„Werft die Netze aus!“ – Gebet um geistliche Berufung beim Nightfever im Regensburger Dom

12.05.2019

Das "Nightfever" im Dom St. Peter läutete am Samstagabend für das Bistum Regensburg den Beginn der bundesweiten Aktion "Werft die Netze aus!" ein: Das 24 Stunden-Gebet um geistliche Berufungen. In Kooperation mit der Abteilung Berufungspastoral feierten die Gläubigen mit Anbetung, Lobpreis und der Bitte an den Herrn, seiner Kirche viele und gute Priester, Diakone, Ordensleute, pastorale Mitarbeiter und engagierte Weltchristen zu schenken, die deutschlandweite Initiative. Das Allerheiligste, das auf dem Altar in der Kathedrale seinen Platz fand, wurde nachts nach St. Johann übertragen, um dort die Anbetung fortzusetzen. Verschiedene Gruppen übernahmen die Gestaltung der Gebetszeiten, bis am Sonntagnachmittag die Gebetsaktion endete. Zuvor feierten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von Jugend 2000 ein Pontifikalamt mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer im Dom St. Peter. Groß war die Schar der Ministranten, denn aus Steinberg am See waren 20 Mädchen und Jungen angereist, um zur großen Freude von Bischof Rudolf den Dienst am Altar zu gestalten.

Bischof Rudolf Voderholzer feierte mit den Gläubigen die Heilige Messe.

Es ist interessant, hob Bischof Voderholzer in seiner Predigt hervor, dass Jesus im Zusammenhang mit seinem Bemühen um die Sammlung der Menschen, der Berufung seiner Jünger, zwei Begriffe verwendet, die im weitesten Sinne aus dem agrarischen Bereich stammen. Heute sind sie freilich nicht auf den ersten Blick leicht verständlich, können sogar missverständlich sein. Versteht man sie aber richtig, ergeben sie einen wunderbaren Sinn: Das erste ist das Wort vom "Hirten". Jesus nennt sich selber den guten Hirten und er beruft die Jünger zum Hirtendienst. Das andere ist das Wort vom "Menschenfischer". Woran sich auch der Auftrag anlehnt: "Werft die Netze aus!" erklärte der Bischof.

In Körbchen lagen Zettel mit Bibeltexten zum Mitnehmen bereit.

 

Jesus macht sich für uns zum Opferlamm

Das Wort vom Hirten ist im biblischen Zusammenhang ein alter Titel für den König. Es gehe aber nicht um das Abhängigkeitsverhältnis der "dummen Schafe" zum Hirten. Hirte sein heiße nicht, andere zu Schafen zu machen. Der Vergleichsgrund ist der: Der Hirte ist derjenige, der die Lebensgrundlagen eröffnet. Der Hirte kennt die guten Weideplätze. Er kennt die Wasserstellen. Die Höhlen, bei denen man sich bei Unwetter unterstellen kann, um geschützt zu sein. Und im Falle Jesus komme hinzu, dass er als der gute Hirte sogar sein Leben für die seinen hingibt. Er nimmt nicht Reißaus, wenn Gefahr für seine Herde droht. Auch die Lesung des Tagesevangeliums aus der Offenbarung des Johannes zeigt, dass es sogar noch einen Schritt weiter geht: Jesus der gute Hirte macht sich selber zum Lamm - zum Opferlamm. Das Lamm weidet die Schafe. Jesus der gute Hirte macht nicht andere zu "dummen Schafen": "Er macht sich selber zum Opferlamm, um uns mit seinem göttlichen Leben zu beschenken, so Bischof Rudolf.

