Klare Worte: Über die Botschaft der sakralen Musik hinaus hatte Dr. Ratzinger etwas zu sagen

01.07.2020

Georg Ratzinger in seinem Buch „Mein Bruder, der Papst“, (mit Michael Hesemann):

 

über seine Mutter:

„Ihre Wärme und Herzlichkeit glich in unserer Kindheit immer wieder die Strenge des Vaters aus. Sie war stets fröhlich und zu allen freundlich und pflegte beim Geschirrspülen Marienlieder zu singen. Vor allem aber war sie auch eine sehr praktische, patente Frau, die sich in allem helfen konnte, eine richtige Alleskönnerin: Sie schneiderte, machte Seife und verstand es, auch aus den einfachsten Zutaten ein wohlschmeckendes Mahl zu bereiten. Besonders verstand sie sich, wie gesagt, auf köstliche Mehlspeisen, die noch heute zu den Lieblingsspeisen meines Bruders und mir gehören. Ihre bayerischen Dampfnudeln, die unten eine dicke Kruste hatten, waren wunderbar. Dazu gab es Vanillesoße. Geliebt haben wir auch ihren Apfelstrudel.“

 

über seinen Vater und dessen Bewertung von Hitler:

„Für unseren Vater war Hitler der Antichrist, auch wenn er diesen Begriff zumindest in meiner Gegenwart vielleicht nicht direkt benutzte. So haben seine ersten Triumphe bei ihm eine gewisse Verlegenheit ausgelöst, denn damit hatte er nicht gerechnet. Und es war, als wären seine schlimmsten Befürchtungen wahr geworden: Dass erst Polen in nur wenigen Wochen erobert wurde und im Frühjahr darauf auch noch Frankreich, auf das unser Vater so große Stücke gehalten hat – das konnte er einfach nicht glauben. Dabei hatte Frankreich doch nach dem Ersten Weltkrieg die Maginot-Linie angelegt, die als sehr raffinierte und uneinnehmbare Verteidigungsanlage galt, und fühlte sich schon deshalb vor den Deutschen sicher. Doch Hitler, der keine Skrupel kannte, umging sie, indem er über das friedliche und neutrale Belgien einmarschierte. Wir mussten also fürchten, dass Hitler den Krieg gewinnen könnte, was natürlich nicht sein durfte und deshalb einfach nicht denkbar war.“

 

über seine Kompositionsbegabung:

„Einmal, 1936, ich war bereits auf dem Gymnasium, habe ich selbst eine kleine Komposition zu Weihnachten geschrieben. Die haben wir dann zu dritt vorgespielt, meine Schwester am Harmonium, mein Bruder am Klavier und ich mit der Geige. Die Mutter war zu Tränen gerührt, und auch der Vater, obwohl etwas nüchterner veranlagt, war beeindruckt. Fortan habe ich ein paar Jahre lang regelmäßig etwas zu Weihnachten komponiert.“

 

über Familienleben und Glauben:

„Ich bin überzeugt, dass das Fehlen dieser traditionellen Frömmigkeit in vielen Familien auch ein Grund dafür ist, weshalb es heute zu wenig Priesternachwuchs gibt. Viele Menschen praktizieren in unserer Zeit eher eine Form des Atheismus als den christlichen Glauben. Sie mögen irgendwo eine Art Rest-Religiosität pflegen, sie gehen vielleicht noch zu den großen Kirchenfeste in die hl. Messe, aber dieser rudimentäre Glauben durchdringt längst nicht mehr ihr Leben, er kommt in ihrem Alltag nicht zum Tragen. Das fängt damit an, dass sie zu Tisch gehen und mit dem Essen anfangen, ohne auch nur an ein Gebet zu denken, und hört damit auf, dass sie sonntags nicht mehr regelmäßig zur Kirche kommen. So hat sich eine fast schon heidnische Lebensweise eingebürgert. Wenn schon in der Familie kein religiöses Leben praktiziert wird, dann wirkt sich das auf das gesamte restliche Menschenleben aus. Ich spreche oft mit Priesterbrüdern und bei fast allen hat es so ausgeschaut, dass in der Familie regelmäßig gebetet wurde und man gemeinsam den Gottesdienst besuchte. Das hat dann ihr ganzes Leben geprägt und auf Gott ausgerichtet. So fiel ihre Berufung bereits auf einen fruchtbaren Grund.“

 

über seine Priesterberufung:

