Maria Theresia von Jesus Gerhardinger: Schwester, Schulleiterin, Selige

09.05.2019

Karoline Gerhardinger wurde 1797 in stürmische Zeiten geboren. Die Welt war im Umbruch. Nur wenige Jahre später änderte sich durch die Säkularisation vieles im bislang fest geordneten Gefüge zwischen Kirche und Staat – vor allem im Schulwesen. Im Alter von nur zwölf Jahren schien Karoline ganz genau zu wissen, was sie wollte: Sie wurde Aushilfslehrerin in Stadtamhof, nur drei Jahre später sogar ganz reguläre Lehrerin. Doch damit noch nicht genug. Karoline Gerhardinger sehnte sich nach einem klösterlichen Leben und wandte sich an den damaligen Dompfarrer Georg Michael Wittmann, der später Bischof von Regensburg wurde.

 

Schule, Staat und Kirche

Sie erbat Anleitung im klösterlichen Leben. Und automatisch stellte sich die Frage: In welchen Orden sollte das junge Mädchen eintreten? Wittmann scheint das große Talent und die Berufung Gerhardingers sofort erkannt zu haben. Er empfahl ihr keinen bestimmten Orden, sondern wollte vielmehr eine Neugründung durch die junge Frau erreichen. Das Problem: Das Schulwesen hatte unter der Säkularisation enorm gelitten, die Augustiner-Chorfrauen mussten sich zurückziehen und hatten eine Lücke gelassen. Zudem war die Bildung der einfachen Mädchen oft sehr bescheiden – ein Missstand, den Gerhardinger beseitigen wollte.

Damit stellte sich die begeisterte Lehrerin in eine lange Tradition: Immer schon kümmerte sich die Kirche um die Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen. Beginnend mit dem Benediktinerorden breiteten sich klösterliche Schulen in ganz Europa aus. Viele charismatische Lehrer sorgten sich um die Jugend – etwa der heilige Johannes Don Bosco, aber eben auch Karoline Gerhardinger.

 

Ein neuer Orden für die Schulen

Karoline Gerhardinger wollte einen neuen Orden gründet, der Magistrat des damals noch selbstständigen Stadtamhofs weigerte sich aber wegen finanzieller Bedenken. Also ging Karoline Gerhardinger nach Neunburg vorm Wald und gründete dort ihr erstes Kloster, in dem sie den Namen Maria Theresia von Jesus annahm. Weiterhin konnte die selige Maria Theresia ihre große pädagogische Begabung nutzen: Die von ihr geleitete Schule in Neunburg wurde zu einer Vorzeigeschule. Verschiedene Fächer hatten im sorgfältig erarbeiteten Schulplan Raum: Von kaufmännischen Fächern bis zum Turnen, von Fremdsprachen bis zur musischen Erziehung.

 

Umzug nach München

Der Erfolg sprach sich herum und so überließ König Ludwig I. den noch jungen „Armen Schulschwestern“ das ehemalige Klarissenkloster in München. 1843 ging die selige Maria Theresia nach München. Es dauerte nicht lange, und die neugegründete Kongregation breitete sich über alle Länder und Kontinente aus. 1847 reiste die selige Gründerin sogar selbst nach Nordamerika und legte dort über 4.000 Kilometer – teilweise auf einem Ochsenkarren – zurück, um Neugründungen zu planen und vorzubereiten.

 

Weltweit aktiv

Als Maria Theresia von Jesus Gerhardinger 1879 starb, gab es ihren Orden bereits auf der ganzen Welt. In 166 Niederlassungen lebten etwa dreitausend Schwestern, bis heue ist der Orden aktiv und in der Erziehung und Schulbildung tätig. Die charismatische Gründerin wurde 1985 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Erste Initiativen dazu gab es schon sechzig Jahre zuvor – sie gingen vom katholischen deutschen Frauenbund aus.

Die Kirche gedenkt der seligen Maria Theresia von Jesus Gerhardinger am 9. Mai.

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