„Mit Bescheidenheit und Demut die Schönheiten dieser Erde schauen – Zu Fuß von Regensburg nach Rom

15.09.2020

In 49 Tagen legten Johann Fischaleck aus Neufahrn und Josef Ertl aus Ergoldsbach 1170 Kilometer zu Fuß zurück. Die beiden stammen aus Neufahrn, trafen sich beim Ministieren und besuchten das gleiche Gymnasium. Ihre Freundschaft besiegelten Sie in den vergangenen drei Monaten mit einer Pilgerreise nach Rom. In einem persönlichen Gespräch berichtete uns Johann Fischaleck von Feigen am Wegesrand, einer Wirtin namens Martha und einem Gespräch mit dem Papst.

 

Woher kam die Idee zu Fuß nach Rom zu gehen?

Sepp und ich hatten 9 Jahre lang Latein in der Schule und da haben wir gesagt, dass wir unbedingt einmal vom Castra Regina zum Forum Romanum gehen wollen. Später entstand dann der Wunsch, den Weg mehr in der Intention des Pilgerns zu gehen. Deswegen war uns auch die Verabschiedung durch den Generalvikar wichtig. Wir wollten keine sportliche Höchstleistung vollbringen, aber auch keine Sightseeing-Tour machen.

 

Wie bereitet man sich denn für so eine lange Reise vor?

Wir haben 600 Kilometer vorher schon zurückgelegt. Dabei wurde uns bewusst, wie schön unsere niederbayerische Heimat ist. Da fragt man sich schon, warum man immer wegfahren will. Wir haben mit zehn Kilometer pro Etappe angefangen und aufgehört haben wir bei 25 Kilometer nach drei bis vier Monaten. Uns war es wichtig, dass die Schuhe und die Socken eingelaufen sind. Die meisten scheitern an solchen kleinen Dingen, nicht an der Kraft. Wir haben gesagt, die Zeit haben wir, dass dann der Weg auch wirklich das Ziel sein kann und wir nicht immer schauen müssen, dass wir keine Blasen bekommen.

 

Wie kam es zum Kontakt mit Generalvikar Michael Fuchs?

Als er noch Diakon war, war ich in Neufahrn Chorleiter. Generalvikar Michael Fuchs hat auch meinen ältesten Sohn getauft. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden, weil ich Musiker bin und er auch. Und jetzt war es schön, dass er unsere Reise begleitet hat. Der Pilgersegen, den er uns am Anfang unserer Tour gespendet hat, war unheimlich viel wert. Uns ist eigentlich alles gelungen, nichts gestohlen worden, haben immer ein Quartier bekommen und hatten am Schluss sogar ein Gespräch Auge in Auge mit dem Papst. Da brauche ich jetzt erst einmal ein paar Tage und Wochen, um das aufzuarbeiten und zu realisieren, was das eigentlich heißt.

 

 

Was hilft Ihnen beim Aufarbeiten und Nachdenken?

Ich werde mir jetzt erst einmal wieder meinen Blog anschauen. Und die Papstgeschichte möchte ich auch in die Gemeinde tragen. Ich möchte das Thema, dass man wirklich für den Papst beten soll, öffentlich machen. Im Hochgebet kommt die Bitte für den Papst zwar vor, aber in dem Moment bewusst für den Papst zu beten, ist nochmal mehr, als die bloße Routine. Das ist wichtig, das braucht unser Papst.

 

Der Generalvikar hat Ihnen auch etwas mitgegeben…

Er hat uns aus einem Heft heraus Impulse für jeden Tag zusammengestellt. Das war unsere Morgenlektüre und ab und zu auch mal die Abendlektüre. Da waren wirklich ein paar schöne Sachen dabei. Beispielsweise lasen wir im Impuls, dass wir uns die Schönheiten dieser Erde anschauen sollen und dann sieht man die Alpen und merkt, dass dieser Impuls so wahr ist. Man muss mit Bescheidenheit und Demut auftreten. Das haben uns die Impulse auch gelehrt. Bis auf ein Erlebnis haben wir nur gute Menschen getroffen, weil wir auch auf sie nicht fordernd, sondern immer bittend zugegangen sind.

