Vorbild im Glauben – Der Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll widersetzte sich den Nazis

07.08.2018

Vor 80 Jahren wurde Bischof Dr. Joannes Baptista Sproll von den Nationalsozialisten aus seiner Heimatdiözese Rottenburg vertrieben. Zuflucht fand er zunächst bei den Mallersdorfer Schwestern in Bad Wörishofen in der Diözese Augsburg. Dort in der Pfarrkirche St. Justina feierte Bischof Dr. Gebhard Fürst aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit seinem Amtsbruder Dr. Rudolf Voderholzer aus der Diözese Regensburg am 4. August 2018 ein Pontifikalhochamt zum Gedenken an Bischof Sproll, an das sich ein Festakt im Kneipp-Kurhaus St. Josef anschloss. An der Gedenkveranstaltung nahmen Gläubige aus allen drei Diözesen teil.

 

 

Leiterin des Mehrgenerationenhauses in Bad Wörishofen Ilse Erhard, Stephan Stracke MdB, Bundesfinanzminister a.D. Theo Waigel, Zweiter Bürgermeister von Bad Wörishofen Stefan Welzel, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (Regensburg), Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer mit Ehefrau Marlies und Robert Antretter MdB a.D. haben an der Gedenkveranstaltung für den Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll teilgenommen.

Mutiges Eintreten gegen die Nationalsozialisten

„Auch in Zeiten tiefster Dunkelheit hat er nicht vom Vertrauen auf Gott gelassen“, lautet die Inschrift auf dem Bronze-Relief am Haupteingang des Bad Wörishofer Kneipp-Kurhauses St. Josef, das von den Mallersdorfer Schwestern geführt wird. Es wurde 2013 zur Erinnerung an Joannes Baptista Sproll angebracht, den Bischof aus der Nachbardiözese Rottenburg, der aufgrund seines mutigen Eintretens gegen die Nationalsozialisten im Volk den Ehrentitel „Bekennerbischof“ erlangte. Schon lange vor 1933 war er von der Schädlichkeit des Nationalsozialismus überzeugt: er studierte das Parteiprogramm und las „Mein Kampf“. Durch seine unmissverständlichen Worte auf Großveranstaltungen und Bischofstagen in der ganzen Diözese, zog er den Zorn der Nationalsozialisten auf sich. Am 10. April 1938 blieb er demonstrativ der Abstimmung über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und der damit gekoppelten Wahl zum „Großdeutschen Reichstag“ fern – als einziger Rottenburger Bürger und als einziger Bischof Deutschlands. Dies brachte das Fass zum Überlaufen. Die NSDAP inszenierte wiederholt Kundgebungen vor dem Ordinariat, wobei die meisten Demonstranten eigens mit Lastwagen gebracht worden sind. Die aufgehetzte Menge stürmte das Ordinariat und verwüstete das Bischofshaus. Am 24. August 1938 schließlich wies die Gestapo Bischof Sproll aus dem Gebiet Rottenburg und Hohenzollern aus. Stationen seiner Flucht waren unter anderem Freiburg, Bad Dürrheim, Donaueschingen, Konstanz, Lindau, München, Bad Wörishofen, St. Ottilien (2 Jahre) und Krumbad (4 ½ Jahre).

Es trafen sich der bayerische Staatsminister Franz Josef Pschierer, Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg) und der Zweite Bürgermeister von Bad Wörishofen Stefan Welzel.

Ein Unbekannter in zerschlissener Kleidung klopfte ans Fenster

In der Chronik „Kneipp-Kurhaus St. Josef, Mallersdorfer Schwestern, Bad Wörishofen“ zeichnete der Historiker Karl Pörnbacher ausführlich die Erinnerungen von Schwester Godehardis Binder auf: Die Gestapo hatte die Schwestern schon länger im Visier, und als eines Abends jemand ans Fenster klopfte, rechneten sie mit ihrer Verhaftung. Doch vor der Tür stand lediglich ein Unbekannter in zerschlissener Kleidung mit zerrissenen Schuhen, der darum bat, „die Oberin in einer ganz geheimen Sache zu sprechen“. Die Oberin erkannte in dem Fremden sofort Bischof Sproll, der früher schon als Kurgast im Josefsheim gewesen war. Das Wiedersehen und sein geschwächter Zustand rührten sie zu Tränen, und sogleich wurde ihm ein Bett hergerichtet. Neun Tage konnte der Bischof, der aus Sicherheitsgründen nur „Bruder Johannes“ genannt wurde, im Josefsheim bleiben. In dieser Zeit päppelten ihn die Schwestern wieder einigermaßen hoch und behandelten seine geschwollenen Beine und offenen Zehen. Erst an Fronleichnam 1945 kehrte Bischof Sproll in seine Bischofsstadt zurück, im Schutz der französischen Befreier. 15 000 Frauen und Männer standen Spalier und empfingen den einst vom NS-Regime zum »Volksfeind« Erklärten mit Triumph. Während der sieben Jahre Exil ist er schwer erkrankt und war beinahe gelähmt. Bischof Sproll starb am 4. März 1949.

