Fronleichnam: Geschichte und Bedeutung

14.06.2019

Für viele Christen ist Fronleichnam einer der Höhepunkte im Kirchenjahr. Nicht wenige Gemeinden betreiben einen sehr großen Aufwand, um das Fest möglichst feierlich begehen zu können: Stundenlang werden Teppiche aus Blumenblüten gelegt, die Kirchen auf Hochglanz poliert, der Schmuck für die Prozession vorbereitet. Dabei ist Fronleichnam – gemessen an kirchlichen Maßstäben zumindest – ein eher junges Fest: Das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ geht auf eine Vision der niederländischen Nonne Juliane von Lüttich zurück, die von 1193 bis 1258 lebte.

 

Mondflecken

In Visionen sah sie immer wieder einen Mond, auf dem ein dunkler Fleck zu sehen war – wie Jesus ihr in einer Vision mitteilte sei im Mond die Kirche dargestellt, der Fleck aber verweise auf ein bislang nicht gefeiertes Fest: Das Fest der Einsetzung der Eucharistie. Zur Zeit der Juliane von Lüttich entstand im dortigen Bistum eine Bewegung, die in Abgrenzung zu verschiedenen eucharistischen Irrlehren eine gesteigerte Verehrung der Eucharistie begründen wollte. 1264 schrieb der Papst das Fest verpflichtend vor, gleichwohl dauerte es mehrere Jahrzehnte bis sich die Fronleichnamsfeier in der gesamten Kirche durchsetzen konnte.

Die Fronleichnamsprozession

Relativ schnell verbreitete sich auch der Brauch der Fronleichnamsprozessionen. Bis heute macht vor allem diese Prozession das Hochfest bekannt: Blumenteppiche und feierlich geschmückte Altäre, Himmel, unter denen das Allerheiligste getragen wird, Bäume am Straßenrand, Heiligenfiguren und Fahnen – von Region zu Region kann sich die Ausgestaltung der Prozession unterscheiden, gemeinsam ist den Feiern meist eine große Feierlichkeit. Im Lauf der Geschichte standen dabei immer wieder unterschiedliche Akzente des Hochfestes im Vordergrund: In den ersten Jahren des Festes, aber auch zur Zeit der Reformation war mit Fronleichnam immer auch die theologische Frage nach dem Wesen der Eucharistie verbunden. Die Menschen fragten in diesen Zeiten ganz besonders danach, wie Jesus unter den Zeichen von Brot und Wein wirklich gegenwärtig sein kann – und so stand die theologische Deutung im Vordergrund des Festes.

 

Was feiern wir?

Später rückten andere Motive in den Vordergrund des Festes: Gerade die Prozession wurde zu einer Demonstration des katholischen Glaubens ausgebaut. Die Katholiken bekannten ihren Glauben öffentlich auf den Straßen ihrer Städte und Dörfer. Heute kann das Fronleichnamsfest eine gute Möglichkeit sein, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen: Was bedeutet die Gegenwart Jesu Christi im Sakrament des Altares, aber auch in meinem eigenen Leben, im eigenen Alltag? Wo begegnen wir heute Gott? Schaffen wir es, unser Bekenntnis zu Gott aus der Kirche zu allen Menschen hinauszubringen – so wie wir es an Fronleichnam mit dem Allerheiligsten tun? Legen wir Gott auch im Alltag Blumenteppiche und Schmuck aus – oder tun wir das nur an Fronleichnam?

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