In gute Predigt investieren – Symposium zeigt, wie Amberg Maßstäbe setzte

21.10.2019

Am vergangenen Freitag hat im Kongregationssaal des ehemaligen Jesuitenkollegs in Amberg ein Symposium zum Thema "Pfarrprädikaturen in der Oberpfalz" stattgefunden. "Wir betraten Neuland", sagte Dr. Werner Schrüfer im Vorfeld - ein Symposium hatte der Verein für Regensburger Bistumsgeschichte, dessen zweiter Vorsitzender Domvikar Schrüfer ist, bisher noch nie ausgerichtet. Aber es waren schnell Kooperationspartner zur Hand gewesen, die halfen, das Projekt zu stemmen: der Historische Verein für Oberpfalz und Regensburg, das Staatsarchiv und Stadtarchiv Amberg und die Provinzialbibliothek Amberg.

 

Was ist eine Pfarrprädikatur?

Was war der Anlass des Symposiums? Im Jahr 1369, vor genau 650 Jahren, wurde in Amberg die allererste bezeugte Pfarrprädikatur überhaupt errichtet. Und von Amberg ausgehend, wurden bald vielerorts in der Oberpfalz und im ganzen deutschsprachigen Raum weitere gegründet. Worum es bei der Pfarrprädikatur geht? Um dem auf den Grund zu gehen, muss man einen Sprung in die Vergangenheit machen: In der mittelalterlichen Stadt gab es im 14. Jahrhundert ein breites Seelsorgeangebot. Amberg etwa hatte für ungefähr 3000 Einwohner einen Pfarrer und noch einige weitere Priester, die als sogenannte Benefiziaten Stiftungen der Gläubigen betreuten, in deren Rahmen sie Messen zu lesen hatten. Was es kaum gab, waren Predigten. Zwar waren unter den Ordensleuten gute Prediger, die im Falle der Franziskaner auch übers Land zogen, aber auf eine regelmäßige Predigt konnte man nicht hoffen. Dabei war die Bedeutung einer Predigt groß: Auf einen Großteil der religiösen oder anderweitigen Bildung hatte im Mittelalter nur ein Bruchteil der Bevölkerung Zugriff. Lesen konnten nicht viele und darüber hinaus waren Bücher sehr teuer und damit selten. Und so wird im 14. und 15. Jahrhundert das Bedürfnis der Bevölkerung - vor allem der Bürger - immer stärker, einen Geistlichen für sich zu haben, dessen Hauptaufgabe es ist, zu predigen.

In Amberg errichtet erstmals am Johannestag 1369 Münzmeister Friedrich Alhart eine Pfarrprädikatur, d.h. er investierte Geld in eine Stelle, in der ein Prediger eingestellt wurde, dessen einzige Aufgabe es war, mehrmals in der Woche eine Predigt zu halten. Im Stiftungsbrief von 1369 war "Wohlgelehrtheit" gefordert. Die brauchte ein Prediger auch: Predigten dauerten damals 30 Minuten aufwärts. Für mehrere Vorträge dieser Länge in der Woche war ein gewaltiger Bildungsschatz vonnöten. Deshalb sind die Pfarrprediger meist von Universitäten gekommen.

 

Das Symposium

Die Sehnsucht nach religiöser Bildung hat im Mittelalter Menschen dazu veranlasst, Geld zu investieren. Deshalb ist es erfreulich, dass die Veranstalter anlässlich des 650-jährigen Jubiläums durch das Symposium auf diese mittlerweile vergessene Tradition aufmerksam gemacht haben, in der Amberg eine tragende Rolle gespielt hat. Die Veranstaltung am vergangenen Freitag beleuchtete das Thema der Pfarrprädikatur von allen Seiten. Nach der Begrüßung durch Dr. Josef Ammer und Dr. Thomas Feuerer, erste Vorsitzende des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte beziehungsweise des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, wurde von Dr. Bernhard Lübbers in die Thematik eingeführt und das Pfarrleben im Mittelalter beleuchtet. Daraufhin gab Dr. Susanne Wanninger einen historischen Überblick über die 14 Prädikaturstiftungen in der Oberpfalz. Prof. Fuchs, Alt- und Mittelhistoriker in Würzburg sowie gebürtig aus Straubing, sprach über den spätmittelalterlichen Pfarrprediger und griff zwei Prediger heraus. Dr. Werner Schrüfer beleuchtete die Entwicklung der Amberger Pfarrprädikatur. Mit ihr habe nicht nur "diese wesentliche Äußerung der Pfarrei- und Seelsorgegeschichte" begonnen, sie habe auch mit Amberg ein Ende gefunden:  1965 wurde mit der Pfarrprädikatur in Amberg die letzte Pfarrpredigerstelle eingestellt. Zumeist sind die Stellen schon zur Reformation oder auch noch etwas später zusammengebrochen. Im Anschluss sprach Dr. Markus Lommer über Pfarrpredigerstellen während der Reformationszeit. Als Abschlussvortrag wurde die Thematik durch Dekan Dr. Thomas Vogl aus Waldsassen in die heutige Zeit übertragen. Sein Vortrag lautete "Predigt heute - Erfahrungen eines Oberpfälzer Pfarrers".

Der Ort fürs Symposium, der Kongregationssaal des ehemaligen Jesuitenkollegs, war bewusst gewählt worden. Dort wurde in der Vergangenheit ausgiebig gepredigt.

Auch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer nahm am Symposium teil

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