Nikolaus: Legendenhafter Bischof

04.12.2018

Den heiligen Nikolaus kennt auch heute noch jedes Kind – zumindest in Deutschland. Als Geschenkebringer ist er bekannt, der meist von einem etwas finsteren Gesellen begleitet wird. Er beschenkt die Kinder nicht nur, sondern befragt sie auch nach ihrem Verhalten im vergangenen Jahr. Eine teilweise wirklich furchteinflößende Lehre für die Kinder – aber auch Süßigkeiten und kleine Geschenke hat der Nikolaus dabei. Diese Tradition hat ihren Ursprung im heiligen Bischof Nikolaus von Myra.

 

Kaum gesicherte Biographie

Über diesen Heiligen kann heute kaum mehr etwas mit Gewissheit gesagt werden. So viele Legenden haben sich über die historische Gestalt gelegt, dass es nur mit größter Schwierigkeit möglich ist, sich zum Kern der Biographie durchzuschlagen. Möglicherweise sind hier auch zwei Personen miteinander verschmolzen: Ein Bischof Nikolaus aus Myra in Kleinasien und ein Bischof gleichen Namens von Pinara in Lykien. Man vermutet, Nikolaus habe zwischen 270 und 345 nach Christus gelebt. Sein Onkel sei Bischof gewesen und habe den Neffen zum Priester geweiht. Später wurde Nikolaus sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl. Bei der letzten Christenverfolgung größeren Ausmaßes wurde Nikolaus grausam gefoltert, überlebte jedoch.

 

Nikolaus auf dem Konzil von Nizäa

Auf dem für die Kirchengeschichte höchst bedeutsamen Konzil von Nizäa war Nikolaus anwesend, dort wurde ihm wegen seiner Folterverwundungen der Titel „Bekenner“ zugesprochen. Der heilige Bischof soll auch für die Lehre der Trinität, der Dreieinigkeit Gottes eingetreten sein. In seiner Bischofsstadt Myra starb Nikolaus schließlich auch. Seine Gebeine kamen später in die süditalienische Stadt Bari.

 

Wie aus einem Gefängnis ein Pökelfass wurde

Zahlreiche Legenden begleiten den Bischof. Bei einem Wirt sollen drei Schüler oder Studenten eingekehrt sein. Der Wirt tötete die Männer und versteckte ihre Leichen in einem Pökelfass. Nikolaus kam vorbei, bemerkte das Verbrechen und erweckte die drei Mordopfer wieder zum Leben. Diese Legende bildete sich im Mittelalter und könnte Ergebnis eines kunstgeschichtlichen Missverständnisses gewesen sein: Nikolaus soll einer anderen Überlieferung nach einmal drei unschuldige Soldaten aus dem Gefängnis geholt haben. Ein Gefängnis wird in der mittelalterlichen Kunst meist als Turm dargestellt, der in der Mitte aufgeschnitten ist, um die Insassen zeigen zu können. Das konnte an Fässer erinnern. Zudem wurden die Soldaten wohl deutlich kleiner als Nikolaus dargestellt, um die Überlegenheit des heiligen Mannes darzustellen. So wurde aus dem Gefängnis ein Fass, aus den Soldaten drei Kinder oder junge Männer.

 

Wie aus Goldklumpen drei Äpfel wurden

Eine andere Legende berichtet von einem armen Vater, der seine Töchter nicht verheiraten konnte, weil er die erforderliche Mitgift nicht aufbringen konnte. Also nötigte er seine drei Töchter in ein Freudenhaus; dort sollten sie das entsprechende Geld verdienen. Diesen Zustand bekam Nikolaus mit und wollte ihn nicht hinnehmen. Also warf er heimlich in der Nacht drei Goldklumpen in das Haus der Familie. Die Mitgift war gesichert, das Leben im Bordell vorbei. In der Kunst wurden diese drei Klumpen oft sehr rund dargestellt – und aus Goldklumpen wurden Äpfel, die der Nikolaus auch heute noch den Kindern bringt.

 

Woher kommt der Krampus?

Nikolaus als Gabenbringer: Diese Tradition dürfte auf die Legende der drei Goldklumpen zurückbringen. Dass Nikolaus parallel auch nach den Sünden der Kinder fragt und dabei von seinem finsteren Gesellen begleitet wird, hat einen anderen Hintergrund: Das Tagesevangelium des Nikolaustages war die Perikope vom Herrn und seinen Dienern: Jeder der Diener bekommt Geldstücke, soll mit ihnen wirtschaften. Der eine macht das besser, der andere schlechter, der dritte Diener vergräbt das Geld einfach – eine Metapher für die Begabungen und Talente eines Menschen, die er nicht verheimlichen, sondern nutzen soll. Das wurde in das Brauchtum des heiligen Nikolaus aufgenommen.

Der Mann hat Karriere gemacht – in vielen Gegenden der Welt jedoch wurde er zum Weihnachtsmann. Der ursprüngliche Titel „Santa Claus“, „heiliger Nikolaus“ zeigt das auch heute noch.

Die Kirche feiert den heiligen Nikolaus am 6. Dezember.