Unser Bischof ist ein echter Krippenfan – Bischof Rudolf Voderholzer eröffnet Krippenausstellung in Marktredwitz

05.12.2018
„Einfache Krippenfiguren aus Papier“, sagt Ulrich Frey, „verwandeln sich ruckzuck in Vorlagen für eine Selfie-Krippe!“

Wer in diesen Wochen das Glück hat, Bischof Rudolf bei einem seiner Besuche im Bistum zu begegnen, dem wird eines auffallen: Der Bischof strahlt immer wieder über das ganze Gesicht. Und das hat seinen Grund: Es ist die Zeit, in der er Krippenausstellungen eröffnet oder besucht und hinter die Kulissen der regionalen Krippentraditionen schauen kann, wobei er immer wieder etwas Neues entdeckt. Und das zeugt von der wirklich großen Krippentradition im Bistum. Denn der Bischof hat schon viele Krippen gesehen und hat im Regensburger Bischofshaus selbst eine große Krippensammlung zusammengestellt. Trotzdem: Der Schatz an Krippenarten, Krippenszenen und Krippenfiguren in der Region ist überaus reichhaltig, immer ein wenig anders, manchmal selbst für den Bischof überraschend.

Bischof Rudolf, Ärztlicher Leiter Dr. Bertram Krüger und Ausstellungsmacher Ulrich Frey begutachten die Krippen ausgiebig.

Große Krippenausstellung in Marktredwitz

Am vergangenen Donnerstag eröffnete Bischof Rudolf eine Ausstellung bedeutender historischer Krippen im oberfränkischen Marktredwitz. Die Stadt liegt im nördlichsten Dekanat des Bistums, nämlich im Dekanat Kemnath-Wunsiedel. Sie hat eine Besonderheit, auf die der Leiter des dortigen Egerland-Museums, Volker Dittmar MA, hinwies: Als evangelisch geprägte Stadt auf bayerischem Gebiet hat sie eine ausgeprägte Krippengeschichte. Die Marktredwitzer Landschaftskrippen zeichnen sich durch eine großzügige Darstellung der Landschaft mit alltäglichen, regionalen Szenen aus.

Bischof Rudolf lauscht den Ausführungen des Pullenreuther Sammlers Karl Schenkl.

Die Kindermann-Krippe

Das besondere Schaustück der Ausstellung in Marktredwitz ist eine große und wertvolle Landschaftskrippe, die der Bischof als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. Die sogenannte Kindermann-Krippe stammt aus Nordböhmen, die Figuren wurden zwischen 1920 und 1930 von namhaften Schnitzern angefertigt. Bei der Vertreibung der Sudetendeutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges musste auch die Familie Kindermann ihre Heimat verlassen. Unter dramatischen Umständen ging der Vater Josef Kindermann mit seinem 14-jährigen Sohn Karl noch mehrfach schwarz über die Grenze zurück, um die Krippe vollständig mitzunehmen. Bei Kriegsende, mit dem Verlust der Heimat vor Augen, war es dem Vater sehr wichtig, dieses Stück Heimat mit ins neue Leben zu nehmen.

Nach dem Tod von Pfarrer Karl Kindermann konnte Bischof Rudolf die Krippe erwerben. Bei der Eröffnung war Karl Kindermanns Schwester Ottilie Diesner mit ihrem Mann Georg und ihrer Tochter dabei. Zur Freude der Gäste erzählte sie aus eigenem Erleben.

Christbaumständer mit Krippenszenen, Material Gusseisen, aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

Krippen aus der Region

Weitere Leihgeber erzählten über ihre Krippen. So hat Ulrich Frey, der ehemalige Arzberger Gemeindereferent, seine Kathedralkrippe ausgestellt. Es ist eine allseitig gestaltete Jahreskrippe mit reichem Figurenprogramm. Sie hat einen Dachaufsatz, auf dem Gottvater mit Moses und den Gesetzestafeln dargestellt ist. Hans Zölch, Leiter des Stiftwaldmuseums Waldsassen, hatte einen Christbaumständer mit Krippenszenen dabei. Eine drehbare Papierkrippe mit sechs Ansichtsseiten mit verschiedenen Szenen stammt ebenfalls aus seinem Museum. Auch der Pullenreuther Sammler Karl Schenkl war bei der Eröffnung anwesend. Im Jahr 2014 konnte die Stadt rund 2400 handgefertigte Krippenfiguren von ihm ankaufen.

Eine weitere Besonderheit ist die Krippe der Alexander-von-Humboldt-Mittelschule Marktredwitz. Zwei Schülergruppen haben sie unter der Anleitung des Marktredwitzer „Kripperer“ Albin Artmann und ihrer Fachlehrer Raimund Zeitler und Kerstin Köstler-Grunert gebaut. Rektor Andreas Wuttke, Raimund Zeitler und zwei Schüler stellten Bischof Rudolf ihre Krippe selbst vor. „Das ist wunderbar“, kommentierte der Bischof. „Vielleicht habt ihr ja Lust dranzubleiben. Wir brauchen Nachwuchs, um die Krippentradition aufrecht zu erhalten.“

Bischof Rudolf betrachtet aufmerksam die ihm von Albin Artmann geschenkte Stockschwammkrippe.

"Krippenkultur" als wichtiger Baustein der Evangelisierung

Mit den Krippenszenen könne man, so der Bischof, auf einfache und ästhetische Weise die Heilsgeschichte vermitteln. Früher konnten die einfachen Menschen kaum schreiben oder lesen. So wurden Kirchen mit Gemälden und Figuren ausgestattet, die nicht nur als Schmuck, sondern auch zur Verkündigung des Evangeliums dienten.

Wichtig ist Bischof Rudolf der Glaube, der hinter der Krippe zu finden ist. Ein Krippenbauer oder Krippensammler beschäftigt sich sehr genau mit der biblischen Geschichte, die hinter den Szenen steckt. Und dann setzt er das handwerklich oder beim Aufbau um. So könne das christliche Evangelium auf einfache Weise, sozusagen in leichter Sprache, allen Menschen verkündet werden.

 

Stockschwammkrippe als Geschenk

Albin Artmann überreichte dem Ehrengast ein besonderes Geschenk: Eine Stockschwammkrippe, die er selbst angefertigt hat. Eine Krippe aus diesem speziellen Material hatte der Bischof bisher noch nicht in seiner Sammlung.

Bischof Rudolf schreibt seine Freude und seinen Dank in das Besucherbuch des Klinikums.

Krippen erfreuen Kranke und ihre Besucher

Bischof Rudolf Voderholzer besuchte auch die Krippenausstellung im Klinikum Fichtelgebirge in Marktredwitz. Auch hier gab es für den Bischof viel zu bestaunen und gerne ließ er sich in die Besonderheiten und in die Geschichte der Exponate einweisen. Bischof Rudolf: „Hier kommen viele Menschen vorbei, die Trost und Hoffnung brauchen: Kranke und Besucher, aber auch die Mitarbeiter.“

 

Marktredwitzer Krippenweg

Der zweite Bürgermeister von Marktredwitz, Horst Geißel, bedankte sich herzlich beim Bischof und wies auf den am 27.12.2018 beginnenden Krippenweg hin, den die Stadt zum 30. Mal veranstaltet.