Mariä Geburt: Die Heilige schlechthin

08.09.2018
Cosmas Damian Asam: Mariä Geburt, 1718 - 20, in der Basilika des Klosters in Weingarten.

Jeder Heilige hat in der katholischen Kirche einen Gedenktag. Die Bestimmung des Datums richtet sich nach unterschiedlichen Kriterien: Bei einigen Heiligen wurde der Geburtstag zum Gedenktag, bei anderen der Todestag. Der Heiligenkalender versucht, nicht zu viele Heilige auf einen Tag zu legen. Zudem sollten in die Fastenzeit möglichst wenige Heiligenfeste fallen, da die Liturgie der 40 Fastentage die Feier der Heiligen meist verdrängt. Das führt zu den unterschiedlichsten Kriterien, die Gedenktage zu feiern. Bei heiligen Bischöfen kann es schon mal der Weihetag sein, bei Johannes Paul II. wählte man etwa den Tag seiner Amtseinführung.

 

Maria: Die absolute Ausnahme

Eines haben die Heiligen aber gemeinsam: Sie haben alle einen einzigen Gedenktag. Im Lauf des Jahres wird ein Heiliger nur einmal, nicht mehrmals gefeiert. Davon gibt es nur wenige Ausnahmen: Bei Johannes dem Täufer wird sowohl der Geburtstag als auch das Martyrium begangen. Der Apostel Paulus wird sowohl gemeinsam mit Petrus als auch am Tag seiner Bekehrung gefeiert. Die absolute Ausnahme aber bildet die Gottesmutter Maria, die im Lauf des Kirchenjahres immer wieder gefeiert wird: Am Beginn des bürgerlichen Jahres feiert die Kirche das „Hochfest der Gottesmutter“. Dazu kommt Mariä Heimsuchung, Mariä Himmelfahrt, Maria Königin, Mariä Namen und das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“. Am 8. September schließlich feiert die katholische Kirche den Geburtstag Mariens.

 

 

 

Christus steht im Mittelpunkt

Seltsam, dass Maria so oft im Mittelpunkt des kirchlichen Feierns steht. Ihre Gedenktage sind in vielen Fällen zudem relativ alt. Die Geburt Mariens wurde in der ganzen Kirche sicher seit dem siebten Jahrhundert gefeiert, möglicherweise auch schon früher. Dabei wissen wir eigentlich sehr wenig über Maria. Für die große Rolle, die sie spielt, hat die Bibel sehr wenig über sie zu sagen. Von ihrer Geburt wird überhaupt nichts berichtet. Aber das macht nichts. Maria ist vollkommen selbstlos: Wer die Gottesmutter feiert, feiert immer auch ihren Sohn mit. Christus ist es, um den es geht und der im Mittelpunkt steht.

 

Maria: Mittlerin zu Jesus

Das zeigt auch die Leseordnung der Kirche. Für Mariä Geburt ist der Stammbaum Jesu mit dem Bericht über die Geburt Christi vorgesehen. Das unterstreicht die Rolle Mariens: Als Gottesgebärerin hat sie in einem gewissen Rahmen die Erlösung durch Jesus ermöglicht. Maria ist das Vorbild aller Christen. Sie fügt sich ganz dem Willen Gottes. Auf die Ankündigung des von Gott geschickten Engels, Maria werde durch das Wirken des Heiligen Geistes einen Sohn empfangen, sagt sie: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lukas 1,38) Diese Haltung macht Maria zum Vorbild aller Christen. Dadurch ist sie die Heilige schlechthin. Und daher feiert die Kirche sie nicht nur an einem einzigen Tag, sondern gedenkt vieler Stationen in ihrem Leben: Beginnend mit ihrer Empfängnis ohne Erbschuld über ihre Geburt bis hin zu ihrer Himmelfahrt und Vollendung bei Gott.

Die Kirche feiert Mariä Geburt am 8. September

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