Klare Ablehnung der Pro-Sterbehilfe-Äußerungen aus dem evangelischen Bereich

13.01.2021
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Pressesprecher Clemens Neck hat wichtige Aussagen zum Thema der aktiven Sterbehilfe zusammengestellt, die Stellungnahmen von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum Thema haben. Nach Pro-Sterbehilfe-Äußerungen protestantischer Leitungspersönlichkeiten in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte es einen energischen Widerspruch der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gegeben.

Wird Sterben Pflicht? – Bischof Voderholzer zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts über „selbstbestimmtes Sterben“.

Bischof Rudolf Voderholzer zur Debatte um die aktive Sterbehilfe und den begleiteten Suizid

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum Beschluss des Bundestages zum Thema Sterbehilfe vom 6. November 2015

Bischof Stefan Oster SDB: Anna Schäffer – Oder: Über den Sinn von Leiden


Kath.net hat des Weiteren verschiedene Diözesen, die Caritas und die Evangelische Kirche in Deutschland um Stellungnahme zu der evangelischen Pro-Sterbehilfe-„Idee“ gebeten.

Der Caritasverband schickte die Pressemeldung mit der Stellungnahme des Caritas-Präsidenten Peter Neher zu: „In katholischen Einrichtungen kann es kein solches Angebot geben.“ Die Pressemeldung im Wortlaut: „Reaktion auf Gastbeitrag zum Assistierten Suizid in der FAZ vom 11.01.2021 – Wie können Einrichtungen und Dienste der konfessionellen Wohlfahrtspflege mit dem Wunsch nach assistiertem Suizid umgehen? In ihrem heutigen Gastbeitrag unternehmen mehrere evangelische Amtsträger, unter anderem Diakonie-Präsident Ulrich Lilie, einen Antwortversuch in dieser Frage. Demnach erscheine es denkbar, so ist dort zu lesen, „abgesicherte Möglichkeiten eines assistierten Suizids in den eigenen Häusern anzubieten“.
So treffend die Analyse zu den Implikationen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts, gerade aus christlicher Perspektive, in vielen Punkten ist: In katholischen Einrichtungen kann es kein solches Angebot geben. Die Aufgabe der Einrichtungen kann nicht darin bestehen, möglicherweise den Suizid von Bewohnern zu organisieren. Sie besteht darin, Menschen zu begleiten und Alternativen zu eröffnen. Wer aus Verzweiflung, Mangel an Perspektiven oder wegen großer Schmerzen den Willen äußert zu sterben, wird nicht allein gelassen. Aus caritativer Perspektive muss es darum gehen, Menschen in allen Lebenssituationen zur Seite zu stehen. Hierzu gehört es auch, die Selbstbestimmung von Bewohnerinnen und Bewohnern zu akzeptieren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen und Dienste der Caritas, die sich aus ihrem christlichen Selbstverständnis heraus dem Schutz des Lebens verpflichten, können aber unmöglich selbst einen aktiven Part im (Selbst)tötungsprozess übernehmen.
Ich bemängele zudem, dass der FAZ-Gastbeitrag ausschließlich Einrichtungen der Altenhilfe in den Blick nimmt. Die Situationen, die sich dort abspielen, sind für viele Leserinnen und Leser möglicherweise gut nachvollziehbar. Das BVfG-Urteil beschränkt sich aber längst nicht auf den Suizidwunsch betagter Menschen. Auch in vielen anderen Lebenssituationen kann der Tod der einzige Ausweg erscheinen. Das heißt, nicht nur für Pflegeheime, auch für andere Einrichtungen stellen sich diese Fragen. Was ist beispielsweise mit Menschen, die (offenkundig) in ihrem freien Willen eingeschränkt sind und nach einem assistierten Suizid verlangen? Aus meiner christlichen Grundüberzeugung heraus ist es unvorstellbar, dass zum Beispiel Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Dienste der ambulanten Pflege oder der Sozialpsychiatrie assistierten Suizid anbieten.“

Bistum Aachen: Pressereferentin Anja Klingbeil: „Der Stellungnahme der DBK schließen sich das Bistum Aachen und Bischof Dr. Helmut Dieser an.“

Erzbistum Bamberg: Pressesprecher: Harry Luck: „Erzbischof Schick hat sich in der Vergangenheit deutlich zum Thema Sterbehilfe geäußert, die Aussagen bleiben unverändert gültig so wie in der angehängten Mitteilung.“ – Angehängt war folgende Pressemitteilung: „Ludwig Schick: „Das menschliche Leben ist unantastbar – auch das eigene“ - Bamberger Erzbischof zur Debatte um Sterbehilfe: „Auch die Assistenz beim Suizid ist Entscheidung über wertes und unwertes Leben“

Erzbistum Berlin: Pressesprecher Stefan Förner: „Wie Sie ja bereits selbst erwähnt haben, hat sich die Deutsche Bischofskonferenz bereits geäußert: https://www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/stellungnahme-zum-faz-beitrag-vom-11-januar-2021 Dem ist nichts hinzuzufügen.“

Bistum Dresden-Meißen: Pressesprecher Michael Baudisch: „Zu Ihrer Frage: Bischof Timmerevers unterstützt die Position der DBK in dieser Frage.“