 

Hat die Reise Ihren Glauben verändert?

Ja, in gewisser Weise schon. Der Glaube an sich, war für mich nie in Frage gestanden, aber er ist wieder ein bisschen persönlicher und konkreter geworden. Einmal waren wir nahe davor, wirklich Gott um Hilfe anzuflehen. Wir waren in der Po-Ebene unterwegs, es hatte 38 Grad, es war der schlimmste Tag und es gab keinen Schatten. Unser Versorgungsfahrzeug erreichten wir telefonisch nicht und uns ging das Wasser aus. Dann haben wir einen einsamen Bauernhof gefunden. Eine Frau hat die Rollos hochgezogen, uns angeschaut und wir haben auf die leeren Flaschen gezeigt. Sie grinste und gab uns frisches Wasser aus dem Kühlschrank. Das war wirklich so ein Moment, wo wir plötzlich auf uns und auf Gott gestellt waren. Aber auch da wurde uns wieder Hilfe zuteil.

Eine praktische Frage, wenn Sie von einem Versorgungsfahrzeug sprechen, was meinen Sie damit?

Wir haben immer ein Auto mitgeführt, das uns das Reisegepäck mitnahm. Das hat uns den schweren Koffer gefahren. Tagsüber hatten wir nur einen Rucksack dabei mit Ersatzkleidung, Getränken und ein bisschen was zum Essen. Außerdem ein Buch, wo ich dann immer in der Pause meine Sachen reingeschrieben habe, was wir so erlebt haben. Mit dem Begleitauto haben wir Treffpunkte ausgemacht, wo wir ungefähr vorbeikommen. Das Auto ist uns immer schon vorausgefahren und hat nach einer Bar oder einem Supermarkt Ausschau gehalten. Die Fahrer haben auch die Unterkünfte vorgebucht. Das war schon komfortabel und wir konnten uns wirklich auf den Weg konzentrieren. Das war schön.

 

Ja sonst kreisen die Gedanken nur immer um den schweren Rucksack und die wunden Füße…

Wir hatten schon einige Tage, wo wir gesagt haben, wir machen wirklich das Kreuzzeichen, wenn wir endlich ankommen. Da war es so heiß, die Füße brannten, aber auf der Tagesetappe waren immer noch fünf Kilometer vor uns.

 

Wo haben Sie übernachtet?

Wir hatten extra von Generalvikar Michael Fuchs ein Pilgerschreiben erbeten, weil wir eigentlich vorhatten, vor allem in Klöster zu übernachten. Aber bei den meisten war es so, dass sie wegen Corona gar keine Leute aufnehmen konnten. Und dann haben wir oft Privatzimmer genommen, wenn es ging und wenn es keine gab, dann haben wir auch in Hotels oder Pensionen übernachtet. Die Idee mit einem Wohnwagen zu reisen, haben wir schnell fallen lassen, da wir auch mit den Leuten vor Ort in Kontakt kommen wollten.

 

Gibt es eine Person, die sie unterwegs kennengelernt haben, die ihnen besonders in Erinnerung ist?

Da gab es einige, aber besonders eindrücklich war die Begegnung mit Martha, eine alte Wirtin von 84 Jahren. Wir haben ihr erzählt, dass wir zu Fuß unterwegs nach Rom sind. Davon war sie ganz angetan und hat mir die Hand geküsst und uns gleich zum Frühstück für den nächsten Morgen eingeladen. Mein Bruder war auf dieser Etappe auch dabei. Als Martha ihn angeschaut hat, weinte sie und sagte, dass er sie an einen deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg erinnere. Und das, was jetzt Gänsehaut macht, ist, dass unser Vater wirklich in Italien im Krieg war. Wir werden jetzt nachforschen, ob es möglich sein kann, vom Alter her wäre es zumindest möglich, dass sie meinen Vater getroffen hat. Irgendwann besuche ich Martha auch nochmal.

