

Landschaft ist geprägt durch Leuchten der Kirchtürme

Durch den Bericht des Regionaldekans und den Begegnungen des Tages, so Bischof Rudolf in seiner Predigt, habe er von zahlreichen Ehrenamtlichen erfahren, die mit großem Stolz auf ihre Kirchen schauen. Es gebe kaum eine Erhebung von der man nicht mindestens fünf Türme oder Dächer von Kirchen oder Kapellen erblicken könne. Die niederbayerische Landschaft sei geprägt durch das Leuchten der Kirchtürme, erzählte der Bischof fasziniert. Aber er blickte auch auf die Sorgen der Gläubigen: Oft wehe einem ein gesellschaftlicher Wind entgegen, der es nicht einfach mache, Christ zu sein. Auch der Einsatz für die jungen Menschen sei nicht immer von dem Erfolg getragen, dem man sich erhoffe. "Ich teile Ihre Sorgen. Wir müssen realistisch sein und unsere Zeitsituation richtig einschätzen. Wir leben in einer Übergangszeit von einer Volkskirche zu einer Entscheidungskirche".

Der Höhepunkt eines jeden Pastoralbesuches: Die Feier der Heiligen Messe!
Diakon Robert Rembeck aus Eggenfelden liest aus dem Evangelium.
Im Mittelgang der Taufkirchener Kirche Mariä Himmelfahrt predigte Bischof Rudolf zu den Gläubigen.
Ein besonderer Altar im Gotteshaus in Taufkirchen: Er zeigt die Verkündigungs- und Krippenszene.

Jeder Christ muss auskunftsfähig sein

Vor 50 Jahren hätten sich Menschen rechtfertigen müssen, so der Bischof, wenn sie am Sonntag nicht in die Kirche gegangen seien. Die Zeiten haben sich geändert: Heute müsse sich derjenige rechtfertigen, für dem die Feier der Heiligen Messe am Sonntag etwas Selbstverständliches darstelle. "Einfach so Christ sein, weil man es immer so war, weil es dazu gehört? Diese Zeiten sind vorbei! Deswegen ist es ganz wichtig, dass jeder von uns auskunftsfähig ist vor sich selber und den anderen, was der Glaube mir bedeutet. Dass ich es begründen kann - für mich aber auch gegenüber Kindern und Jugendlichen. Und auf diese Weise ein Rückgrat entwickle", so das Appell von Bischof Rudolf Voderholzer an die Priester und Gläubigen.

Zahlreiche Gläubige suchten das Gespräch mit Bischof Rudolf.
Nach der Messe zum Wirt. Im örtlichen Gasthof trafen sich Bischof, Priester und Gläubige.

Und was ist Euch wichtig im Leben?

Und weiter: "Ich möchte Sie alle ermutigen und alle Initiativen unterstützen, wo sie sich untereinander im Glauben stärken. Im gemeinsamen Glaubensgespräch zuhause, in den Pfarreien und Verbänden. Schaffen Sie zusammen mit den Priestern und pastoralen Mitarbeitern Räume, wo diese freundschaftliche Beziehung zu Jesus Christus gestärkt wird. Und fordern Sie das auch ein und stützen Sie sich gegenseitig im Glauben. Dann wird es gelingen, den Glauben weiterzugeben. Auch den Ministranten (28 gibt es in Taufkirchen. 14 Mädchen und 14 Buben) riet er, ihren Glauben gegenüber Gleichaltrigen zu verteidigen: "Ihr dürft Euch ruhig hinstellen und sagen 'Mir ist der Glaube wichtig'. Wenn andere dumm daher reden sagt ihnen 'Und was ist Euch wichtig im Leben? Wofür würdet ihr Euer Leben einsetzen?' Wir wissen was wir glauben. Danke Euch für Euren wertvollen Dienst!", so der Bischof abschließend.

Bei Bier, Wasser und Brotzeit saß man noch länger zusammen.

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