Ein Blick in die Ewigkeit – Bischof Voderholzer spricht beim Akademischen Forum Albertus Magnus über das Werk Olivier Messiaens zwischen Theologie und Musik

19.03.2015

Am Mittwochabend hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer im Rahmen des Akademischen Forums Albertus Magnus zum Thema „'Musik des Unsichtbaren': Der Komponist Olivier Messiaen am Schnittpunkt von Theologie und Musik“ gesprochen. Dabei machte der Regensburger Bischof die intensive Beziehung zwischen dem katholischen französischen Komponisten Messiaen und dem Schweizer katholischen Theologen Hans Urs von Balthasar deutlich.

Von Balthasar wirkte als einer der prominentesten Vermittler von französischer Kultur und Theologie in den deutschen Sprachraum hinein. Papst Johannes Paul II. ernannte den feinsinnigen Ästheten kurz vor seinem Tode 1988 zum Kardinal. Messiaens Inspiration durch von Balthasar ist noch nicht erschöpfend erforscht. Bischof Voderholzer, selbst Übersetzer maßgeblicher Werke des französischen Theologen Henri de Lubac, Vertreter der „Nouvelle Théologie“, zeigte dafür wegweisende Konturen auf.

Der Abend wurde in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik veranstaltet. An den Vortrag schloss sich eine Aufführung Messiaens Werk „Quatuor pour la fin du temps“ an, das durch das Streichquartett der Hochschule auf höchstem Niveau inszeniert wurde. Es musizierten Verena Sommer, Michael Wolf, Ricarda Roelke und Christine Lindermeier.

Eine selten dargebotene Kombination aus Kunst und Theologie bestimmte den Abend  – zwei Bereiche, die auch der Komponist und Organist Olivier Messiaen in seinem Schaffen vereint hatte. Wenn er von sich selbst sagte, „Je suis né croyant“ – er sei demnach gläubig auf die Welt gekommen – , wird deutlich, in welchem Maße er sich bereits in jungen Jahren dem Glauben verpflichtet hatte, der für ihn zeitlebens eine Stärkung war. Wegweisend für das Wirken und Schaffen „des theologisch hochgebildeten Musikers und Laienapostels“ – so verdeutlichte Bischof Voderholzer in seinem Vortrag – wurde der Einfluss eines andererseits „überaus musischen Theologen und Priesters“: Hans Urs von Balthasar.

Für Messiaen, der sich mit von Balthasars Schriften ausgiebig befasste, wurde er spiritueller und theologischer Wegbegleiter. Von dessen metaphorischen Verständnis der Wahrheit als Symphonie, als Zusammenklang des legitimen Pluralismus innerhalb der Theologie sowie von seinem Fokus auf eine theologische Ästhetik, die er mit dem Begriff der „Herrlichkeit“ bezeichnete, lassen sich erste Verbindungslinien zu Messiaen ziehen. Für ihn galt es, eine derartige Herrlichkeit auch durch seine Werke zu vermitteln. Statt den Fokus auf Trauer und Bittgebete zu legen, standen für ihn Auferstehung und Himmelfahrt Christi – die Herrlichkeit – im Vordergrund.

Das im Anschluss an den Vortrag aufgeführte Werk Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“ („Quartett zum Ende der Zeit“), das er in harschen Zeiten der Gefangenschaft komponiert und, indem er selbst am Klavier saß, uraufgeführt hatte, sah der Künstler als direkt von der apokalyptischen Offenbarungsschrift des Johannes inspiriert. Es besteht aus acht Sätzen, die die Sieben, die Zahl der Schöpfungstage Gottes, übersteigen, und verweist damit auf die vollkommene Herrlichkeit der Ewigkeit. 

Das durch den Diözesanbischof im vergangenen Jahr ins Leben gerufene Akademische Forum bietet unter der Leitung von Diakon Prof. Dr. Sigmund Bonk auch weiterhin erstklassige Vorträge an der thematischen Kreuzung von Kirche, Wissenschaft und Gesellschaft. Die nächste Veranstaltung findet am Donnerstag, 23. April 2015, statt. Prof. Dr. Stefan Bauberger SJ spricht zum Thema „'Kosmische Feinabstimmung'. Naturkonstanten als Hinweise auf Gott?“.

WANN? 19.30 Uhr

WO? Saal des Naturkundemuseums Ostbayern, Am Prebrunntor 4, Regensburg

Sie sind herzlich eingeladen! Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Akademischen Forums www.albertus-magnus-forum.de