Hauskirche: Den Glauben zuhause leben und feiern

27.03.2020

In dieser Zeit sollten wir uns an die Bedeutung der Kirche erinnern: Kirche ist die Gemeinschaft aller Gläubigen. Durch die Taufe sind wir in diese Gemeinschaft aufgenommen worden und gehören zu ihr. Diese Gemeinschaft besteht in unserem Bistum und in unseren Pfarreien, sie besteht weltweit mit dem Papst als sichtbarem Zeichen der Einheit. Aber sie besteht auch in unsere vielen katholischen Familien. Wir sind auch zuhause Kirche. Davon spricht auch das Zweite Vatikanische Konzil. In der Konstitution "Lumen Gentium" (LG) über die Kirche heißt es über die Familie: "In solch einer Art Hauskirche sollen die Eltern durch Wort und Beispiel für ihre Kinder die ersten Glaubensboten sein" (LG 11). Vater und Mutter, genauso aber auch die Großeltern, sind die ersten Verkünder des Evangeliums. Durch ihr Leben, so ermutigt das Konzil, sollen und können sie ihren Kindern die Bedeutung des Evangeliums zeigen.

 

Vier Dimensionen von Kirche

Die Familie als "Kirche im Kleinen" kann gerade jetzt ein wertvolles Modell sein. Als Christen sind wir in dieser durchaus schwierigen Situation eingeladen, unseren Glauben zuhause zu leben und zu feiern. In der Theologie wird immer wieder davon gesprochen, Kirche bestehe aus vier Dimensionen: Das ist zunächst einmal die "Martyria", das Zeugnis vom eigenen Glauben. Dazu kommt "Leiturgia", die Feier des Gottesdienstes. Auch "Diakonia", der liebevolle Dienst am Nächsten, gehört ganz wesentlich zur Kirche. Und schließlich macht Kirche immer auch "Koinonia" aus, die Gemeinschaft. Wer nun versucht, zuhause den Glauben und die Kirche zu leben, kann sich an diese vier grundlegenden Dimensionen halten.

 

Die Gemeinschaft

Gemeinschaft ist gerade natürlich nur eingeschränkt möglich. Über den eigenen Haushalt hianus sind Sozialkontakte nicht möglich. Und trotzdem kann Gemeinschaft gelebt werden. In der Familie etwa kann man sich ganz bewusst Zeit füreinander nehmen; Zeit, die nun durch den Wegfall vieler Verpflichtungen und Termine frei geworden ist, und die man in der Gemeinschaft der Familie verbringen kann. Aber auch darüber hinaus ist Gemeinschaft heute dank der sozialen Medien möglich: Alte Freunde und Bekannte, die Großeltern oder Tanten kann man wieder einmal anrufen – und sich so bewusst machen: Wir leben in einer Gemeinschaft und können auch diese schwierige Zeit gemeinsam meistern.

 

Der Gottesdienst

Der Gottesdienst gehört wesentlich zum christlichen Leben, auch wenn das in den nächsten Wochen nicht in der gewohnten Form möglich ist. Doch auch in der Familie, ebenso alleine, kann man sich ganz bewusst Zeit für Gott nehmen. Vielleicht hat man in der Wohnung Platz für einen kleinen Altar, den man passend zur Fastenzeit, später dann für Ostern gestalten kann  mit einem Kreuz und einer Kerze, mit Blumen und einer Bibel. Im Kreis der Familie, aber auch über das Telefon oder andere soziale Medien, kann man gemeinsam in der Bibel lesen und darüber sprechen  eine gute Möglichkeit ist da die Methode des Bibelteilens. Zudem kann man gemeinsam beten. Eine Möglichkeit dazu ist das Stundengebet. Aber auch das Gotteslob bietet sehr viele Möglichkeiten, gemeinsam zu singen oder Andacht zu halten.

 

Die Nächstenliebe

Dabei aber sollte man nicht vergessen: Zur Kirche gehört immer auch der Dienst am Nächsten. Auch das ist in den kommenden Tagen und Wochen natürlich nur eingeschränkt möglich. Man kann aber überlegen: Wer braucht jetzt ganz besonders Hilfe? Vielleicht kennt man ältere oder alleinstehende Menschen, die in dieser Zeit von der Einsamkeit ganz besonders gefährdet sind. An sie kann man denken, sie anrufen, ihnen schreiben. Vielerorts bilden sich nun auch Hilfsangebote für Menschen, die ihr Haus auch für den täglichen Einkauf oder den Gang zur Apotheke nicht mehr verlassen können oder sollten  und auf Hilfe dringend angewiesen sind.

 

Das Zeugnis

Und schließlich gehört auch das Zeugnis vom Glauben zum christlichen Leben dazu. Wir leben aus der Hoffnung auf den guten und erlösenden Gott - und diese Hoffnung trägt ganz besonders auch dieser Tage. Wir können dem nach Außen Ausdruck geben; indem wir in unseren Familien bewusst über den Glauben sprechen oder diskutieren, indem wir aber auch im Supermarkt nicht in Panik verfallen. Unser Glaube bietet eine tiefe Hoffnung, die wir als Christen bezeugen dürfen. Gerade das bevorstehende Osterfest ist das große Zeichen unseres Gottes, der für diese Welt und ihre Menschen nur das Beste will: Leben in Fülle.

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