„Ich kann nicht mehr genau sagen, wann für mich die Berufung zum Priesteramt erfolgte, denn eigentlich war mir immer schon klar gewesen, dass hier meine Bestimmung lag. Schon als ich Ministrant war und am Altar diente, wusste ich, dass dort mein Platz sein würde: Jetzt war ich Ministrant, doch später dürfte ich selbst an der Stelle des Priesters stehen. Daran hatte ich nie einen Zweifel, das alles ergab sich mit einer geradezu organischen Natürlichkeit. Ich habe nie wirklich darüber reflektieren müssen, so sicher war ich mir in meiner Berufung.“

 

über sein Leben als Priester:

„Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie mein Leben anders hätte verlaufen können. Von Kindheit an war das praktisch mein Ziel, das ich nie aus den Augen verlor. Und das gilt auch für meinen Bruder: Auch wenn das Eine oder Andere anders verlief, als wir es planten, war die Richtung doch von Anfang an klar. So sind wir beide diesen Weg mit allen Konsequenzen gegangen und so kann ich heute nur sagen: Ich bin dem lieben Gott von Herzen dankbar, dass er mir die Kraft dazu gegeben hat, diesen Weg ohne jedes „wenn“ und „aber“ durchzuziehen. Man spürt einfach die Führung und die Fügung. Für jeden Menschen hält das Leben gewisse Schwierigkeiten parat, doch wenn man ein so schönes und erfüllendes Ziel hat, wenn man die Nähe des Herrn spürt und den Weg hin zu ihm so geradlinig verfolgen kann, dann kann man nur von ganzem Herzen ausrufen: Deo gratias! (Dank sei Gott!)“

 

über seine schönsten Momente im Priesterleben:

„Das ist eigentlich schwer zu sagen. Ich habe meine Tätigkeit im musikalischen Bereich immer auch als Seelsorge verstanden, denn wir wollten mit allem, was wir gesungen haben, selbst wenn es keine liturgischen Gesänge waren, den Menschen etwas von der Größe Gottes vermitteln. Auch die weltlichen Stücke, die uns nicht von Gott wegführen, vermitteln uns etwas von der Herrlichkeit seiner Schöpfung. Aber wenn Sie nach den schönsten Momenten meines Priesterlebens fragen, dann muss ich antworten: Das war immer ein feierlicher Gottesdienst, bei dem wir mithelfen konnten, ihn durch herrliche Musik zu gestalten, in einem schönen Kirchenraum, in der anbetenden Menge, wenn die Leute andachtsvoll sind und eine Stille herrscht, die nicht künstlich geschaffen, nicht herbeikommandiert ist, sondern ganz von selbst kommt, aus eben dieser Andacht heraus. Ein Gottesdienst aber auch, in dem die menschlichen Sinne erfüllt sind: das Auge, das Ohr und dann auch der Geruchssinn durch den Weihrauch, der auch einen wichtigen Beitrag leistet. Das sind doch Glücksmomente, die man in dieser Form und Intensität bei einem weltlichen Konzert nicht hat, auch wenn es noch so schön gelingt! Diese Begeisterung, diese Erfülltheit und dieses Getragensein bei einer feierlichen Heiligen Messe kommt doch von irgendwo anders her, davon bin ich überzeugt!“

 

über seine Wirkung auf den Bruder:

„Ich weiß nicht, ob ich damit meinem Bruder auf gewisse Weise ein Vorbild war. Zumindest sah er an mir, wie das Leben ablaufen konnte, als er sich selbst dazu entschlossen hat, mir auf diesem Weg zu folgen. Wir haben nie direkt darüber gesprochen, doch ich kann mir gut vorstellen, dass ihn das vielleicht zumindest ein wenig ermutigt oder in seinem Entschluss bestätigt hat. Natürlich hat uns auch der antichristliche Zeitgeist darin bestärkt, „jetzt erst recht!“ diesen Weg mit allen Konsequenzen einzuschlagen und unserer Berufung, koste es, was es wolle, treu zu bleiben.“

 

über das Verhältnis zum Bruder nach dem plötzlichen Tod der Schwester 1991:

„Ich weiß nicht, ob dieser Schicksalsschlag uns Brüder noch enger zusammen schweißte, ob er unser gutes Verhältnis noch vertiefte oder nicht. Jedenfalls wussten wir, dass wir von nun an nur noch uns beide hatten; unsere Familie war wieder um eines ihrer Mitglieder kleiner geworden.“


über seinen Start in Regensburg:

