Ein Jahr „Ostkircheninstitut der Diözese Regensburg“ – Direktor P. Dietmar Schon OP über die ersten 365 Tage

22.09.2017
Regensburg, 24. September 2016: Bischof Rudolf Voderholzer ernennt P. Dr. Dietmar Schon OP zum Direktor des "Ostkircheninstituts der Diözese Regensburg". Beiden liegt der Dialog mit den orthodoxen und orientalischen Schwesterkirchen am Herzen

Seit genau einem Jahr widmet sich das „Ostkircheninstitut der Diözese Regensburg“ dem akademischen und persönlichen Austausch von Christen in Ost und West. Am 24. September 2016 gründete Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Einrichtung und ernannte den Dominikanerpater und Ostkirchenexperten Dr. Dietmar Schon zu dessen Gründungsdirektor.

Und im ersten Jahr seines Bestehens ist bereits viel im Ostkircheninstitut geschehen, wie Direktor Schon im Gespräch erzählt.

 

„Ökumene ist keine Einbahnstraße!“ Interview mit P. Dietmar Schon OP


P. Dietmar, wie sehen Sie im Rückblick die ersten 365 Tage des von Ihnen geleiteten Ostkirchenstituts?

P. Dietmar Schon: Das erste Jahr seit Errichtung des Instituts hat die Hoffnung bestätigt, dass eine solche Einrichtung gebraucht wird und ihren Platz im Bemühen um ökumenische Verständigung finden kann. In vielen Gesprächen und Begegnungen bin ich ermutigt worden; daraus haben sich erste Projekte und Weichenstellungen ergeben. So haben sich z.B. die Anknüpfungspunkte „Universität“ und die ostkirchenkundliche/ ökumenische Ausrichtung durchaus bewährt: sie haben Kooperationen des Ostkircheninstituts mit anderen Einrichtungen den Weg bereitet. Das wiederum ist ein bescheidener, aber doch notwendiger Beitrag zu einer Vernetzung zwischen Ost und West, zu Querverbindungen zwischen Ostkirchen und Römisch-Katholischer Kirche. Ökumene ist keine Einbahnstrasse! Forschung und Lehre, die kirchenübergreifend Kenntnisse erweitern und Bewusstsein für „die anderen“ bilden, finden sowohl im Osten wie im Westen statt. Man muss allerdings davon erfahren und damit umgehen. Das Ostkircheninstitut hilft bei dieser Vermittlung in beide Himmelsrichtungen mit. 

An welche Ereignisse, Projekte und Begegnungen der vergangen Monate denken Sie besonders gern zurück?

Ein prägende Erfahrung war sicher die Einladung zu einem Aufenthalt in Bulgarien im Mai diesen Jahres. Ich konnte an der orthodoxen Fakultät der Universität Sofia eine Gastvorlesung halten und meinerseits viel über die bulgarische Orthodoxie lernen, auch über ihre wissenschaftlichen und geistlichen Einrichtungen. Dass mich Patriarch Neofit zu einem ausführlichen Gespräch empfangen hat, war für mich eindeutiger Höhepunkt der Reise. Dabei hat er den Wunsch seiner Kirche zum Ausdruck gebracht, mit dem Ostkircheninstitut zusammenzuarbeiten und so einen wissenschaftlich fundierten Austausch zu fördern, ganz im Sinn der angesprochenen Vermittlung von Ost nach West und umgekehrt. In dieselbe Richtung wiesen Gespräche mit Professoren der Fakultät und Besuche in den beiden wichtigsten geistlichen Zentren des Landes, dem Rila-Kloster und dem Backovo-Kloster; ich war beeindruckt, wie gerade diese in kommunistischer Zeit arg bedrängten Klöster ihren Weg in der sich entwickelnden bulgarischen Gesellschaft suchen und ihren historischen Auftrag als orthodoxe Zentren in neuen Formen gestalten. Wichtige Impulse habe ich aber nicht nur aus Bulgarien mitgebracht, sondern auch bei vielen anderen Gesprächen und Begegnungen im In- und Ausland erhalten, nicht zuletzt am Rand von Tagungen, an denen ich teilgenommen habe. Die sich bietenden Möglichkeiten aufzugreifen und zu entfalten, ist aktuelle und zukünftige Aufgabe.  

