Deutsches Jugendchorfestival in Regensburg: Gesang der Mädchen und Jungen öffnet die Herzen der Menschen

09.07.2017

3 Tage, 46 Chöre, 1.200 Sängerinnen und Sänger. Von Freitag bis Sonntag feierten die Pueri Cantores Chöre das Deutsche Jugendchorfestival 2017 in Regensburg. Von Freitag bis Sonntag tauschten sich die Jugendlichen aus ganz Deutschland miteinander aus, sangen gemeinsam, schlossen neue Freundschaften und erkundeten die Domstadt. Viel war für alle geboten:

Angefangen von der großen Begrüßungsveranstaltung im Audimax der Universität, wo neben einem Konzert des Vokalensembles „Singer Pur“ ein Abendlob mit Bischof Rudolf Voderholzer mit Tauferinnerung gefeiert wurde, einem Teilnehmerkonzert im Dom St. Peter mit den Regensburger Domspatzen, dem Jugend-Kathedral-Chor aus Fulda, dem Osnabrücker Jugendchor und dem Jugendkammerchor der Singschule Koblenz, einem ökumenischen Friedensgebet in der evangelisch-lutherischen Dreieinigkeitskirche bis hin zum Höhepunkt in der Regensburger Kathedrale am Sonntag, als nochmals alle Chöre zusammen die Liturgie zum gemeinsamen Abschlussgottesdienst mit Bischof Rudolf musikalisch gestalteten. Aber auch für die Regensburger gab es die Möglichkeit, den jungen Menschen zu begegnen, denn am Samstag präsentierten sich zahlreiche Chöre in kostenlosen Konzerten in verschiedenen Kirchen und Einrichtungen der Stadt.

„Wenn Du mit 1.200 anderen singst, ist das einfach überwältigend“

Marie (17 Jahre) und Leonie (16 Jahre) sind aus Nordrhein-Westfalen nach Regensburg gereist. Es ist bereits ihr zweites Jugendchorfestival, denn sie waren bereits in Paris und trafen dort Chöre aus der ganzen Welt. Von Regensburg sind sie ganz angetan, denn „in den vielen kleinen Gassen kann man sich richtig verlaufen und fühlt sich wie in einem Mittelalterfilm“. In den vergangenen Tagen lernten sie selbstverständlich auch Mädchen und Jungen von anderen Chören kennen. Handynummern wurden ausgetauscht und Freundschaftskontakte auf facebook „geaddet“. Besonders beeindruckt hat sie aber die Akustik im Dom, als sie zum Abschluss nochmal zusammen mit allen Chören singen konnten: „Das ist einfach überwältigend, wenn du die Lieder, die wir zuhause geprobt haben, plötzlich mit 1.200 anderen Jugendlichen singst“.

Aber nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für die Erwachsenen, die Chorleiter, ist das Deutsche Jugendchorfestival eine Bereicherung, weiß Karl-Heinz Liebl, Diözesanvorsitzender von Pueri cantores Regensburg und gleichzeitig Chorleiter bei den Regensburger Domspatzen: „Das ist wie eine Börse. Man schaut was die anderen machen und tauscht sich aus. Was gibt es beispielsweise für neue Erkenntnisse in der Stimmbildung. Dieser Austausch ist sehr wichtig!“

Lachender Engel freut sich heute noch einmal mehr als sonst!

Der große Abschlussgottesdienst mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer im Regensburger Dom war auch für die meisten anderen Akteure der Höhepunkt des dreitägigen Festivals. In den Seitenschiffen wurden extra zusätzliche Sitzplätze aufgebaut, damit alle Sängerinnen und Sänger unterkommen konnten, mehrere Leinwände, auf denen die liturgische Feier übertragen wurde, sorgten dafür, dass jeder das Geschehen im Altarraum miterleben konnte. Für alle Zuhausegebliebenen konnte der Gottesdienst via Live-Stream im Internet mitverfolgt werden. Sichtlich bewegt sprach auch Bischof Rudolf Voderholzer  in seiner Predigt zu den jungen Chormitgliedern. Dazu stieg er extra die Altarstufen hinab und stellte sich für alle gut sichtbar in die Vierung des Domes, flankiert vom lachenden Engel und der Jungfrau Maria, die die Vierungssäulen zieren: „Juble Tochter Zion, jauchze Tochter Jerusalem. Mit diesen Worten ruft der Prophet Sacharja im Auftrag des Herrn sein Volk Israel auf, den erwarteten, den kommenden Friedensbringer zu begrüßen.“

