Kinder bauen Brücken

17.06.2005
Generalvikar Dr. Wilhelm Gegenfurtner bedankte sich bei der Organisatorin Bernadette Dechant

Einen rundum gelungenen Abend erlebten die Zuhörer am 10. Juni im Regensburger Kolpingsaal. Kinder verschiedener Schulen in und um Regensburg musizierten vor vollem Haus - „Für junge Menschen! Stiftung Kirchliche Kinder- und Jugendhilfe“. Die Begeisterung schlug in bare Münze um: Bernadette Dechant, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands und Leiterin des Organisationsteams, konnte 2.111 Euro für den guten Zweck übergeben.
Bei aller Euphorie, mit derartigem Zulauf hatte wohl niemand gerechnet. Schon lange vor Beginn waren alle Plätze im Veranstaltungssaal des Kolpinghauses besetzt, auf die Schnelle wurden Stühle herbeigeschafft, neue Reihen gebaut: Kinder, Eltern, Verwandte, Freunde, Musikinteressierte, Ehrengäste – alle waren sie aus einem Grund zum Benefizkonzert des Bayerischen Elternverbandes gekommen, als Förderer von wirklich Wichtigem. „Unsere Kinder zu unterstützen, das ist wichtig, und nicht irgendwelche Kabinettsbeschlüsse über Waschanlagen“, fasste Generalvikar Dr. Wilhelm Gegenfurtner das Anliegen des Abends unter dem Motto „Kinder bauen Brücken“ zusammen.

Seit einem Jahr gibt es die Stiftung bereits, ein Weg, auf dem die Katholische Jugendfürsorge in Zeiten immer knapper werdender öffentlicher Mittel versuchen will, in Zukunft nicht nur Gleiches zu leisten, sondern sogar mehr zu machen, wie Michael Eibl, der Sprecher der KJF sagte. Neue Sprach-PCs, therapeutische Mittel und Haussanierungen seien die dringlichsten Einsatzmöglichkeiten.
Und wozu Kinder und Jugendliche bei entsprechender Förderung imstande sind, das zeigte das Konzertprogramm des Abends in eindrucksvoller Weise. Den Auftakt machte der Schülerchor der Bischof-Wittmann-Schule zusammen mit den Mini-Max aus Hemau. „Jeder weiß, dass wir zusammenstehen“, sangen sie gemeinsam im „Menschenbrückenlied“, wechselten dann mit „My bonnie is over the ocean“ ins Englische. Die Mini-Max unter der Leitung von Claudia Zellner gaben anschließend noch weitere Kostproben ihres Könnens, erzählten musikalisch von einer „Spaghetti Schlacht“ und schwangen beim „Zahnbürstl-Boogie-Woogie“ Zahnpastatuben, Bürsten und Gebisse über ihren Köpfen.
Mit heimatlichen Klängen erfüllte die musiktherapeutische Gruppe der Musikschule Neutraubling den Saal. Auf Veeh-Harfen gelang den vier jungen Musikern bei alpenländischer Volksmusik sogar eine Premiere, zum ersten Mal spielten alle im gleichen Rhythmus. Dr. Waltraud Lorenz, der Leiterin der Gruppe, lag dabei vor allem eine Aussage am Herzen: Aktives Musizieren erhöht die Lebensqualität und ist auch für Menschen mit Behinderung möglich.
Auch traumatisierte Kinder werden durch Therapeuten und Heilpädagogen der Jugendfürsorge betreut, sollen einen „sicheren Ort und Hilfestellung“ bekommen. In Einzeltherapie an der Bischof-Wittmann-Schule hatten sie mit ihrer Therapeutin Stubenrauch die Dekoration des Saals in Form eines riesigen bunten Mobiles erstellt.
Anschließend gehörte die Bühne wieder einem Kooperationsprojekt. Zur Musik des Sinfonieorchesters der Regensburger Domspatzen zeigte die Tanzgruppe der Bischof-Wittmann-Schule Passagen aus „Peter und der Wolf“ – ein „fulminanter Auftritt“, wie die Moderatorin des Abends, Stefanie Birnthaler, urteilte, und ein großer Erfolg für das Duo Berlinger/Schödl, die den Auftritt der Gruppe auf die Beine gestellt hatten.
Dann übernahmen die „Fire-Birds“, die Band des Pater-Rupert-Mayer-Zentrums, das Kommando im Saal: Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboard und Percussioninstrumente. „Mir san einfach a rockige Band“, stellten sie sich zur Musik von Bruce Springsteens „Born in the USA“ selbst vor. Weitere Lieder von den Cranberries und Carlos Santana folgten und das Publikum konnte sich nicht mehr halten. Erst nach einer Zugabe durften die Bandmitglieder um Sänger Armin die Bühne verlassen.
Schwierige Rhythmen im Kanon geklatscht und gestampft zeigte die Rhythmusgruppe der Regensburger Hermann-Höcherl-Schule, bevor das Kammerorchester der Regensburger Domspatzen die Zuhörer mit zwei Tangos nach Südamerika entführte.
Schlusspunkt bildeten wiederum die Chöre aus Hemau. Zuerst boten die „Young Voices“ einen Jazzkanon dar, schlugen dann mit einem Stück des früheren Leiters der Regensburger Kirchenmusikschule Schmid die Brücke zu geistlicher Musik. Abschließend wurden sie von den Mini-Max unterstützt und luden das Publikum ein, in den Refrain des Schlussliedes „Jedes Kind braucht einen Engel“ einzustimmen.
Für die Veranstalter war es im Sinne der Stiftung ein gelungener Abend. Das Konzert zeigte deutlich, wie unkompliziert der Umgang und das Miteinander von Menschen verschiedenen Aussehens und Verhaltens sein kann und sein sollte. Insgesamt konnten 2.111 Euro für die Stiftung gesammelt werden. Bernadette Dechant vom Bayerischen Elternverband und Leiterin des Organisationsteams ist zufrieden: „Mit Veranstaltungen wie dieser wird es in der Welt vielleicht wieder ein bisschen wärmer.“

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