„Johann, du musst immer eine gute Geschichte parat haben!“ Von einem, der berufen wurde – ein Gespräch mit Diakon Johann Graf

21.01.2020
Einer, der in seinem Beruf aufgeht: Diakon Johann Graf.

Wir treffen Diakon Johann Graf an einem kalten Vormittag im Dezember. In seinem Büro steht eine kleine Kerze auf dem Tisch. Sie brennt aber nicht. Sicherheit geht vor. Dafür aber leuchten die Augen des Mannes, der hier vor uns sitzt und von seinem Beruf als ständiger Diakon erzählt. Er redet mit Begeisterung, lacht und gerät zusehends ins Schwärmen. Da wird uns klar, das Leuchten in den Augen von Johann Graf kommt von Innen und ist immer da. Johann Graf ist nämlich einer, der für eine Sache brennt. Einer, der seine Berufung gefunden hat und in seiner Aufgabe vollkommen aufgeht und glücklich ist. Nun hilft er auch anderen Menschen dabei, ihre Berufung zu finden und ein gelingendes Leben zu führen.

 

"Jeder ist zu etwas berufen, wozu kein anderer berufen ist."

Dieses Zitat des Hl. Kardinal John Henry Newman ist eines der Lieblingszitate von Graf. Denn auch seiner Meinung nach ist jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit auch zu einer ihm einzigartigen Berufung da. Doch was ist Berufung eigentlich, es klingt so sehr nach plötzlichem Großereignis. Kann man sich das auch so vorstellen? Diese Frage verneint Johann Graf. Berufung geschehe heimlich, still und leise. Oft müsse man genau hinhören und sich immer wieder vergewissern. "Auch mir war vorher nicht klar, was meine Berufung ist", erzählt Graf, "nach der Schule erlernte ich erst einmal einen Handwerksberuf." Doch er bemerkte, dass ihm da etwas fehle. Dass er nicht alt werden würde in diesem Beruf. Ihm fehlte die wichtigste Komponente: Die innere Berufung, das, was einen in diesem Beruf zufriedenstellt und glücklich macht. Bevor Graf dann letztlich zu seiner persönlichen Berufung fand und damit zu seinem Beruf, stellte er sich lange und oft die Fragen: "Wofür brenne ich? Was tut mir gut? Welches ist meine verborgene Sehnsucht?" Über den Weg zum Gemeindereferenten fand er schließlich zu seiner Berufung. Er ließ sich zum ständigen Diakon weihen. Jetzt ist er angekommen und sehr glücklich mit dem, was er tut. Und was genau tut so ein Diakon alles? Da leuchtet es wieder in Johann Grafs Augen und er beginnt zu erzählen: "Der Diakon ist Seelsorger, er verkündet das Evangelium und möchte Brücken bauen innerhalb der Gemeinde." Seit dem zweiten Vatikanischen Konzil ist das Amt des Ständigen Diakons für alle Männer offen, die nicht unbedingt zum Priester geweiht werden möchten. Frauen können in der katholischen Kirche zwar weder Diakon noch Priester werden, doch auch ihnen stehen für ihre persönliche Berufung zahlreiche Berufsfelder offen: Gemeindereferentinnen, Kirchenmusikerinnen, Pastoralreferentinnen, Religionslehrerinnen im Kirchendienst und Ordensschwestern - sie alle sind Seelsorgerinnen und ein wichtiges Bindeglied zwischen Kirche und Gesellschaft.

 

Berufungspastoral bietet nicht nur geistliche Begleitung

Das geht auch ohne vorheriges Theologiestudium. "Mittlerweile gibt es so viele Spätberufene", berichtet Diakon Graf, "die auch noch über den zweiten und dritten Bildungsweg zu ihrer wahren Berufung finden." Bei Interesse solle man am besten zunächst auf die Personen vor Ort, den Pfarrer, den Gemeindereferenten, den Religionslehrer, zugehen. "Sie helfen bei der ersten Orientierung und können an uns weitervermitteln. Wir von der Berufungspastoral bieten dann geistliche Begleitung und kompetente und qualifizierte Hilfe bei der Berufsfindung an." Es gibt Infotage für spezielle Berufsgruppen und zahlreiche Schnupperangebote. Ein ganz beliebtes Angebot sei die Vermittlung zu einem Freiwilligen Pfarrpraktikum. Hier können insbesondere junge Leute überprüfen, ob ein geistlicher Beruf zu ihnen passt. Wer sich für die Berufungspastoral interessiert, der muss sich intensiv mit dem gesamten Arbeitsfeld auseinandersetzen und sich die Fragen stellen: Wie schaut der Arbeitsalltag in der Seelsorge aus? Bin ich dazu psychisch auch in der Lage?

 

Krass, die Kirche! Wow!

In jedem Falle aber gilt: Hab keine Angst! Dies ist auch das Motto der Berufungspastoral für 2020. Es soll eine Ermutigung zum Leben für die Kirche sein. Viele Aktionen sind geplant, darunter die alljährliche Berufsfindungsmesse Vocatium, das 24-Stunden-Gebet für geistliche Berufe am 4. Sonntag nach Ostern, regelmäßig stattfindende Wochenenden zur Berufungsfindung. "Die Kirche bietet wahnsinnig tolle Angebote und hat viele Berufe, in denen man sich verwirklichen kann", schwärmt Graf. "Gerade auf den Schülermessen und auf den Berufsinformationsmessen, wo die Kirche all ihre Berufe vorstellt, können zahlreiche Schüler oft ihre Verwunderung nicht verstecken. ,Krass, die Kirche!', höre ich da oft", lacht Graf. Aber dann obsiege die Neugierde und man höre: ,Wow, da überall steckt Kirche drin? Hätte ich nicht gedacht!'. Es wird oft vergessen, dass die Kirche zu den größten Arbeitgebern in Deutschland zählt. Die Abteilung Berufungspastoral biete aber noch mehr, erzählt Graf gegen Ende des Gesprächs. Einerseits natürlich die Beratung, Information, Vernetzung und Begleitung. Auf der anderen Seite bestehe das Netzwerk Gebetsgemeinschaft für Berufe der Kirche. "Mit dieser Gebetsgemeinschaft haben wir etwas ganz Großes", schwärmt Graf. Das gebe es nirgends sonst in Deutschland in dieser Größenordnung. 30.000 Mitglieder sind in dieser Gebetsgemeinschaft allein in der Diözese Regensburg. Sie treffen sich einmal im Monat zum gemeinsamen Gebet für geistliche Berufe. "Das ist etwas sehr Wertvolles und Wichtiges. Mit dem regelmäßigen Gebet wird das Thema Berufung lebendig erhalten und gestützt. Dafür sind wir unendlich dankbar."

Zuletzt fragen wir Johann Graf noch, was sein Geheimnis ist - Warum ist er ein so guter Diakon, so leidenschaftlich bei der Sache und bei den Menschen so beliebt? Erst zögert er ein wenig, doch schließlich blitzt es in seinen Augen schelmisch auf: "Mein Mentor hat immer gesagt: "Johann, egal was ist, egal, womit die Menschen zu dir kommen. Du musst immer eine gute Geschichte parat haben." Das habe er sich zu Herzen genommen.

 

Das Gespräch mit Diakon Johann Graf führten Claudia Bresky und Sophia Szadkowski.

Hier gibt es weitere Informationen zur Berufungspastoral im Bistum Regensburg

Online Welt wieder einblenden

Onlinewelt öffnen
Onlinewelt schließen