Gebetstag für Missbrauchsopfer

08.11.2018

Papst Franziskus hat angeregt, jährlich einen Gedenktag für Opfer sexuellen Missbrauchs zu begehen. Für Deutschland haben die Bischöfe festgelegt, dass dieser von den Kirchengemeinden rund um den 18. November begangen werden sollte, an dem zugleich der „Europäische Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“ ist.

Die Ziele des europäischen Tages sind es, Impulse für einen verbesserten Kinderschutz zu geben und die Gesellschaft weiterhin für die Thematik des sexuellen Kindesmissbrauchs zu sensibilisieren.

Auf der Homepage der Deutschen Bischofskonferenz können Sie Materialien zum Gebetstag für Missbrauchsopfer bzw. zum Europäischen Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch herunterladen.

 

Gebet

Gott, du Freund des Lebens.
Du bist allen nahe, die bedrängt sind und leiden.
Wir denken heute besonders an die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen,
die sexuellen Missbrauch erleiden mussten und müssen – auch in deiner Kirche.

Wir klagen vor dir
über die Gewalt, die Täter ihren Opfern an Leib und Seele antun,
über zerstörtes Leben, das oft niemand wieder gut machen kann.
Du unser Gott, höre unsere Klage.

Wir bekennen vor dir
das Wegschauen, Schweigen und Nichtstun derer, die die Taten geahnt haben und ahnen.
Du unser Gott, höre unsere Klage.

Wir wollen darauf achten, was viele nicht sehen wollen:
sexuelle Übergriffe und den Missbrauch von Vertrauen und Macht.
Du unser Gott, steh uns bei.

Wir wollen hören
auf die Geschichten der Opfer.
Wir wollen Anteil nehmen
an ihrem Schmerz und ihrer Einsamkeit.
Du unser Gott, steh uns bei.

Wir wollen sprechen
von der Verantwortung, die jeder von uns trägt.
Wir wollen sprechen über Hilfe und Auswege aus der Not.
Du unser Gott, gib uns Kraft und Mut.

Wir wollen schweigen,
wo Erklärungen und Ratschläge nicht angebracht sind.
Du unser Gott, gib uns Kraft und Mut.

Wir wollen uns freuen
über die Stärke und Kraft der Betroffenen,
über die Solidarität derer, die sie begleiten,
über alle Menschen, die mitarbeiten, um einen besseren Schutz zu verwirklichen.
Du unser Gott, mach unsere Hoffnung stark.

Wir wollen hoffen
auf Aufbrüche und neues Leben schon in dieser Welt,
auf die Umkehr der schuldig Gewordenen,
auf deine Gerechtigkeit heute und am Ende der Zeiten,
auf Heilung aller Wunden, die allein du schenken kannst.
Du unser Gott, mach unsere Hoffnung stark.

Lebendiger Gott, sende uns deinen Geist und sei mit uns auf diesem Weg,
durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
Amen.

Vorschläge für Fürbitten

Hintergrund
Sexualisierte Gewalt findet nicht nur in der Kirche statt. Der Gedenktag für Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kirche muss sensibel so gestaltet werden, dass er auch diejenigen nicht außer Acht lässt, die Opfer geworden sind im Kontext von Familie, Nachbarschaft, Schule und anderen Umfeldern. Statistisch ist damit zu rechnen, dass in jeder Versammlung von mehr als vier Christinnen und Christen eine von sexueller Gewalt betroffene Person anwesend ist.

Betroffene leiden vielfach unter der Tabuisierung von Missbrauch in der Öffentlichkeit. Das öffentliche Gedenken im Gottesdienst ist ein Signal der Gemeinde, dass sie um Missbrauchserfahrungen weiß. Das Signal „Wir wissen um Euch“ stärkt Betroffene in ihrem Gefühl von Zugehörigkeit zur Gemeinde und der Gemeinschaft.

Die folgenden Fürbitten greifen unterschiedliche Aspekte auf und stellen für die Liturgieverantwortlichen eine Auswahl dar. Sie sollte je nach Situation in der Gemeinde getroffen bzw. angepasst werden.


Gebetseinladung
Voll Vertrauen auf Gott, der das Leben will, lasst uns vor ihm unsere Bitten aussprechen:

Nach jedem Gebetsanliegen folgt nach einem Moment der Stille der Fürbittruf:
V: Guter Gott. – A: Wir bitten Dich, erhöre uns.


Fürbitten für Opfer von sexuellem Missbrauch
Für die Opfer: Dass sie auf Menschen treffen, die für ihre Erfahrungen von Missbrauch und Gewalt offene Ohren haben und durch ihr Wissen um das Geschehene Solidarität entwickeln.

Für die Betroffenen, die einen Weg suchen, über den Missbrauch, den sie erlitten haben, zu sprechen: Dass sie Mut und Kraft finden, das, was ihnen geschehen ist, in Worte zu fassen.

Für alle, die durch Missbrauch und Gewalt Vertrauen in andere Menschen verloren haben: Dass sie Erfahrungen von Geborgenheit und Angenommen-Sein machen. Und für diejenigen, die auch ihr Vertrauen in Gott verloren haben: Dass sie Menschen begegnen, durch die sie etwas von Gottes Güte ahnen und erfahren können.


Fürbitten für Verantwortliche in der Kirche
Für alle, die in Kirche und Gemeinde Leitungsfunktionen wahrnehmen: Dass sie Mut haben, auf der Seite der Betroffenen zu stehen, und die Entschlossenheit finden zu umfassender Aufklärung und konsequenter Aufarbeitung.

Für die Verantwortlichen in den Diözesen: Dass ihre Bemühungen Erfolg haben, schützende Strukturen aufzubauen gegen Übergriffe, sexuellen Missbrauch und Gewalt; dass sie ihr Leitungsamt verantwortungsbewusst und achtsam ausüben.
Für die Verantwortlichen in der theologischen Ausbildung, in Studium und Lehre: Dass sie die Erfahrung der Opfer von Gewalt noch stärker im Blick haben.

 

Fürbitten für die Gemeinde
Für uns alle, die wir durch die Geschehnisse jetzt mit Missbrauch konfrontiert sind: Dass wir den Mut finden, uns diesem Thema zu stellen, und die Betroffenen unsere Solidarität spüren lassen.

Für die Gemeinden, in denen Missbrauch durch amtliche Vertreter der Kirche stattgefunden hat: Dass sie Wege finden, das Geschehene in Worte zu fassen, und dass sie Menschen finden, die sie auf dem Weg der Aufarbeitung unterstützen und begleiten.



Fürbitte für die Täter
Hinweis: Der Gedenktag ist eine konsequente Hinwendung zu den Betroffenen. Eine Fürbitte für die Täter in einem Atemzug mit den Opfern sollte unterbleiben; wenn es eine Entscheidung für eine solche Bitte gibt, könnte sie schlicht lauten:

Lasst uns auch beten für jene, die durch ihr Tun oder ihr Unterlassen schuldig geworden sind.



Abschluss
Du Gott des Lebens, alles, was uns bewegt, legen wir in deine Hände. Auf dich setzen wir unsere Hoffnung und unser Vertrauen. Sei mit uns und mit allen, für die wir heute beten, durch Christus, unseren Herrn.