Rundreise durch das Bistum

20.03.2008
Der Apostolische Nuntius, Bischof Gerhard Ludwig Müller und Weihbischof Reinhard Pappenberger beteten am Grab von Therese Neumann

Am gestrigen Dienstag reiste der Apostolische Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Périsset, in Begleitung von Bischof Gerhard Ludwig Müller, Weihbischof Reinhard Pappenberger und Generalvikar Msgr. Michael Fuchs quer durch das Bistum Regensburg, um nur einige der vielen wichtigen und bedeutenden Stationen in der Diözese zu besuchen. Bereits am frühen Morgen bereitete die Leitung des Kolpingbildungszentrums in Cham dem Ehrengast einen herzlichen Empfang. Der Aufsichtratsvorsitzende, Staatssekretär Markus Sackmann, erläuterte anhand einer Powerpoint Präsentation die Arbeit des Bildungszentrums, welches schwer vermittelbaren Jugendlichen einen Einstieg in das Berufsleben ermöglicht.

Der Apostolische Nuntius zeigte sich sehr beeindruckt von den großen Erfolgszahlen bei der Vermittlung von Arbeitsstellen und lobte die Arbeit der Kolpingfamilie. Eine Möglichkeit zu Bildung bekomme man oftmals nur einmal im Leben. Daher sei die Arbeit von Kolping für diese Jugendlichen besonders wertvoll, hob der Nuntius hervor. Vor einem Rundgang durch die Lehrwerkstätten, in denen Erzbischof Périsset Gelegenheit hatte, den Jugendlichen bei der praktischen Arbeit zuzusehen, überreichte er an Diözesanpräses Domvikar Harald Scharf eine Ehrenmünze mit dem Konterfei des Heiligen Vaters.

Die zweite Station des Besuchsprogramms fand im Zisterzienserinnenkloster in Waldsassen statt. Hier lernte der Apostolische Nuntius nach einem gemeinsamen Mittagessen bei der Äbtissin Laetitia Fech das Kloster und die Klosterbibliothek mit ihren weltbekannten Holzschnitzereien kennen. Erzbischof Périsset erklärte gegenüber der Äbtissin, dass er auf das Gebet der Ordensschwestern zähle. Schwester Laetitia Fech sprach eine weitere Einladung in das Kloster an den Nuntius aus.

In einem anschließenden Besuch der heutigen Stadtpfarrkirche St. Johann führte Generalvikar Msgr. Michael Fuchs durch das Gotteshaus. Der kirchliche Organist bot eine Hörprobe am Orgelspiel. Einige Kilometer außerhalb von Waldsassen besuchte man im Anschluss die Wallfahrtskirche Kappl. Hier beteten der Apostolische Nuntius, Weihbischof Reinhard Pappenberger und Generalvikar Michael Fuchs nach einer kurzen Führung durch den Weihbischof.

Eine lange Freundschaft verbindet das bayerische Bistum Regensburg mit dem tschechischen Bistum Pilsen. Seit Jahren finden grenzübergreifende Kontakte zwischen den Pfarreien und Wallfahrten statt. Es war dem Apostolischen Nuntius ein großes Bedürfnis, auch diese Seite des kirchlichen Lebens in der Diözese Regensburg kennen zu lernen. In der mittlerweilen weit bekannten Wallfahrtskirche Maria Loreto trafen daher Generalvikar Dr. Robert Falkenauer (als Vertreter von Bischof Frantisek Radkovsky, der sich zeitgleich in Rom aufhält), der Apostolische Nuntius, Bischof Gerhard Ludwig Müller, Weihbischof Reinhard Pappenberger, Generalvikar Michael Fuchs, die Ortspfarrer der tschechischen und bayerischen Grenzgemeinden sowie zahlreiche bayerische und tschechische Gläubige zu Gebet und Gesang zusammen.