„Für mich waren die ersten Jahre in Regensburg ziemlich schwer. Damals waren noch die beiden Neffen meines Vorgängers im Haus der Domspatzen aktiv. Einer der beiden, Hans Schrems, hatte seinen Onkel lange vertreten und in der letzten Zeit, als dieser krank war, auch den Hauptchor geleitet. Der andere, Fritz Schrems, war für die Finanzen zuständig. Die beiden vermittelten mir das Gefühl, ich sei irgendwie unwillkommen, wie ein fünftes Rad am Wagen. Es hat einige Jahre gedauert, bis sich das geändert hat.“

 

über seine langsame Annäherung an die Neue Liturgie:

„Ich tue mich ein wenig schwer, völlig neue Erkenntnisse zu realisieren und zu praktizieren. Unser damaliger Bischof, Rudolf Graber (1903–1992), war sehr verständnisvoll und mit ihm das ganze Domkapitel. Wir haben weitestgehend noch die alte Liturgie gepflegt. Mein Vorgänger hat die Regensburger Tradition, die es vorher schon gab, noch mehr zu Bewusstsein gebracht, sodass man es als eine Verpflichtung ansah, sie weiter zu pflegen und so zu singen, wie man es immer getan hatte, auch wenn es ringsherum längst anders geworden war. Doch wertvolle Dinge, die einmal als wichtig und gut empfunden wurden, soll man auch nicht so ohne Weiteres wegschenken. So wurde uns nicht nur erlaubt, es wurde geradezu als Verpflichtung empfunden, das Alte weiterhin zu pflegen. Erst stufenweise sind neue Elemente hinzugekommen. Das war dann kein schmerzlicher Umbruch, sondern eine allmähliche und irgendwie organische Entwicklung über die Jahre hinweg, um die doch ein bisserl starre Liturgie von damals immer mehr aufzulockern.“

 

über Musik als das subtilere Gebet:

„Das Gebet des Menschen, sei es das laute Gebet, das gemeinsame Gebet oder auch das stille, private Gebet, hat doch irgendwo seine Grenzen. Das gesungene und musizierte Gotteslob dagegen packt ihn ganzheitlich, nicht bloß in der Person, so wie er da ist. Es verleiht ihm noch eine ganz neue Dimension, was das gesprochene, gedachte oder meditierte Gebet in dem Maß nicht erreichen kann.“

 

über Musik als ein Weg zu Gott:

„Sie kann auch ein Weg von ihm weg sein, wenn man zum Beispiel an die Marschlieder der Hitlerzeit denkt oder auch an Produkte der weltlichen Unterhaltungsindustrie, die nur die menschliche Leidenschaft schüren. Musik kann auch ein Instrument des Teufels sein, aber sie ist auch ein Instrument Gottes.“

______________________________________________________________________

 

Ehemalige Schüler und Weggefährten über Georg Ratzinger:

„Ich kenne Georg Ratzinger seit meinem 10. Lebensjahr. Flapsig wurde er von allen Schülern allgemein als der „Scheef“ bezeichnet, wobei das „ee“ sehr niederbayrisch lang ausgesprochen wurde. Obwohl ich alles andere als ein folgsamer Schüler war und Gehorsam bei mir keine angeborene Tugend war, haben seine liebende Hinwendung, seine Herzlichkeit und sein Großmut, mir meine Streiche und meinen Ungehorsam immer zu verzeihen, mich sehr geprägt. Er sah nämlich in seinen Schülern nicht Nummern von Chorknaben, sondern jeweils den einzelnen Menschen mit seinen Talenten und Hoffnungen, wie Fehlern und Nöten, die jeder Mensch hat aber besonders der Domspatz mit Mathematik, Latein und Griechisch. Ja er litt diese Nöte bei jedem einzelnen mit.

War er im Eifer seines künstlerischen Schaffens als Dirigent aufbrausend, so suchte er sofort im Anschluss Verzeihung und Vergebung bei den einzelnen Betroffenen und entschuldigte sich. In dieser Weise lehrte er mich die benediktinischen Tugenden, Demut und Gehorsam, oder besser die Fähigkeit den Wert dieser Tugenden für mein eigenes Leben zu erkennen. So wurde er mir auch über die Schule hinaus bis heute ein väterlicher Freund und herzliebender Begleiter meines Lebens, mit dem ich unendlich schöne, tiefgründige, wie humorvolle Stunden des Gesprächs verbringen durfte.“

Martin Ulrich Maria Schmack

 

 