Das passiert letztlich auf der Weide des Altares, um die wir uns jetzt von ihm gerufen, versammelt haben. Das ist der tiefste Sinn der Worte vom guten Hirten. Er gibt sein Leben hin als das Lamm Gottes", erklärte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Auf diese Weise nährt Jesus uns, eröffnet uns Lebenshorizonte hin zum ewigen Leben. Wer in den Dienst des guten Hirten tritt, der tritt ihn an mit der Sehnsucht, die Lebenssuche anderer Menschen aufzunehmen und sie hinzuführen durch sein Wort. Sie durch sein Beispiel hinzuführen zu den wahren Quellen des Lebens. Durch das eigene Beispiel zu zeigen, dass Gebet, Kontemplation, Hören auf das Wort Gottes nahrhaft ist und uns eine tiefe Freude, einen tiefen Frieden ins Herz zu schenken vermag, betonte der Bischof in seiner Predigt.

Kerzen erleuchteten das Kirchenschiff der Kathedrale.

 

Der Menschenfischer führt uns in die wahre Freiheit

Das Wort vom Menschenfischer dürfte original von Jesus stammen. Es ist vor der neutestamentlichen Literatur nicht bezeugt, so Bischof Rudolf weiter. Vermutlich hat Jesus dieses Wort vom Menschenfischer in dem Augenblick neu gebildet, als er am See Genesareth die ersten Jünger, die vom Beruf Fischer waren, in seine Nachfolge gerufen hat: Simon und Andreas, Jakobus und Johannes. "Ich werde euch zu Menschenfischern machen", sagt Jesus. Nimmt man das beim Wort, so hat es seine Tücken. Denn für die Fische ist das nicht immer übermäßig erfreulich, aus ihrem Lebenselement herausgerissen zu werden. Die Perspektive ist dann doch meist die Pfanne oder der Grillrost, führte der Bischof schmunzelnd an.

Mädchen und Jungen aus Steinberg am See ministrierten.

 

Die frühen Interpreten vom Wort des Menschenfischers machten auf einen wichtigen Sachverhalt und wichtigen Unterschied aufmerksam: Während die Fische im See oder einem Fluss von einem Fischer herausgezogen und damit ihrem Lebenselement entrissen werden, werden diejenigen, die von den Menschenfischern aus ihrem Wasser gezogen werden, in die wahre Freiheit, in das Licht , das richtige und ewige Leben erst hineingeführt. "Um welchen Vorgang handelt es sich dabei?", fragte Bischof Voderholzer:  "Es geht dabei um die Taufe. Das Taufbecken ist unser Fluss, unser See Genesareth. Wer einem Menschenfischer ins Netz geht, der wird im Wasser der Taufe mit Jesus Christus gleichgestaltet. Zu neuen Leben aus dem Wasser der Taufe herausgezogen", so Bischof Rudolf Voderholzer abschließend.

 

 

Der Chor von Jugend 2000 gestaltete den Gottesdienst und die Gebetsstunde musikalisch.

 

Ein Licht für meine Anliegen

Im Anschluss an die heilige Messe trug Gerhard Pöpperl, Direktor der Abteilung für Berufungspastoral, das Allerheiligste zum Altar. Die Organisatoren von Jugend 2000 bauten die Altarinsel kurzerhand um: Kerzen wurden drapiert, Körbe mit Psalmen zum Mitnehmen in deutscher und englischer Sprache aufgestellt. Am Eingangsbereich konnten die Dombesucher Anliegen auf Zettel schreiben und diese in eine Urne ablegen. Jeder konnte sich eine Kerze nehmen, diese vor dem Altar entzünden und beim stillen Gebet dort abstellen. Die Band von Jugend 2000 gestaltete die Gebetsstunden mit ruhigen, meditativen Gesängen und Gebeten. An mehreren Orten im Dom konnte man das Gespräch mit anderen Gläubigen suchen oder durch einen Priester das Sakrament der Versöhnung empfangen. So mancher Dultbesucher fand sich auch in der Kathedrale ein. Denn die Jugendlichen luden die Passanten am Domplatz unverbindlich ein, auch an der Gebetsstunde teilzunehmen.

 

 

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