Fördert den Austausch von Christen in Ost und West: P. Dr. Dietmar Schon OP

Hat sich mit der Neugründung des Ostkircheninstitus bewahrheitet, dass Regensburg als Ort der ökumenischen Begegnung und Verständigung zwischen katholischen und orthodoxen sowie orientalischen Christen gelten kann?

Die bloße Existenz eines Instituts reicht dazu sicher nicht aus. Es geht um Menschen und ihren lebendigen Austausch über Kirchengrenzen hinweg. Das Institut kann dafür Räume schaffen und tut es in Anfängen bereits: in Gesprächsforen ebenso wie in Einzelgesprächen, durch Beratung in ostkirchlichen Fragen, in Vorträgen, bei Besuchen auswärtiger Akademiker und Geistlicher. Man kann Zentren ökumenischer Begegnung und Verständigung nicht einfach „machen“. Mit  Blick auf die Ostkirchen gesagt: Zentren entwickeln sich, wenn ostkirchliche Themen und Anliegen intensiv und von verschiedenen Seiten her aufgegriffen werden. Dazu bietet Regensburg zweifellos beste Voraussetzungen. Die Universität, das Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, das Ostkircheninstitut und andere Einrichtungen tragen dazu ebenso bei, wie die Präsenz von Studenten und Lehrkräften aus östlichen Ländern, nicht zu vergessen, natürlich die Präsenz von Gläubigen der Ostkirchen und ihre Gemeinden.   

Das Ostkircheninstitut wurde ja im vergangenen Jahr mit dem prominent besetzten Symposium „Dialog 2.0 - Braucht der orthodox-katholische Dialog neue Impulse?“ eröffnet. Jüngst sind die Beiträge der Tagung im ersten Band der Schriftenreihe des Instituts veröffentlicht worden. Welche Impulse gehen davon für Ihre Arbeit und für den Dialog zwischen westlichem und östlichem Christentum aus?

Beim Symposium sind vielfältige Kompetenzen und Erfahrungen eingeflossen. Bischof Rudolf hat sich auf das neue Ostkircheninstitut konzentriert und ihm wichtige Impulse mit auf den Weg gegeben. Kardinal Koch als Präsident des Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen hat ebenso wie Metropolit Elpidophoros (Ökumenisches Patriarchat) die grundsätzliche, weltweite Dimension von Ökumene, von orthodox-katholischer Verständigung, beleuchtet. Bischof Feige von Magdeburg hat als Vorsitzender der Ökumenekommission der DBK eine regionale Perspektive beigetragen; die weiteren Referenten haben wissenschaftliche Einsichten aus verschiedenen Kirchen und Fachbereichen, aber auch persönliche Erfahrungen dazugelegt. Dabei ist große Übereinstimmung zu Tage getreten, dass orthodox-katholischer Dialog unverzichtbar ist, dass er sich aber nicht darauf beschränken kann, eine vor Jahrzehnten vereinbarte theologische Agenda auf internationaler Ebene „abzuarbeiten“. Es braucht zusätzliche Anknüpfungspunkte und neue Ideen. Die Diskussionen und Gespräche beim Symposium haben gezeigt, dass interessante Perspektiven dazu wahrgenommen wurden und dass es sich lohnt, diese aufzugreifen. Der in diesen Tagen erschienene Tagungsband lässt nun einen viel größeren Personenkreis daran teilhaben; er lädt zu einer Entdeckungsreise in Sachen Ökumene und zur Vertiefung und Weiterentwicklung des bislang Erreichten ein. Das Ostkircheninstitut der Diözese Regensburg wird die ihm möglichen Beiträge dazu leisten, nicht zuletzt durch ein für 2018 geplantes 2. Symposium.

Die Fragen stellte Stefan Ahrens.