„Georg Ratzinger war ein begnadeter Musiker, der den Chorklang der Domspatzen nach seinem Ideal formte: schwebende Leichtigkeit des kernigen Sopran-Edelmetalls, satte Rundheit des leicht dunkel gefärbten Alts, seidig-feiner Tenor-Glanz und sonore unaufdringliche Bass-Präsenz, das alles bei einer süddeutschen Vokalisation. Neben der altklassischen Vokalpolyphonie Palestrinas oder Lassos lag ihm die romantische Chormusik besonders am Herzen, bei der er "seinen" Domspatzen ein zum Weinen inniges Pianissimo entlocken konnte. Bei den Proben war der "Scheef" (mit extra langem e) unerbittlich und konnte laut poltern. Kaum hatte er den Chorsaal 800 verlassen, war er aber die Güte in Person. Schade nur, dass das Musikgenie Georg Ratzinger nicht wahrhaben wollte, dass seelische wie körperliche Gewalt und leider auch sexueller Missbrauch bei den Domspatzen geduldet wurden. Der Seelsorger in ihm hätte es abstellen müssen.“

Paul Winterer, Domspatz von 1963 bis 1973, Chorpräfekt von 1974 bis 1977 und Autor mehrerer Publikationen über die Domspatzen

 

 

„Mit Domkapellmeister Georg Ratzinger hat sich eine Persönlichkeit von dieser Welt verabschiedet, die den Werdegang tausender Domspatzen geprägt hat. Mir wird sein musikantischer Instinkt und seine tiefe Hingabe für das Göttliche und Menschliche in Erinnerung bleiben. Seine erstaunliche Fähigkeit, sich an jeden einzelnen Domspatzen auch nach Jahrzehnten zu erinnern, ist mir noch heute unerklärlich. Georg Ratzingers Epoche war geprägt von sich laufend verändernden pädagogischen Konzepten. In diesen Zeiten ist er authentisch und menschlich geblieben. Für viele Domspatzen wird der „Cheef“ der immerwährende Domkapellmeister bleiben.“

Thomas Bauer

 

 

Als 10-jähriger Junge, der gerade erst seine Eltern durch einen Verkehrsunfall verloren hatte, sang ich damals bei Georg Ratzinger vor. Er gab mir sofort das Gefühl, bei den Domspatzen eine Heimat finden zu können. Die sind sie für mich bis heute geblieben. Der Domkapellmeister wusste zu fordern, aber auch zu fördern. In den Chorproben fokussierte er sich wie kein anderer darauf, den Chor zu Höchstleistungen zu bringen. Der weiche, ausgewogene und fast romantische „Ratzinger-Sound“ ist bis heute Vielen in der Chor- und Musikszene ein Begriff. Außerhalb von Proben und Konzerten war er der liebevolle, fast großväterliche Domkapellmeister. Seine Fähigkeit, sich bis ins hohe Alter an jeden seinen Sänger zu erinnern, ist einmalig. Nach einem Konzert auf unserer Romreise im Jahr 1985 sprach Josef Ratzinger seinen Bruder Georg einmal auf mich an: „Warum lässt Du denn den blonden Jungen, der so engagiert singt, nicht solistisch singen?“ Kurze Zeit später durfte ich noch einige Monate bis zum Stimmbruch als Knabensolist auftreten. Seither sind Singen und Musik für mich zu einer noch größeren Freude und zu einem wichtigen Lebensinhalt geworden. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Marcus Weigl, Domspatz von 1982-1991

 

 

„Was willst du denn einmal werden?", fragte Domkapellmeister Georg Ratzinger mich, den elfjährigen Chorknaben. „Dasselbe wie Sie", erwiderte ich. „Oh, da musst du dich aber beeilen", antwortete er spontan. Und tatsächlich: ohne ihn wäre ich nicht das, was ich heute bin. Als sein Nach-Nachfolger darf ich nun wirklich das tun, was er dreißig Jahre lang mit unglaublicher und nicht nachlassender Energie und Disziplin tat: diesen wunderbaren Knabenchor auf bestmöglichem Niveau zu leiten und in die Zukunft zu führen. Seine unvergleichliche Hingabe an die Kirchenmusik, der er sich mit Leib und Seele verschrieben hatte, sein Klangsinn, seine beständige Sorge für die Institution „Regensburger Domspatzen" und seine Bescheidenheit bei allem Erfolg sind mir Ansporn und Vorbild.“

Christian Heiß, Domkapellmeister, Domspatz von 1977-1986

 

 