Diese Worte seien, so der Bischof, in besonderer Weise in der Kunst umgesetzt worden: „Nämlich hier oben beim lachenden Engel. Viele Menschen kommen aus der ganzen Welt, um allein diesen lachenden Engel zu sehen. Er strahlt über das ganze Gesicht. Aber warum freut er sich? Er hat den Grund der Freude auf dem Spruchband „Ave Maria gratia plena“ (Gegrüßest seist Du, Maria, voll der Gnade)“, erklärte Bischof Rudolf den Jugendlichen. Hinter dem „Ave Maria“ verberge sich dasselbe Wort in griechischer Sprache, das der Prophet im Auftrag Gottes schon 500 Jahre zuvor seinem Volk Israel zurufen durfte. Aber jetzt werde es Wirklichkeit. Jetzt komme tatsächlich der ersehnte Heilsbringer. Und der Engel Gabriel darf es der Gottesmutter ankündigen. Auch hier im Regensburger Dom sei die Adressatin dieses Ausrufs die Gottesmutter, die genau gegenüber dem lachenden Engel angebracht ist. Maria ist die Tochter Zion und die Tochter Jerusalem in Person. Und sie nimmt diese Botschaft gläubig entgegen.

Bischof Rudolf: „Ihr verstärkt und bekräftigt die Frohe Botschaft“

„Liebe junge Freunde, ich bin mir sicher, der Engel Gabriel freut sich heute noch einmal mehr, weil er das erleben darf: Dass seine frohe Botschaft von Euch allen verstärkt, unterstrichen und bekräftigt wird. Ja, ihr dürft wie der Engel Gabriel diese frohe Botschaft hinaustragen. Jubelt! Freut Euch! Der Retter ist da! Ich wünsche Euch, liebe Sängerinnen und Sänger, dass ihr etwas mitnehmt aus Regensburg von der Freude des lachenden Engel. Und dass ihr überall dort, wo ihr berufen seid, mit Eurem Singen dem Gottesdienst Glanz, Schönheit und Würde zu verleihen, dass ihr dort auch diese Freude verbreitet und das Licht, das Jesus Christus bringt“, so Bischof Rudolf Voderholzer in seiner Predigt abschließend.

 

„Ihr seid berufen durch die Taufe“

Bereits beim Abendlob am Begrüßungsabend lobte Bischof Rudolf das Engagement der Mädchen und Jungen und bedankte sich bei ihnen für ihren Dienst als Kirchenchorsänger: „Ich halte das Singen der Chöre in der Kirche für eines der allerwichtigsten Dienste überhaupt. Viele Menschen haben kein Verhältnis mehr zum gemeinsamen Gottesdienst. Wer über das Singen der Texte der heiligen Schrift, die Psalmen und Hymnen in sich aufnimmt, der wird merken, was das für eine wunderbare Sache ist. Als getaufte und gefirmte Sängerinnen und Sänger habt ihr eine wesentliche Rolle: Eine entscheidend wichtige Aufgabe bei der Feier des Gottesdienstes. Ich kann Euch nur aufrichtig danken, dass ihr die Freizeit für die Proben opfert, und dass ihr in den verschiedenen Kirchen dazu beitragt, dass die Feier des Gottesdienstes zu einem Erlebnis wird, das auch anderen zu Herzen geht. Dazu seid ihr berufen durch die Taufe, in der Euch der Heilige Geist geschenkt worden ist“, so der Regensburger Bischof.

Info „Pueri Cantores“ – 16.000 Sänger deutschlandweit

In Deutschland trägt der Diözesanverband von Pueri Cantores mit Sitz in Köln seit 1951 zur Belebung der Welt umspannenden kirchenmusikalischen Bewegung bei. In den mehr als 400 deutschen Chören sind über 16.000 junge Sängerinnen und Sänger engagiert. Der von Karl-Heinz Liebl seit 2014 geführte Regensburger Teilverband umfasst rund 1.500 Stimmen in 37 Chören. Die Regensburger sind somit nach Köln und Freiburg drittgrößter Verbund von „Pueri Cantores“ – und nun Gastgeber des Deutschen Jugendchorfestivals.

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Bildnachweis: Fotos 1, 2 und 3 sowie Bildergalerie, Michael Vogl