Teresa von Avila: Die Freundin Gottes

15.10.2019

Von vielen Heiligen heißt es, sie seien schon im Kinder- oder Jugendalter sehr fromm gewesen. Das heilige Leben für Gott war schon vorgezeichnet und irgendwie absehbar. Auch für Teresa von Avila (1515-1582) scheint das zu gelten. Als Kind, aufgewachsen in einer katholischen Familie in Spanien, spielte sie bereits Nonne und baute sich im Garten eine kleine Einsiedelei. Zur Ausbildung kam sie in ein Kloster. Als sie älter wurde, änderte sich diese Einstellung. Teresa empfand Abneigung gegen den Ordensstand. Und doch lies sie diese Berufung nicht ganz los – und Teresa entschied sich, in ein Karmelitinnenkloster einzutreten. Als sie noch nicht einmal 20 Jahre alt war, floh sie aus dem Elternhaus, begehrte die Aufnahme im Kloster und wurde Nonne.

 

Innere Zerrissenheit

Das Klosterleben war aber nicht sehr streng. Es gab viele Möglichkeiten zur Zerstreuung, die Teresa vom eigentlichen Ziel abhielten: Die innere Sammlung und der Dialog mit Gott. Beinahe 20 Jahre lang lebte die Heilige in innerer Zerrissenheit: „Ich fand keinen Genuss in Gott und hatte auch keine Freude an der Welt. Gab ich mich weltlichen Vergnügungen hin, so peinigte mich die Erinnerung an das, was ich Gott schuldig wäre; beschäftigte ich mich mit Gott, so ließen mir die weltlichen Neigungen keine Ruhe“, schreibt Teresa. Sie hatte im Kloster nicht das gefunden, was sie erwartet hatte. Diese Zerrissenheit entwickelte sich zur körperlichen Krankheit. Teresa von Avila spuckte Blut, hatte Beschwerden an Herz und Magen. Die Krankheit wurde so schlimm, dass Teresa mehrere Tage scheinbar tot war und man im Kloster sogar schon ihr Grab aushob. Und doch erholte sie sich wieder.

 

Der spirituelle Durchbruch

Da kam es zum Durchbruch: Eines Tages sah sie an ihrer Gebetsstätte eine Darstellung des gegeißelten Heilands. Sie hatte dieses Bild und ähnliche Darstellungen schon unzählbare Male gesehen. Und doch betraf es sie dieses Mal anders. Sie war so ergriffen, dass sich ihr Leben von diesem Zeitpunkt an schlagartig änderte. Sie gab sich ganz Gott hin. Teresa wurde zur Meisterin des Gebets. Sie versuchte, sich ganz auf die Gegenwart Gottes einzulassen und sich seiner ganz bewusst zu werden. Dies tat sie nicht nur während der Gebetszeiten, sondern war bemüht, immer in Verbindung mit Gott zu bleiben.

 

Gebet als Gespräch

In diesem Augenblick hatte Teresa begriffen, wie sehr sie von Gott geliebt wurde. Immer mehr übte sie sich in der für sie so typischen Gebetsform, dem „inneren Gebet“. Sie begriff diese Form des Gebets als Verweilen bei Gott, einem Freund im Inneren. Oft begann Teresa von Avila das Gebet mit geistlicher Lektüre – um dann das Gespräch über das Gelesene mit Gott zu beginnen. Eine wichtige Methode dieses Gebetes ist es, sich Christus wirklich als Gesprächspartner vorzustellen, ihn sich vor Augen zu führen.

Teresa wirkte anziehend auf einen großen Teil ihrer Mitschwestern – und wollte so den Orden der Karmeliten reformieren. Das Ziel war eine konsequentere Jesus-Nachfolge im Ordensleben. So wurde ein Reformzweig des Ordens gegründet. Die „unbeschuhten Karmelitinnen“ entstanden. Durch den heiligen Johannes vom Kreuz begannen diese Reformen auch unter den männlichen Karmeliten zu wirken. Diese Entwicklung gefiel nicht jedem und der neue Ordenszweig befand sich in einem heftigen Streit mit den übrigen Klöstern. Am 4. Oktober 1582 starb Teresa von Avila. Gott allein war ihr genug. Eines der berühmtesten Zitate der heiligen Teresa von Avila lautet: „Gott alleine genügt.“

Die Kirche feiert die heilige Teresa von Avila am 15. Oktober.

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