„Seine unvergleichliche Hingabe an die Kirchenmusik, der er sich mit Leib und Seele verschrieben hatte, sein Klangsinn, seine beständige Sorge für die Institution „Regensburger Domspatzen" und seine Bescheidenheit bei allem Erfolg sind mir Ansporn und Vorbild. Mein letzter Besuch bei ihm vor wenigen Tagen am Krankenbett bleibt mir unvergessen. “Das bist jetzt du und nicht mehr ich“, sagte er zu mir, als ich ihn wie gewohnt mit „Herr Domkapellmeister" ansprach. Danke für alles!“

Christian Heiß, Domkapellmeister seit September 2019, Domspatz von 1977-1986

 


„Vergelt`s Gott“ waren die letzten Worte, die mir der Cheef eine gute Woche vor seinem Tod noch mit auf den Weg gegeben hat. Und jetzt kann ich diese Worte nur erwidern: einem Mann, mit dem ich über 30 Jahre habe arbeiten dürfen, der mein Mentor war und der mich gelehrt hat, wie beeindruckend Chormusik klingen kann. Sein unbedingter Einsatz für das Wohl seiner Domspatzen, seine Liebe zur Kirchenmusik und seine tiefe Frömmigkeit klingen aus jedem Ton der Musik, mit der er alle begeistert konnte. Dafür „Vergelt`s Gott“

Karl Heinz Liebl, Chorleiter bei den Domspatzen von 1977 – 2018, Domspatz von 1963-1973

 


„Als väterlicher, freundlicher und hilfsbereiter Emeritus, der immer an der Entwicklung der Domspatzen Anteil nahm, war er mir Ratgeber und Orientierung. In jeder Begegnung mit Georg Ratzinger spürte man die große Verbundenheit mit den Domspatzen, die dreißig Jahre lang sein Lebensinhalt geworden sind. Er verkörperte die Verbindung von Priester und Musiker in idealer Weise, war Vorbild und Orientierung für Generationen von Domspatzen.“

Roland Büchner, Domkapellmeister em. (1994 – 2019), Nachfolger von Georg Ratzinger

 


„Mit unserem Domkapellmeister hat sich eine Persönlichkeit von dieser Welt verabschiedet, die den Werdegang tausender Domspatzen geprägt hat. Mir werden sein musikantischer Instinkt und seine tiefe Hingabe für das Göttliche und Menschliche in Erinnerung bleiben. Seine erstaunliche Fähigkeit, sich an jeden einzelnen Domspatzen auch nach Jahrzehnten zu erinnern, ist mir noch heute unerklärlich. Für viele Domspatzen wird der „Cheef“ der immerwährende Domkapellmeister bleiben.“

Thomas E. Bauer, Profi-Bariton, Intendant und Erbauer des Konzerthauses Blaibach, Domspatz von 1981-1990

 

 

„Georg Ratzinger hatte bis zuletzt ein Herz für seine Domspatzen. Er verfolgte auch nach seiner zeit als Domkapellmeister ganz genau die Entwicklung des Chores. Seinen Nachfolgern ließ er dabei den nötigen Raum und die Freiheit. Seine Fähigkeit, aus den einzelnen Stimmen einen bezaubernden Chorklang zu formen, sind legendär und einzigartig.“

Dr. Clemens Prokop, Vorsitzender des Vereins „Freunde des Regensburger Domchors“ e.V.

 


„Georg Ratzinger kenne ich jetzt schon seit über 50 Jahren und ich war vor allem von seiner Selbstdisziplin und intrinsischen Motivation beeindruckt. Er lebte seine Berufung als Priester und Künstler durch und durch mit der gesamten Palette an Emotionen, blieb als Mensch bescheiden und wusste doch stets, wie er seine Ziele am besten erreichen kann. Wie man für eine Sache im positiven Sinne "brennen" kann, habe ich mir sicherlich bei ihm abgeschaut.“

Christof Hartmann, Chormanager der Domspatzen von 1998 – 2018, Domspatz von 1969-1978

 


"Für mich war Georg Ratzinger über meine aktive Zeit bei den Domspatzen hinaus bis zuletzt, immer ein großväterlicher Freund, den ich gerne besucht habe und mit dem ich immer über "Gott und die Welt", vor allem über Musik sprechen konnte. Insbesondere habe ich seine Ehrlichkeit, seine unprätentiöse Art und seinen Humor geschätzt. Seine Ästhetik im Hinblick auf Gesang hat mich bis heute nachhaltig geprägt. Ich werde ihn sehr vermissen!"

