Lasst euch nicht verwirren

12.05.2020

Am vergangenen Sonntag konnten seit langem wieder heilige Messen mit anwesendem Volk gefeiert werden. So auch in St. Kassian in Regensburg, wo Stiftskanonikus Prälat Helmut Huber predigte. Ausgehend vom Sonntagsevangelium (Johannes 14,1-12) hat er für die christliche Lebensperspektive in Zeiten geworben, in denen vielen Menschen eine Perspektive fehlt. Lesen Sie seine Predigt in voller Länge nach:

 

Predigt zum 5. Sonntag in der Osterzeit

Fast alles hat dieses Virus, Corona, durcheinandergebracht. Jetzt geht es darum, wieder aus dem sogenannten „Lock down“ heraus zu kommen. Gaststätten, Touristikunternehmen unter anderem leiden darunter, dass sie noch nicht öffnen dürfen. Da sagen die Betreiber: Wir müssen wissen, wann und wie wir weitermachen können. Wir brauchen eine Perspektive. Eine Perspektive schafft die Probleme der Gegenwart zwar nicht weg. Aber sie hilft, sich einzustellen, sich vorzubereiten. Eine Perspek­tive gibt Zuversicht.

Ähnlich ist es überhaupt im Leben. Der Mensch braucht im Auf und Ab des Lebens eine Perspektive; eine Aussicht, worauf es zugeht. Jesus gibt uns heute die grundlegende Perspektive des Lebens: für euch ist ein Platz bereit. Ich habe ihn euch vorbereitet beim Vater. Dort werdet ihr „Wohnung“ haben, Schutz und Geborgen­heit. Diese Perspektive zaubert nicht Probleme und Nöte der Gegen­wart weg. Diese sind weiterhin zu bewältigen. Und doch ändert sich Entscheidendes: Wir haben Zuversicht, dass „es gut wird“. Deshalb sagt Jesus: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Lasst euch nicht verwirren durch das, was geschieht.

 

Gott als zorniger Regisseur?

In Verwir­rung können auch Gläubige leicht geraten. Auch in dieser Pandemiezeit sind manche irgendwie verwirrt und fragen: hat dies jetzt Gott geschickt? – als eine Strafe? – oder als eine Prüfung? – oder will er dazu erziehen, dass wir Menschen erkennen, was im Leben wichtig ist und einen anderen Lebensstil suchen?

Wir in unserer Kultur können und sollten wohl diese Situation wirklich dazu nützen, unseren Lebensstil zu überprüfen. Aber sollte man glauben können, dass Gott sozusagen „als zorniger Regisseur hinter der Bühne der Welt sitzt“ (Th. Halik) und seine Kinder mit einer Pandemie oder mit sonstigen unerfreu­lichen Maßnahmen einschüchtert? So wird uns der Vater im Himmel von Jesus nicht gezeigt. Jesus zeigt ihn als unsere „Kraftquelle, die in denen wirkt, die sich liebend und aufopfernd einsetzen“ (Th. Halik). „Zwar wissen wir nicht, warum die Welt so ist, wie sie ist, aber wir dürfen mit guten Gründen …. vertrauen, dass er unser Leben in der Hand hält, es begleitet und führt, auch im größten Unglück und Elend“ (Alois Halbmayr. CiG 16/2020 S. 170). Euer Herz lasse sich nicht verwirren. „Verwirren“ – das griechische Wort bedeutet etwa: erschüttern, durcheinanderbringen.

 

Jesu Lebensstil ist der Weg

Im Leben wird ein glaubender Christ wohl immer wieder durcheinandergeschüttelt. Ganz ohne eine Pandemie. Ereignisse in der eigenen Lebensgeschichte, in unserer Kirche und in unserer Gesellschaft, die offensichtlich immer mehr die religiöse Dimension verliert. Aber immer sagt uns Jesus: „Lasst euch nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Ihr habt ein gutes Ziel – ich habe es euch bereitet. Und er zeigt uns auch den Weg zu diesem Ziel. Er sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Er ist also der Weg. Das heißt die Gemeinschaft mit ihm ist der Weg. Und sein Lebensstil ist der Weg. Schauen wir darauf: wie er sensibel umgegangen ist mit Menschen, die in Not oder in Schuld geraten sind; wie er Ausgegrenzte und Verachtete ange­nommen hat. Das ist das auf Dauer erfolgreiche Lebensmodell. Das ist der Weg zum Vater im Himmel. Und Jesus ist das Leben. Die Gemeinschaft mit ihm schafft Lebenskraft. Sie lässt uns unsere gute Lebensperspektive nicht mehr vergessen.

Jetzt dürfen wir die Gemeinschaft mit ihm auch wieder sakramental vertiefen und festigen. Dank sei Gott!

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