 

Hatte Rom als Ziel für Sie auch eine geistliche Bedeutung?

Es war von Anfang an klar, dass wir natürlich auch zum Vatikan gehen werden. Der Wunsch mit dem Papst ein Gespräch zu führen, war aber wegen Corona zunichte gemacht. Generalvikar Michael Fuchs hat mich gegen Ende der Pilgertour angerufen, um mir mitzuteilen, dass jetzt wieder Audienzen stattfinden und die erste am 02.09 sei. Da kam wieder Hoffnung auf. Einfach nach Rom zu gehen, ist schön und gut, aber dann beim Papst zu sein und mit ihm sogar persönlich sprechen zu können, das war einfach der krönende Abschluss. Sepp meinte nach der Audienz im Auto Richtung Heimat, dass erst jetzt für ihn die Sache rund sei und genau so habe ich auch empfunden.

Sie schreiben im Blog, dass der Papst Sie gebeten hat, für ihn zu beten. Diese Bitte habe Sie entscheidend geprägt. Können Sie das näher erklären?

Ich habe ihm auf Italienisch gesagt, dass wir zu Fuß 1170 Kilometer von Regensburg hierher gepilgert waren. Daraufhin hat er anerkennend genickt. Dann habe ich auf Deutsch hinzugefügt: „Aber sie sprechen auch Deutsch!“ Dann fragte er, woher ich das wisse. Ich erklärte ihm, dass ich in Rothenburg ein Schild gesehen hatte, wo draufstand, dass hier Papst Franziskus Deutsch gelernt habe. „So das haben sie gesehen“, hat er dann geantwortet und weiter: „Betet für mich, betet für mich, diese Arbeit hier ist nicht ganz einfach.“ Das Versprechen für ihn zu beten, haben wir ihm gegeben. Das ist unglaublich. In diesem Augenblick habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass der Papst seine Kraft nur aus dem Gebet schöpfen kann und er auch ein ganz normaler Mensch ist. Dieser Moment war so eindrücklich und macht mir immer noch eine Gänsehaut.

 

Gab es Momente, wo Sie sich dachten jetzt reicht‘s, beispielsweise als Ihnen das Wasser ausgegangen ist?

Ich hatte das überhaupt nie, nicht mal ansatzweise. Ich wollte immer eher noch weiter gehen. Jeder Meter, den man zurücklegt, macht einen neuen Blick frei. Sepp hatte zwei Wochen lang mit Blasen zu kämpfen. Er hat gesagt, dass er vielleicht aufgehört hätte, wenn er mich nicht gehabt hätte. Einer trage des anderen Last. Ich brauchte 3 Wochen, um zu verstehen, dass mich niemand anrufen wird, weil er von mir was braucht. Das war so befreiend. Es kam auch keine Post, keine Zeitung und keine Tagesschau. Nur der Weg war unser Inhalt.

 

Ein Blick in Richtung Zukunft – Planen Sie schon das nächste Abenteuer?

Ich möchte besser Italienisch lernen und auch meine Fähigkeiten in der Orgelimprovisation vertiefen. Im November möchte ich nochmal nach Florenz. Die Stadt hat mich total beeindruckt. Und wir überlegen auch, ob wir nicht irgendeinen Verlag fragen, dass er unseren Blog als Buch verarbeitet. Einfach, um Leute zu motivieren sich auch auf den Weg zu machen und um Leuten die Chance zu geben, zu sehen, wie schön es eigentlich auf der Welt ist. Viele sehen das nicht.

 

Herzlichen Dank Herr Fischaleck für den Einblick in Ihre unglaubliche Reise!

Sehr gerne! „Wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund.“ (Mt 12,34)

Online Welt wieder einblenden

Onlinewelt öffnen
Onlinewelt schließen