„Resonanzen“ bringt einen Dialog der Künste zu Gehör – Gesang rund um die Adlersberger Schutzmantelmadonna

22.09.2020

Lange mussten Musikbegeisterte darauf warten, endlich wieder musikalischen Klängen lauschen zu dürfen. Nach der langen Durststrecke sind seit Kurzem wieder Konzerte in kleinem Rahmen möglich, selbstverständlich unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln. Aufgrund dieser Schutzmaßnahmen konnte das erste Konzert des jungen Ensembles „ReSonanzen“ in der ehemaligen Dominikanerinnenklosterkiche auf dem Adlersberg am vergangenen Sonntag, 20. September 2020, durchgeführt werden.

Salve Regina – Mutter aller Menschen

Das Ensemble „ReSonanzen“ hat sich auf die Interpretation des Gregorianischen Chorals spezialisiert. Gegründet wurde es 2019 von Christoph Hönerlage, Professor für Gregorianik und Liturgiegesang an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik (HfKM) in Regensburg. Besungen wurde bei diesem besonderen Konzert das Fresko der Schutzmantelmadonna aus dem frühen 14. Jahrhundert. Bei dem musikalischen Erlebnis handelte es sich allerdings nicht um ein reines Gesangskonzert, sondern die Gregorianischen Gesänge standen im Dialog der Künste. Um die Bedeutung dieser einzigartigen künstlerischen Darstellung der Mutter Gottes zu erschließen, trat als weiterer „Partner“ das gesprochene Wort hinzu. Domvikar Msgr. Dr. Werner Schrüfer, Künstlerseelsorger des Bistums Regensburg, deutete die verborgenen Bezüge und die Besonderheiten der Schutzmantelmadonna auf dem Fresko.

Das Besondere an der Adlersberger Schutzmantelmadonna ist, dass sie wohl die erste bildhafte Darstellung einer Schutzmantelmadonna in Süddeutschland ist. Das Fresko an der Innenwand vor dem Altarraum zeigt nicht nur die Abbildung der Gottesmutter, sondern auch zwei bayerische Regenten, die links und rechts neben Maria platziert sind. Es ist zum einen Herzog Ludwig der Strenge und zum anderen Kaiser Ludwig der Bayer. Beide Regenten hatten zu Lebzeiten große Schwierigkeiten mit ihrer Lebens- und Glaubensgeschichte. Die Familie Wittelsbach versuchte durch diese Darstellung, sozusagen eine Rehabilitation für beiden Regenten herzustellen. Die Dominikanerinnen sollten beim Betrachten des Bildes für das Seelenheil der beiden Regenten beten.

Musikalisches Schmankerl

Im Wechsel mit den gregorianischen Gesängen erläuterte Msgr. Dr. Werner Schrüfer den Zuhörern die biblische und künstlerische Bedeutung dieses einmaligen Wandfreskos. Auch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer ließ sich dieses „Schmankerl“ nicht entgehen und war unter den Besuchern des Dialoges aus Kunst und Religion. Als Musikliebhaber freute er sich ebenso wie alle anderen Gäste über den Gesang der Schola und den wunderbaren Klang der Stimmen in der Klosterkirche. Im nächsten Frühjahr findet das nächste Konzert des Ensembles „ReSonanzen“ in der Regensburger Spitalkirche in Stadtamhof statt. Dann heißt es wieder: Gregorianische Gesänge im Dialog der Künste.

 

Gregorianischer Choral

Benannt wurde er nach Papst Gregor dem Großen. Erstanden ist der Gesang wohl erst zur Zeit der Karolinger, also vor etwa 1200 Jahren, in dem Gebiet etwa zwischen dem Rhein und der Seine, möglicherweise im Umfeld der Kathedrale von Metz. Er ist der älteste schriftlich überlieferte Gesang, nicht nur der Liturgie, sondern des Abendlandes überhaupt.

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