Karl Borromäus – Vorreiter für Reformen in der Kirche

04.11.2019

Karl Borromäus wurde 1538 geboren und stammte aus einer adligen und sehr einflussreichen Familie. Schon mit 12 Jahren trat er in den Benediktinerorden ein. Karl studierte die Rechtswissenschaften und war im Alter von nur 21 Jahren bereits Doktor der beiden Rechte – also des weltlichen wie des kirchlichen Rechts. Seine Karriere ging schnell weiter. Als sein Onkel Papst wurde, ernannte er Karl Borromäus zum Geheimsekretär, kurz darauf zum Kardinaldiakon. In seiner Funktion hatte Karl auch auf dem Konzil von Trient eine große Bedeutung. Auf diesem Konzil wurden – auch in Reaktion auf die protestantische Bewegung in Europa – zahlreiche Reformen der Kirche vorbereitet und festgelegt.

 

Der Erzbischof

Die Konzilsväter forderten unter anderem auch die Erstellung eines Katechismus, in dem der Glaube der Kirche zusammengefasst sein sollte. Karl wurde mit dieser Arbeit betraut. Noch war der hochrangige Mitarbeiter des Papstes aber kein Priester. Das änderte sich mit dem Tod seines Bruders. Karl war erschüttert. Lange zweifelte er: Sollte er Priester werden? Oder sollte er sich doch eher der Verwaltung der familiären Güter widmen? Exerzitien nach dem Vorbild des heiligen Ignatius von Loyola brachten die Gewissheit: Karl Borromäus wollte Priester werden, am 17. Juli 1563 empfing er die Priesterweihe. Noch im Dezember desselben Jahres wurde er zum Bischof geweiht. Karl war der neue Erzbischof in Mailand.

 

Der Gesetzgeber

Tatkräftig machte er sich ans Werk und zeigte sich als reformfreudiger Erzbischof. Die Vorgaben des tridentinischen Konzils mussten umgesetzt werden. Viele Vorgaben waren eher allgemein gehalten und bedurften einer konkreten Umsetzung in den einzelnen Bistümern. Karl Borromäus hielt Diözesansynoden ab, wie es das Konzil vorgesehen hatte und betätigte sich als fleißiger Gesetzgeber, der in vielen Dokumenten die beschlossenen Kirchenreformen umsetzte. Die „Kirchenakten“ – eine Sammlung seiner gesetzgeberischen Tätigkeit – erfreuten sich großer Beliebtheit, wurden immer wieder nachgedruckt, veröffentlicht und kamen als Vorbild auch in anderen Diözesen zur Anwendung.

 

Der Seelsorger

Das Konzil hatte auch im Blick auf das Leben der Bischöfe viele Reformen beschlossen. Eine davon war die sogenannte Residenzpflicht: Die Bischöfe sollten von nun an auch wirklich in ihrer Diözese wohnen, nicht anderswo. Und tatsächlich: Karl zog nach seiner Ernennung zum Erzbischof direkt nach Mailand und residierte dort – einige seiner Vorgänger hatten das nicht getan. Im Sinne des Konzils bemühte sich Karl Borromäus intensiv um die Seelsorge. Er besuchte im Rahmen von Pastoralvisitationen immer wieder seine Pfarreien und Klöster. Karl erwies sich als begnadeter Prediger, der zu vielen Gelegenheiten immer wieder das Wort ergriff. Das war zur damaligen Zeit durchaus etwas ungewöhnlich. Als er in Rom in seiner Kardinalskirche und in Santa Maria Maggiore predigte, waren die Gläubigen mehr als verwundert.

 

Der Gründer von Priesterseminaren

Auch die Einrichtung von Priesterseminaren war Karl Borromäus ein besonderes Anliegen – und auch dies eine Forderung des Konzils von Trient, das vielerorts jedoch nur sehr schleppend umgesetzt wurde. Karl indes richtete mehrere Priesterseminare ein. Er war davon überzeugt, dass seine Kleriker eine gute theoretische Bildung bräuchten – und erstellte den Lehrplan gleich selbst. Von Cicero bis Ambrosius sollten die Priesteramtskandidaten wichtige Werke der Literatur lesen. Gleichzeitig sollte ihre praktische Ausbildung aber nicht zu kurz kommen. Sie mussten Predigtseminare besuchen und bekamen Gesangsunterricht.

 

Der Pestheilige

Als 1576 die Pest in Mailand ausbrach, war Karl nicht zu bremsen. Er kümmerte sich persönlich um die Kranken, vor Ansteckungen geschützt nur durch einen in Essig getränkten Schwamm. Die Verpflegung der Kranken war ihm wichtig, er besorgte und verteilte selbst Medikamente, Nahrungsmittel und Kleidung. Gleichzeitig wollte er sich aber auch um die geistliche Gesundheit der Kranken kümmern und sorgte dafür, dass vielerorts Messen gefeiert wurden. Als der Erzbischof von Mailand 1584 starb, verehrten ihn die Gläubigen bereits als Heiligen. Sie verehrten den gebildeten und reformfreudigen Bischof als eifrigen Seelsorger und begnadeten Prediger.

Die Kirche feiert den heiligen Karl Borromäus am 4. November.

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