Friedrich Carl von Savigny und Johann Michael Sailer – ein gebildet-kommunikativer Abend des Akademischen Forums dort, wo 200 Jahre zuvor konversiert wurde

21.05.2019

Am Montagabend hat eine weitere, erneut besondere Veranstaltung des Akademischen Forums Albertus Magnus in Regensburg stattgefunden: Im Salettl, einem barocken Gartenhaus im Regensburger Stadtteil Kumpfmühl, fand der Vortrag „Die Familie Friedrich Carl von Savigny und Bischof Johann Michael Sailer“ statt. In Anwesenheit von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer sprach Prof. Dr. Konrad Baumgartner, emeritierter Professor für Pastoraltheologie, in dem ehemaligen Gartenhaus, das Alexander Graf Westerholt zu Beginn des 19. Jahrhunderts erworben hatte. Der leitende Beamte des damaligen Fürstlichen Hauses Thurn und Taxis traf dort mit Johann Michael Sailer phasenweise täglich zusammen, auch Carl von Dalberg aus der Reihe der Regensburger (Erz)Bischöfe dürfte dort Gast gewesen sein. In diesem historischen Gebäude, das vor wenigen Jahren beinahe abgerissen worden wäre, war viel Erhellendes über Freundschaften sowie überhaupt Umgang und Sorgen, aber auch die Freuden der Kreise um Sailer und seine gebildeten Freunde zu erfahren.

Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor des Akademischen Forums, ordnete Johann Michael Sailer als „menschlich gebliebenen Theologen“ und „Genie der Freundschaft“ ein. Friedrich Carl von Savigny nannte er einen der berühmtesten Rechtsgelehrten aller Zeiten – Savigny und Sailer kannten sich aus der Phase ihrer universitären Tätigkeit in Landshut. Referenten Baumgartner bezeichnete Prof. Bonk als „Doyen der Sailer-Forschung“. Die am Genius loci ausgerichtete Veranstaltung fand außerdem am Todestag Sailers, am 20. Mai, statt. Er war 1832 gestorben.

Prof. Baumgartner stellte Savigny vor (der übrigens „vermutlich“ ebenfalls bereits an diesem Ort verweilt hatte): mit festem Stand im Protestantismus, allerdings auf der Suche nach dem wahren Christentum, das er jedoch im Wurzelgrund der Konfessionen vermutetet – sehr im Gegensatz zu Sailer, dessen katholische Position klar war. Es waren gerade die Kontakte mit Sailer, die dazu führten, dass sich Savigny, Begründer der historischen Rechtsschule, lebhaft für den römischen Katholizismus interessierte. Viel Verständnis erwuchs zwischen all den damals miteinander korrespondierenden maßgeblichen Personen in Sailers Umfeld durch gebildeten Umgang. Darin liegt nicht zuletzt das Interesse an ihren „Netzwerken“, die lange noch nachwirken sollten. Einen besonderen sowie pastoraltheologisch geprägten Akzent setzte Baumgartner durch die Thematisierung des Umgangs mit dem unterschiedenen und doch irgendwie verbindenden Glauben Savignys und seiner katholischen Gemahlin Kunigunde von Brentano. Heute spräche man von einer konfessionsverbindenden Ehe.

Wiederholt hat sich somit das Akademische Forum mit Personen und Themen in Verbindung mit dem Erneuerer der Pastoraltheologie Sailer – der schließlich als Bischof von Regensburg wirkte – befasst. Auf vielsagende und sehr versierte Weise hatte zu Beginn dieser Veranstaltung Dr. Hermann Reidel, Vorsitzender des Geschichts- und Kulturvereins Regensburg-Kumpfmühl, die Geschichte des Salettl vorgestellt, an dessen Rettung vor dem Abbruch er ganz maßgeblich beteiligt war. Dass das Akademische Forum unter Leitung von Prof. Dr. Sigmund Bonk derartige besondere – übrigens auch mit sehr großem öffentlichem Interesse versehene – Regensburger Ereignisse auf die Beine bringt, äußerte sich nicht zuletzt in einer angenehmen und menschlich ansprechenden Stimmung am Montagabend. Sie erinnerte nicht nur von Ferne gerade an die Gespräche, die sich 200 Jahre zuvor hier in aufgeklärter bis romantischer Sphäre zugetragen hatten. Nicht zuletzt deshalb war auch eine bemerkenswerte Delegation aus Sailers Geburtsort Aresing bei Schrobenhausen eigens herbeigekommen.

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