Erzbistum Freiburg: Pressesprecher Michael Kasiske: „Herzlichen Dank für Ihre Anfrage zum ‚Assistierten Suizid‘. Von Seiten des Erzbistums Freiburg gibt es zur sehr guten Stellungnahme von Herr Kopp keine Ergänzungen. Übrigens hat das Erzbistum Freiburg das Palliative Care Forum ins Leben gerufen. Die Initiative widmet sich den Fragen um das Lebensende und tritt für eine Kultur der hospizlichen und palliativen Sorge ein.“

Bistum Görlitz: Bischof Wolfgang Ipolt: „Eine Beihilfe zum Suizid ist deshalb aus unserer Sicht keine Aufgabe eines Seelsorgers oder gar einer kirchlichen Einrichtung, wie es kürzlich einige evangelische Theologen vorgeschlagen haben.“  „Ein kirchliches Hospiz oder Pflegeheim sollte sich dadurch auszeichnen, dass hier die Würde des Menschen bis zu seinem natürlichen Tod geachtet wird. Ich wünsche mir sehr, dass wir in ökumenischer Gemeinsamkeit als Christen ein Zeugnis für den Schutz des menschlichen Lebens von seiner Zeugung bis zum Tod in unserer Gesellschaft geben.“

Erzbistum Köln: Pressereferentin Nele Harbeke: „Vielen Dank für Ihre Anfrage! Zu diesem Thema verweisen wir gerne auf die von Ihnen angesprochene Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz: www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/stellungnahme-zum-faz-beitrag-vom-11-januar-2021. Die Position des Erzbistums Köln deckt sich mit dieser Bewertung.“

Bistum Mainz: Pressesprecher Tobias Blum: „Die katholische Position in dieser Frage ist eindeutig und klar und über die Deutsche Bischofskonferenz ist diese Position, die auch die des Bistums Mainz ist, gerade noch einmal betont worden. Antwort auf die Thematisierung eines Suizidwunsches kann aus katholischer Sicht nicht eine Hilfestellung zum Suizid sein, sondern notwendig ist Unterstützung bei der Entwicklung von Lebensperspektiven für Menschen mit diesem Wunsch.“

Erzbistum München und Freising: Leiter der Pressestelle Dr. Christoph Kappes: Kardinal Reinhard Marx spricht sich immer wieder für den Schutz des Lebens aus, zuletzt etwa auch in seiner Silvesterpredigt, wo er betonte „wie wichtig der Schutz des Lebens als Aufgabe für alle Menschen ist“. Sicherlich ist Ihnen auch aus der Vergangenheit die Position von Kardinal Marx in der Frage der Sterbehilfe bekannt (vgl. etwa hier: https://www.erzbistum-muenchen.de/news/bistum/In-Wuerde-sterben-an-der-Hand-von-Menschen-nicht-durch-die-Hand-von-Menschen-28600.news).

Bistum Passau: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Der Pressesprecher der DBK hat Ihnen von Seiten der Bischofskonferenz bereits eine Stellungnahme zukommen lassen. Zum Thema Sterbehilfe hat sich Bischof Dr. Stefan Oster SDB bereits im Februar ausführlich zu Wort gemeldet. Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.bistum-passau.de/artikel/reaktion-auf-sterbehilfe-urteil

Diözese Rottenburg-Stuttgart: Pressesprecherin Eva Wiedemann: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Die DBK hat Ihnen diese ja bereits beantwortet; auf diese Antwort verweisen wir dementsprechend auch.“

Bistum Speyer: Pressesprecher Markus Herr: „Das Bistum Speyer teilt die Position, die Herr Kopp für die Deutsche Bischofskonferenz artikuliert hat.“

Bistum Trier: Pressesprecherin Judith Rupp: „Danke für Ihre Mail und die Anfrage. Ich schließe mich für das Bistum Trier der Stellungnahme von Herrn Kopp von der DBK an.“

Diözese Würzburg: Pressesprecher Bernhard Schweßinger: „Zu Ihrer Anfrage verweise ich auf die Stellungnahme der DBK. Sie finden diese unter https://www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/stellungnahme-zum-faz-beitrag-vom-11-januar-2021

Evangelische Kirche in Deutschland (EKD): Ein ungenannt bleibender Sprecher antwortete auf die Anfrage: „Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) setzt sich für den Schutz des Lebens ein und steht dabei auch an der Seite derer, die aufgrund von Erkrankung oder einer anderen Notsituation keinen anderen Ausweg als die Selbsttötung sehen. Jede organisierte Hilfe zum Suizid, die dazu beiträgt, dass die Selbsttötung zur Option neben anderen wird, lehnt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hingegen ausdrücklich ab. Das hat die EKD in ihren Stellungnahmen, die der Rat der EKD zuletzt noch einmal ausdrücklich bekräftigt hat, immer wieder deutlich gemacht. Dass Menschen nur noch die Möglichkeit des Suizids sehen, ist immer eine tragische Grenzsituation, die die EKD und ihre Diakonie durch die Bereitstellung palliativer Versorgung, Seelsorge, Beratung und die Arbeit der Hospize zu verhindern versuchen. Die EKD hält den gesellschaftlichen Diskurs über den Umgang mit Leid und Tod für notwendig. Zu diesem Diskurs können auch evangelische Stimmen beitragen, die von der klaren Position des Rates der EKD abweichen.“

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