Malte Müller, Profi-Sänger, Gesangslehrer, Domspatz von 1986-1995

 

 

„Er hat mit dem Dienst im Dom so gut wie mit den Konzerten draußen viele Menschen dazu gebracht, das Ohr ihres Herzens zu öffnen und sich einzulassen auf das, was Geistliche Musik verspricht.“

Prof. Dr. Dr. Ulrich Hommes, früherer Vorsitzender des Vereins „Freunde des Regensburger Domchors“ e.V.

 

 

„Als ehemaliger Domspatz schätze ich natürlich das durch und durch musikalische Wesen Georg Ratzingers, seinen bisweilen skurrilen Humor und seine treue Anhänglichkeit an die große Domspatzenfamilie. Als Journalist habe ich ihn immer wieder begleitet – mit Porträts, Hintergrundgeschichten und Interviews. Im Jahr 2010, als die Missbrauchsaffäre in allen Schlagzeilen war, hat er mir ein großes Interview gegeben, in dem er auch über seine erzieherischen Praktiken bis zu Anfang der 80er Jahre sprach. Dazu gehörten Ohrfeigen („Watschn“) und andere Formen körperlicher Gewalt. Dass Ratzinger sich in dem Interview ausdrücklich entschuldigt hat, fand ich bemerkenswert – nicht alle, die eine ähnliche Pädagogik praktizierten, haben das getan. In der Folge wurde in kirchlichen Kreisen der Ausdruck „den Ratzinger machen“ zum geflügelten Wort. Gemeint war damit: Offenheit zeigen, eigene Fehler zugeben, sie persönlich und historisch einordnen, sich bei Betroffenen entschuldigen. Über den Augsburger Bischof Walter Mixa etwa konnte man hören: „Er hätte mal lieber den Ratzinger machen sollen.“ Ja, das hätte er tun sollen. Georg Ratzinger hat es gemacht.“

Karl Birkenseer, Journalist, Domspatz von 1964-1975, Mitglied des Vorstandes des Vereins „Freunde des Regensburger Domchors“ und Mitglied des Stiftungsrats.

 


Der Priester, Musiker und Mensch Georg Ratzinger zählt zu den prägenden Gestalten meines Lebens. So nötigen mir seine Disziplin und Konsequenz Respekt ab, seine Bescheidenheit, seine ungekünstelte, tiefe Religiosität und sein menschenfreundlicher Humor sind mir Vorbild. Er formte nicht nur einen unverwechselbaren, einzigartigen Domspatzenklang, mit seiner Musik hat er uns Sängern sowie unzähligen Menschen immer wieder Momente geschenkt, in denen sich der Himmel ein Stück weit geöffnet hat. Eine große Freude war und ist es meiner ganzen Familie, dass sich der Kontakt mit ihm nach der Domspatzenzeit noch spürbar intensiviert hat und er ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens blieb. Lieber Cheef, von ganzem Herzen ein großes Dankeschön für alles, was Sie uns mitgegeben haben, und ein ganz besonderes Vergelts Gott für die jahrzehntelange Verbundenheit!

Dr. Tobias Appl, Bezirksheimatpfleger Oberpfalz, Domspatz von 1986 -1995

 

 

„Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen“, hat Franz von Assisi einmal gesagt. Domkapellmeister Georg Ratzinger, den alle nur „Cheef“ nannten, hat in seiner aktiven Zeit den Regensburger Domspatzen einen eigenen formschönen Klangstil mit besondere A-Cappella-Qualität vermittelt. Dabei waren es weniger große Orchesterstücke als vielmehr klassische Chorwerke, die ihn in seiner Kunstwelt inspirierten und bei den Proben im Chorsaal 800 zur Perfektion trieben. In meiner Zeit im Chor, Anfang der 70er Jahre, habe ich den „Cheef“ als einen Menschen erlebt, dessen Leben einzig und allein von Musik, Religion, Liturgie und besonderer Disziplin geprägt war, was er ausnahmslos von allen abverlangte, die in seinem Chor gesungen hatten. Ein vollendeter Klang war bei all seinen Auftritten im In- und Ausland, ob bei Konzerten oder Gottesdiensten im Dom immer seine oberste Maxime. Ganz nach Leonardo da Vinci, der einmal gesagt hat: „Kleinigkeiten sind es, die Perfektion ausmachen, aber Perfektion ist alles andere als eine Kleinigkeit.“

Peter Schmitt, Mediendirektor der DLV, Domspatz von 1971 - 1980

Online Welt wieder einblenden

Onlinewelt öffnen
Onlinewelt schließen