Die Wallfahrtskirche, welche nach Fall des Eisernen Vorhangs nur noch als Ruine bestand, wurde von einem privaten Förderverein in mühsamer Arbeit wieder aufgebaut und renoviert. Bischof Gerhard Ludwig Müller drückte in seiner Begrüßung seinen Dank gegenüber all jenen aus, die dazu beigetragen haben, dass diese Kirche wieder als Zeichen der Versöhnung und christlichen Glaubens von den Gläubigen beider Grenzseiten genutzt werden könne und betonte seine Verbundenheit zum Nachbar- und Partnerschaftsbistum Pilsen. Der Apostolische Nuntius hob hervor, dass Maria Loreto ein Heiligtum der Versöhnung darstelle, da Christen von beiden Seiten der Grenze unter dem Schutzmantel der Mutter Gottes hier zusammen kommen könnten.
Priester und Gläubige beteten und sangen zusammen abwechselnd in deutscher und in tschechischer Sprache.

Bevor die Regensburger Delegation mit dem Apostolischen Nuntius nach Konnersreuth zur Geburtsstätte von Therese Neumann fuhren, machte man Station im grenznahen Kloster Fockenfeld, in dem das Spätberufenenseminar seinen Platz hat. Die katholische Privatschule St. Josef führt junge Männer, die meist den Wunsch haben Priester zu werden, in drei oder vier Jahren zum Abitur. Der Ausbildungsweg ist durch die Vermittlung der christlichen Werte geprägt. Der Apostolische Nuntius wurde durch die Schul- und Internatsleitung herzlich empfangen, nach einem Rundgang durch die Studier-, und Wohnzimmer der Schüler besichtige der Ehrengast die Hauskirche der Privatschule, um nach einer kurzen Führung dort zu beten.

In Konnersreuth besichtigte der Apostolische Nuntius zuerst das Geburtshaus der 1962 verstorbenen Therese Neumann, bekannt als „Resl von Konnersreuth“. Michael Hamann, Bürgermeister von Konnersreuth führte Erzbischof Jean-Claude Perisset durch die bescheidene Wohnstätte der heute verehrten Therese Neumann. Zahlreiche Exponate und Unterlagen verweisen auf das zutiefst gläubige und wohltätige Leben der Konnersreutherin. Bevor die Priester zur Abendmesse in die Pfarrkirche St. Laurentius gingen, trug sich der Ehrengast und die Regensburger Bischöfe in das Goldene Buch der Stadt Konnersreuth ein.

Bereits mehr als eine Stunde vor Beginn der Abendmesse war die Konnersreuther Stadtpfarrkriche bis in die Vorräume mit Gläubigen gefüllt. Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Jean-Claude Périsset zelebrierte die Gottesdienstfeier. In seiner Predigt ging Erzbischof Périsset auf zwei zentrale Sätze der Tagesliturgie ein. Zum einem: „Ich mache Dich zum Licht für die Völker,…“ und zum anderen: „Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.“ Der Apostolische Nuntius stellte die Frage, wie der Mensch sich bei Tag und bei Nacht verhalten wolle.

„Wollen wir andere betrüben, ihnen schaden oder aber ihnen helfen? Damit wir den Dienst am Herrn erfüllen können, bedarf es gewisser Tugenden: Gehorsam und Demut. Judas bekam die Liebe Christi, nahm diese aber nicht an. Auch war er von Besitz und Reichtum verleitet – dies führte ihn zum Verrat“, so der Nuntius. Diese Gefahr bestehe für alle von uns. Wir sollten jedoch den guten Weg als Diener Christi suchen. Stets sollten wir den schwierigen aber guten Weg zu Christi, zum Licht hin gehen. Damit würden nicht nur wir selber, sondern auch andere Menschen gerettet. Auch Therese Neumann sei ein Beispiel für Treue und Liebe zu Gott. Ihre Treue habe die Treue zu anderen Menschen gebracht. Der Apostolische Nuntius sprach abschließend den Wunsch aus, dass Therese Neumann bald den Weg der vielen anderen Seligen und Heiligen gehen könne.

Nach dem Abendgottesdienst zogen die Hunderte von Gläubigen mit den Geistlichen in Prozession zum Grab von Therese Neumann. Hier beteten Erzbischof Jean-Claude Périsset, Bischof Gerhard Ludwig Müller und Weihbischof Reinhard Pappenberger für die Verstorbene. Die Konnersreuther Pfarrgemeinde begleitete die Prozession musikalisch.

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