Ignatius von Antiochien: Freude auf das Martyrium

17.10.2019

Je älter die Heiligen, desto weniger wissen wir heute über sie. Über die vier Männer, die die Evangelien des Neuen Testaments geschrieben haben, wissen wir kaum etwas. Erst im Lauf der Jahrhunderte werden die historisch zuverlässigen Quellen immer mehr und wir können ein immer besseres Bild der Heiligen zeichnen. Auch über den heiligen Ignatius von Antiochien ist sehr wenig bekannt. Ignatius scheint ein Heidenchrist gewesen zu sein – ein Christ also, der nicht aus dem Judentum stammte, sondern sich von einem heidnischen Glauben zum Bekenntnis an den einen Gott bekehrte. Er war der zweite oder der dritte Bischof der syrischen Stadt Antiochien.

 

Sieben Briefe vor dem Tod

Das wenige, das man heute weiß, lässt sich den Briefen des heiligen Ignatius entnehmen. Sieben Briefe sind von Ignatius von Antiochien erhalten. Sie stammen aus den Jahren zwischen 110 und 117 nach Christus und stellen damit ein Zeugnis der frühen Kirche dar, das fast so alt wie die meisten Texte des Neuen Testaments ist. Die Entstehungsgeschichte dieser Briefe ist dabei außergewöhnlich: Ignatius ist bereits der Christenverfolgung zum Opfer gefallen. Er befindet sich auf dem Weg nach Rom, dort soll er den Märtyrertod erleiden. Die lange, wohl mehrere Monate dauernde Reise in die Hauptstadt des römischen Weltreiches nutzt Ignatius, um sich von verschiedenen Gemeinden zu verabschieden, mit denen er in Kontakt stand. In seinen Briefen verwendet Ignatius gerne Begriffe aus der Medizin. Es könnte also sein, dass er vor seinem Wirken als Bischof Arzt war, wenngleich das nicht mit Sicherheit gesagt werden kann.

 

Ein klarer Abschied

Es sind Abschiedsbriefe, die Ignatius auf seinem Weg schreibt. Bitterkeit, Wehmut, Trauer – das möchte man von derartigen Briefen erwarten. Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit. Aber im Gegenteil: Die von Ignatius erhaltenen Briefe zeigen einen überzeugten Christen, der freudig seinem Martyrium entgegengeht. Der Leser muss beinahe erschrecken über die Deutlichkeit, in der Ignatius von seinem bevorstehenden Leiden spricht: „Feuer und Kreuz und Rudel von wilden Tieren, Zerschneidung, Zerteilung, Zerstreuung von Knochen, Zerhauung von Gliedern, Zermahlung des ganzen Körpers, üble Plagen des Teufels sollen über mich kommen, nur dass ich zu Jesus Christus gelange“ (An die Kirche der Römer, IV, 1-3).

 

Im Angesicht des Schmerzes

Der Bischof weiß genau, was ihn erwartet. Kein schneller und schmerzloser Tod, sondern unbeschreibliche Qualen. Er sehnt sich danach, für seinen Glauben an Jesus Christus den Tod zu finden. Dies ist für ihn kein sinnloser Tod: „Gottes Weizen bin ich, und durch wilder Tiere Zähne werde ich gemahlen, auf dass ich als reinstes Brot des Christus erfunden werde. Schmeichelt lieber den wilden Tieren, dass sie mir zum Grab werden und nichts von meinem Körper übriglassen, damit ich nicht nach meinem Tode noch jemandem zur Last falle“ (An die Kirche der Römer, IV, 1-3).

Ignatius weiß, welch grausamer Tod ihn unter den wilden Tieren erwarten wird. Das Erstaunliche ist, dass man keine Angst des Bischofs von Antiochien spürt. Er scheint sich auf sein Leiden zu freuen. Er ist voller Freude, das Schicksal seines Herrn Jesus Christus zu teilen, ihm auch auf diesem Weg nachzufolgen. Diese Haltung befremdet heute auch. Sie fordert heraus und provoziert. Umso klarer zeigt diese Haltung aber auch, worum es jedem wahren Märtyrer geht: Nicht das eigene Ansehen, sondern die Ehrfurcht vor Gott, nicht Tod und Leid anderen, sondern seiner selbst – in der tiefen Hoffnung, dieser Tod werde nicht umsonst sein.

Die Kirche feiert den heiligen Ignatius von Antiochien am 17. Oktober.

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