Ein Lebenswerk: Der Regensburger Dom und der Regensburger Kunsthistoriker Dr. Friedrich Fuchs

18.11.2016
Der Lachende Engel im Dom St. Peter.

„Ihn hat es immer wieder fasziniert: die Mimik, die Gestik des Lachenden Engels, der so menschlich daherkommt.“ Fragt man Museumsleiterin Dr. Maria Baumann nach Friedrich Fuchs, fällt ihr sofort der Lachende Engel im Dom ein. Die Skulptur aus Stein hat den Regensburger Kunsthistoriker stets angeregt, sie war sein Wegbegleiter.


Wie kaum ein anderer hat Dr. Friedrich Fuchs es verstanden, die Figuren des Doms den Menschen nahe zu bringen – weit über die kunsthistorische Betrachtung hinaus. Seine besondere Begabung war es, Menschen zurück in die Zeit mitzunehmen, in der der Dom eine Baustelle war und der Erminoldmeister gerade den Lachenden Engel und die Jungfrau Maria schuf.


Friedrich Fuchs hatte dabei den Blick auf die Kleinigkeiten, auf das besondere, das Unentdeckte. Wie die Tatsache, dass die Maria und der Engel früher gar nicht da standen, wo sie heute sind. Er hat entdeckt, dass der Lachende Engel deshalb so viel lacht, weil er früher über zehn Meter Entfernung im Chorbereich mit der Maria korrespondieren musste. Deshalb sind die beiden Figuren so ausdrucksstark.

Die Figur des Petrus im Regensburger Dom.

Oder wie die Zehen des Lachenden Engels. Schaut man genau hin, erkennt man, dass diese aus einem anderen Stück gefertigt und nachträglich hinzugefügt wurden. Friedrich Fuchs hat das so beschrieben, als würde damit noch einmal unterstrichen werden, dass dieser Engel wirklich mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht. Als tatkräftig hat er ihn beschrieben. „Der lachende Engel“, erzählt Maria Baumann, „gehört zu Friedrich Fuchs. Jeder, der mit dem Dom zu tun hat, wird immer, wenn der den Lachenden Engel anschaut, Fritz drin sehen.“

 

Petrus mit dem blau-gelben Gewand

Auch wenn es heute ein wenig unvorstellbar erscheint: Der Dom war früher bunt. Petrus hatte ein blaues Gewand mit gelbem Kragen. Im Hinblick auf die Farbigkeit hat Friedrich Fuchs die Figur des Petrus im Dom besonders intensiv untersucht. Die Figur war die erste, bei der die Farbe rekonstruiert wurde und die dann auch in einer Veröffentlichung ihren Platz fand. In der Rekonstruktion steht Petrus übrigens auf einer Blumenwiese.


"Das war ein ganz besonderes Anliegen, diese farbige Kathedrale nachzuzeichnen", erzählt Dr. Maria Baumann. Auch dazu wird es noch ein Buch geben, sodass der "bunte" Dom auch weiterhin verbunden bleibt mit Friedrich Fuchs.

Die aktuellen Steinmetzzeichen, die in der Dombauhütte verwendet werden.
Dr. Friedrich Fuchs mit dem Buch "Der Dom St. Peter in Regensburg".

 

Von der mittelalterlichen Dombauhütte bis heute

Heute noch setzen die Dombaumeister ihre Steinmetzzeichen in die Steine des Doms. Vom Mittelalter bis heute gab es viele solcher Zeichen. Steinmetze ritzen sie seit jeher in die Steine, die sie bearbeitet haben als eine Art Qualitätssicherung. Fasziniert von der Vielfalt dieser Zeichen, hat der Kunsthistoriker Fuchs sie zusammengetragen. Auf einer großen Fahne hat er sie abgebildet. Eine Idee von ihm war es, auch die Zeichen darzustellen, die aktuell von den Dombaumeistern verwendet werden. Sie sind auf einem Steinquader im Domschatzmuseum zu sehen.

"Es war für ihn immer ein großes Anliegen, all diese Erkenntnisse des Mittelalters und der Dombauzeit ins Heute zu bringen", so Dr. Maria Baumann. Um zu zeigen, dass diese Erkenntnisse nicht bloß ein nostalgischer Blick zurück sind, sondern dass sie unser Erbe sind, das uns heute genauso beschäftigt. Und das ein Zeichen ist: "Regensburg ohne Dom ist schlichtweg nicht vorstellbar. Und dass wir so viel über den Dom wissen, ist auf jeden Fall mit ein ganz großer Verdienst von Fritz Fuchs."

 

 

 

Über Dr. Friedrich Fuchs

Dr. Friedrich Fuchs (* 26.03.1952, + 16.11.2016) hat in Kunstgeschichte und klassischer Archäologie promoviert. Seit den 80er Jahren hat er sich intensiv mit dem Regensburger Dom beschäftigt. Zuerst im Förderprojekt der Deutschen Forschungsgesellschaft „Die Bau-, Kunst- und Funktionsgeschichte des Regensburger Domes. Interdisziplinäres Modellprojekt zur Erforschung einer gotischen Kathedrale.“ Ab 1991 war er am Diözesanmuseum Regensburg tätig. Auch hier war der Regensburger Dom einer seiner Schwerpunkte. Der letzte Band der Domforschungsreihe mit Beiträgen von Dr. Friedrich Fuchs wird am kommenden Mittwoch, 23. November, vorgestellt.

Das Requiem für Friedrich Fuchs findet am Freitag, 25. November 2016, um 14 Uhr im Regensburger Dom St. Peter statt. Zelebrant ist Weihbischof Josef Graf.