2012 wurde das Seligsprechungsverfahren für Joannes Baptista Sproll eröffnet

Bischof Dr. Gebhard Fürst ist es ein großes Anliegen, das Andenken seines mutigen Vorgängers in der Diözese Rottenburg-Stuttgart angemessen zu würdigen. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass 2012 das Seligsprechungsverfahren für den Glaubenszeugen Joannes Baptista Sproll eröffnet wurde. In der Festpredigt beim Pontifikalamt in Bad Wörishofen rief er dessen mutige Haltung in Erinnerung, der „unter den deutschen Bischöfen, neben dem seliggesprochenen Kardinal Clemens August von Galen, der Einzige war, der den nationalsozialistischen Machthabern öffentlich, eindeutig und entschieden die Stirn geboten hat.“ Getreu seines Wahlspruchs „Fortiter in fide“ – „Tapfer im Glauben“ setzte Bischof Sproll sich stets vehement für seine Überzeugung ein und prangerte schon frühzeitig „die nationalsozialistische Ideologie, die Euthanasieprogramme, den Rassenwahn und auch die Christen- und Kirchen- und Religionsfeindlichkeit des Regimes an.“

 

Fürsprecher für alle, die unter den Folgen von Flucht und Vertreibung leiden

Bischof Gebhart Fürst sieht in seinem Amtsvorgänger ein beeindruckendes Vorbild, „in einer Zeit, in der Werte erneut zusammenzubrechen drohen. Bischof Sproll ist Zeuge und Bekenner für Barmherzigkeit gegenüber behindertem und versehrtem Leben; er ist Mahner für ein respektvolles Miteinander der Religionen in unserem Land und er ist Zeuge und Fürsprecher für alle, die unter den Folgen von Flucht und Vertreibung leiden und um ihr Leben fürchten.“

Regensburg – Mallersdorf – Bad Wörishofen

Beim Festakt im Kneipp-Kurhaus St. Josef überreichte die Generaloberin der Mallersdorfer Schwestern, Sr. M. Jakobe Schmid, Bischof Gebhart Fürst einen Auszug aus der Klosterchronik des Mutterhauses in Mallersdorf, aus dem hervorgeht, dass Bischof Sproll im April 1940 auch dort zu Gast gewesen ist – eine Tatsache, über die sich auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer freut, wie er in seinem anschließenden Grußwort bemerkte. Er sprach zunächst seinem Mitbruder aus Rottenburg-Stuttgart und dessen Mitarbeiterstab seinen Dank dafür aus, dass diese „die Erinnerung an den mutigen Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll lebendig halten“. Die bevorstehende Gedenkveranstaltung hatte er zum Anlass genommen, sich erneut in die damaligen Kirchen- und Polizei-Akten zu vertiefen. Er zeigte sich erschüttert darüber, „mit welcher Härte, mit welcher Brutalität der Kirchenkampf geführt wurde“ und erinnerte an Dachau, das ab 1941 das größte Priestergefängnis aller Zeiten gewesen sei. Eine zweite Danksagung richtete sich an die Schwestern. Es erfüllt Bischof Voderholzer mit Freude, dass das Bistum Regensburg „über die Verbindung Regensburg – Mallersdorf – Bad Wörishofen ein wenig in diese ehrenhafte Geschichte von Bischof Sproll eingebunden“ ist.

Um den Namen „Bischof Sproll“ unter Musikliebhabern bekannt zu machen, komponierte Sanni Risch aus Bad Wörishofen ein Musikstück mit diesem Titel. Die Partitur überreichte sie Bischof Dr. Gebhard Fürst.

Bischof Voderholzer: „Lassen Sie uns die Stimme erheben überall dort, wo gegenwärtig die Religionsfreiheit unterdrückt wird.“

Wie sein Mitbruder Gebhard Fürst stellt Bischof Voderholzer den Bezug zur aktuellen Situation her: „Möge die Erinnerung an die Bekenner und Märtyrer – in unserem Falle die Erinnerung und das Gedenken an Joannes Baptista Sproll – unseren Blick schärfen für alle gegenwärtigen Herausforderungen! Lassen Sie uns die Stimme erheben überall dort, wo gegenwärtig die Religionsfreiheit unterdrückt wird!“

Die Festrede hielt der Rottenburger Offizial und Domkapitular Thomas Weißhaar, der sich als Bischöflicher Beauftragter für das Seligsprechungsverfahren für Joannes Baptista Sproll intensiv mit dessen Leben befasst. Zum aktuellen Stand des Verfahrens wollte er sich nicht äußern. Im Mittelpunkt der Rede stand das Leben, die Person Bischof Sproll, und seine bleibende Mahnung und Botschaft auch für heute.

Ein Blasmusikensemble unter der Leitung der Bad Wörishofer Komponistin Sanni Risch überraschte die Festgäste mit der Uraufführung von „Bischof Sproll“. Die Partitur dazu überreichte sie Bischof Gebhard Fürst mit den Worten „das ist ein kleiner Beitrag von mir, diesen Namen „Bischof Sproll“ und seinen Mut auch auf dieser Ebene unter die Leute zu bringen.“

Gebet um die Seligsprechung von Joannes Baptista Sproll

Herr Jesus Christus,

du hast deinen Diener Joannes Baptista Sproll
mit Mut zur Wahrheit und mit einer großen Liebe zum Menschen erfüllt.

Im festen Glauben und in der Treue zu seinem Gewissen
hat er ein entschiedenes Nein zum Nationalsozialismus
und zum trügerischen Wahn des Rassismus gesagt
und ist so für die Kirche zum Bekennerbischof geworden.
Er hat sich selbst und sein Leben nicht geschont
und Verbannung und schwere Leiden auf sich genommen.

Wir bitten dich:

Zeige ihn der Kirche als Seligen, damit er vielen den richtigen Weg weise.
Lass sein Vorbild leuchten in unsere Zeit und schenke uns auf seine Fürsprache Kraft,
für die Wahrheit des Glaubens einzutreten
und für den Dienst an den Menschen auch Schweres auf sich zu nehmen.
Dir sei Ruhm und Ehre
mit dem Vater
und dem Heiligen Geist
jetzt und allezeit und in Ewigkeit.

Amen.